TAUBERBISCHOFSHEIM/KÖNIGHEIM

Am Mittwoch starten die Abiturprüfungen: Der 72-jährige Franz Honikel erinnert sich an seine Schulzeit

Rückblick in die Vergangenheit (von links): Karen Achstetter, Theresa Uihlein, Franz Honikel und Lukas Uihlein. Foto: Ulrich Feuerstein

An diesem Mittwoch ist es wieder soweit: Für die Abschlussklassen an den Gymnasien Baden-Württembergs beginnt das Abitur. Landesweit schwitzen dann Schülerinnen und Schüler über Deutschaufsätzen und Mathematikaufgaben. Erleichtert ist, wer den ganzen Stress hinter sich und das Reifezeugnis in Händen hat. Früher war das auch nicht anders. Beim Familientreffen der Honikels im Sportheim von Königheim saßen mehrere Generationen von Abiturienten am Tisch und tauschten ihre Erinnerungen an ihre Schulzeit am Matthias-Grünewald-Gymnasium in Tauberbischofsheim aus.

Franz Honikel zum Beispiel. 1941 in Königheim geboren, wechselte er 1952 an das MGG. „Damals gab es eine Aufnahmeprüfung“, erinnert er sich. Er besuchte den altsprachlichen Zug. Latein, Englisch und Griechisch standen auf dem Stundenplan. Honikel stammt aus einer Familie mit sechs Kindern. Seine Eltern betrieben eine Landwirtschaft. Geld war meistens knapp – und für das Gymnasium war Schulgeld zu entrichten. Da verwundert es nicht, dass er als Einziger eine weiterführende Schule besuchen durfte.

Von der immer wieder geäußerten Kritik, das Gymnasium sei eine Ständeschule, hält Honikel nichts. „Das hat damals nicht gestimmt und stimmt heute schon gar nicht.“ Viele Schüler seien wie er aus Nichtakademikerfamilien gekommen. Niemand habe sich als etwas Besseres gefühlt und auf andere heruntergeschaut, widerspricht er der weit verbreiteten Meinung.

Damals waren die Schüler noch im „alten“ Gymnasium untergebracht. Dort, wo heute die Polizei ist. „Es ging sehr rustikal zu“, meint Franz Honikel im Rückblick. Mit Kanonenöfen wurde im Winter geheizt. „Rustikal“ waren damals auch manche Erziehungsmethoden. Lehrer hatten kraft ihres Amtes Autorität und genossen Respekt. „Auf Pünktlichkeit und Disziplin legten sie großen Wert“, erzählt er. Wer dagegen verstieß, wurde bestraft.

Strenge Lehrer

Die strenge Reglementierung versuchten die Schüler zu unterlaufen. „Wir waren keine Musterknaben“, schmunzelt der 72-Jährige. Einmal seien sie in die Stadt ausgebüxt, als der Unterricht ausgefallen war. „Die Schulleitung hat uns dann schnell wieder eingesammelt.“ Ein aus heutiger Sicht eher harmloser Streich. Nicht einfach hatte es Anna Horn, das einzige Mädchen in der Klasse. „Wir waren kein Ausbund an Galanterie“, räumt Honikel ein. Näher will er sich dazu nicht äußern.

Nach dem Unterricht ging es in das Konvikt. Wie viele seiner Mitschüler, die vom Land kamen, war Franz Honikel im erzbischöflichen Studienheim untergebracht. Dort bekam er das Mittagessen. Eine Cafeteria oder Mensa an der Schule gab es damals nicht. Im Anschluss war „Studienzeit“ angesagt. Unter Aufsicht konnte er seine Hausaufgaben machen und sich auf den nächsten Schultag vorbereiten. Dafür ist Honikel noch heute dankbar: „Hier habe ich die Unterstützung und Förderung bekommen, an die zu Hause nicht zu denken war.“

Wenn nur nicht das Heimweh gewesen wäre. Vor allem nach den Ferien bedrückte es die Schüler. Unter der Woche durften sie nicht heim. Die Eltern kamen nur an bestimmten Sonntagen zu Besuch. „Manche haben bitterlich geweint“, erinnert Honikel sich.

1961 legte Franz Honikel das Abitur ab. 23 Absolventen zeigt das Abschlussbild – von ursprünglich 55. „Über die Jahre wurde kräftig gesiebt“, so Honikel. Nach dem Abitur studierte er Jura in Würzburg und promovierte. Viele Jahre war er als Wirtschaftsprüfer im Genossenschaftsbereich tätig. Mittlerweile pensioniert, lebt er in der Nähe von Stuttgart.

Karen Achstetter, Honikels Großnichte, absolvierte ihr Abitur 2010. „Anstrengend ist es vor allem nach den Prüfungen gewesen“, berichtet sie. Abigag, Abiball und diverse Partys mussten schließlich bewältigt werden. Ruhiger ging es bei Franz Honikel zu. Nach bestandenem Abitur gab es ein Fest in der Turnhalle, bei dem die Zeugnisse überreicht wurden. „Einen Ball hatten wir nicht“, so Honikel.

Karen Achstetter gehörte einer reinen Mädchenklasse an – alle katholisch, alle mit Latein als zweiter Fremdsprache. „Am Anfang war das ziemlich erschreckend, keinen Kontakt zu Jungs zu haben“, erinnert sie sich. Die Geschlechtertrennung hatte aber auch Vorteile. Ein guter Zusammenhalt habe sich in der Klasse entwickelt. Und in manchen Fächern trauten sich die Mädchen auch mehr. „In Biologie konnten wir offener über heikle Themen reden“, sagt Karen Achstetter. Sie selbst studiert Bauingenieurwesen. „Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass wir in den Naturwissenschaften keine Angst hatten, Fragen zu stellen“, räumt sie ein.

Gut vorbereitet

Lukas Uihlein gehörte dem doppelten Abiturjahrgang an. 2012 legten G8- und G9-Schüler gemeinsam die Prüfungen ab. Dem leidenschaftlichen Hobbymusiker sind die zahlreichen Auftritte bei Konzerten und Schulfesten in Erinnerung geblieben. Das verbindet ihn mit seinem Großonkel. Franz Honikel hat im Gymnasium und im Konvikt Cello gespielt.

Für Theresa Uihlein, Lukas‘ Schwester, wird es nächste Woche ernst. Dann beginnen für sie die Abiturprüfungen. In Deutsch, Mathematik, Englisch muss sie schriftliche Arbeiten anfertigen. Und in Wirtschaft – ein Fach, das es zu Franz Honikels Zeiten nicht gegeben hat. Dafür wurde er in Latein und Griechisch examiniert. Theresa Uihlein ist noch recht gelassen. „Wir Schüler sind super vorbereitet“, meint sie.

1961 wurde das Abitur noch im Anzug mit Krawatte abgelegt: Franz Honikel (vorne links) plauderte beim Generationentreffen aus seiner Schulzeit. Foto: Privat

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