POPPENHAUSEN

70 Stunden Handarbeit über Kopf

Das alte Deckenfresko der Kreuz-Kapelle bei Hof Lilach.
Das alte Deckenfresko der Kreuz-Kapelle bei Hof Lilach. Foto: Matthias Ernst

In neuem Glanz erstrahlt das Gemälde über dem Altar in der Kreuz-Kapelle bei Hof Lilach. An der kleinen Kirche im Gewann „Beuchel“, die eigentlich schon auf der Gemarkung Ilmspan liegt, war im vergangenen Jahr ein Teil aus dem Deckengemälde gebrochen und heruntergefallen. Außerdem zeigten sich starke Risse und Unebenheiten am gesamten Bild; das ganze Kunstwerk drohte sich zu lösen und auf die darunter stehende Kreuzigungsgruppe zu stürzen.

Reiner Saltin und Bernhard Henneberger, Mitglieder des Kulturvereins Wittighausen, entdeckten die Schäden bei der Pflege der Außenanlagen. Gemeinsam mit Werner Henneberger, Hof- und Kapellenbesitzer aus Hof Lilach, suchten sie nach einer Lösung zur Erhaltung und zur Restaurierung des Deckengemäldes. Mit dem Kirchenmaler-Meister Anton Schultz aus Bütthard wurde ein qualifizierter Fachmann gefunden. Das etwa drei mal zwei Meter große Deckengemälde zeigt im Mittelkreis das Lamm Gottes, liegend auf dem Buch mit den sieben Siegeln und dem Kreuz, eingefasst von einem Kreis, von dem ein Strahlenkranz ausgeht. Schmückende Ornamente an den vier Ecken geben dem Bildnis noch eine besondere Note.

Im Spätjahr 2017 stellte Werner Henneberger im Chorraum ein Gerüst auf, um die Ausführung der Arbeiten zu ermöglichen. Erste Maßnahme des Kirchenmalers war das Hinterspritzen der Hohlstellen mit Injektionsmörtel auf speziell feiner Kalkbasis, um die gesamte Bildfläche zu sichern. Dabei waren auch Unebenheiten auszugleichen und Risse zu verschließen, eine sehr aufwendige Überkopf-Arbeit. Danach galt es, die große Fehlstelle auf einer Armierung in drei Lagen mit Kalksandmörtel aufzubauen und den Strukturausgleich zum Altbestand herzustellen. Die Putzlagen waren in mehreren Schichten nach jeweils längerer Trockenzeit (Standzeit pro Millimeter: ein Tag) aufzubringen.

Nun waren die Malkünste von Anton Schultz gefragt, als die farbliche „Einretuschierung in Leinfarbentechnik“ zum vorhandenen Gemälde zur Ausführung kam. Abschließend erfolgte die Reinigung und Auffrischung der gesamten Bildfläche. Mitte 2018 war nach über 70 Stunden Handarbeit über Kopf die Restaurierung und Erhaltung des Kunstwerkes abgeschlossen. Jetzt zeigt sich das Deckengemälde wieder vollständig in seiner ganzen Pracht. Mit der kompletten Innensanierung von Wänden und Decke in den vergangenen Jahren präsentiert sich jetzt das Kapelleninnere im neuen Licht. Am „Kapellen- und Bildstockwanderweg Nord“ der Gemeinde Wittighausen gelegen, bietet das Kleinod Gelegenheit zur Rast und inneren Einkehr.

Der Bau dieser Kapelle geht zurück ins 19. Jahrhundert. An der Innenseite, im Bogen über der Eingangstür, ist vermerkt: „Diese Kapelle wurde zur Ehre Gottes gestiftet von Barbara Henneberger, Wittwe von Lilach, 1879“. Anlass für die Errichtung der Kapelle war ein kunstvolles Steinkreuz, das zuvor im Freien am Platz der heutigen Kapelle stand; dessen Fundament ist noch vorhanden. Seitlich am Altar, auf dem das Kreuz jetzt steht, ist folgender Hinweis festgehalten: „Anno 1770 wurde zur Ehre Gottes dieses Christusbild von den vier Hofbauern von Lilach errichtet und hierher versetzt mit Maria und Johannes am 15. April 1880 durch die Familie Henneberger“.

Leider ist der Künstler des großartigen Kruzifixes nicht bekannt. Anderes gilt für die Figuren von Maria und Johannes. Hier ist der Namen „G. Müller, Heidingsfeld, 1880“ an der Sockelplatte der Johannesfigur festgehalten und dürfte auch für die Marienfigur zutreffen. Bis in die fünfziger Jahre des verhgangenen Jahrhunderts war die Kapelle Ziel von Wallfahrern und Pilgern aus den umliegenden Gemeinden an den Festen „Kreuzerhöhung - Kreuzauffindung“. Aktuell werden noch Maiandachten an der Kapelle gehalten.

Das Deckenfresko nach der Renovierung.
Das Deckenfresko nach der Renovierung. Foto: Matthias Ernst
Restaurator Anton Schultz (links) und Stifter Werner Henneberger.
Restaurator Anton Schultz (links) und Stifter Werner Henneberger. Foto: Matthias Ernst

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