FREIBURG

Bahn scheitert mit Ausbauplänen

Unter Druck: Bahnchef Rüdiger Grube gestikuliert bei einem Informationsbesuch in Offenburg auf einer Brücke über den Bahngraben der Rheintalbahn in Offenburg. Die Bahn wollte hier zwei zusätzliche Gleise durch die Innenstadt führen. Das Regierungspräsidium stoppte jetzt die Ausbaupläne der Bahn bei Offenburg. Die eingereichten Pläne der Bahn seien nicht genehmigungsfähig. Foto: ArchivRolf Haid

(lsw) Im Tauziehen um den Ausbau der Rheintalbahn muss die Bahn AG eine Niederlage einstecken. Die vor knapp vier Jahren eingereichten Pläne des Unternehmens für die Strecke im badischen Offenburg (Ortenaukreis) seien nicht genehmigungsfähig, sagte der südbadische Regierungspräsident Julian Würtenberger (CDU) am Dienstag in Freiburg. Sie seien unvollständig und beinhalteten zahlreiche inhaltliche Fehler. Zudem würden die Interessen der Anwohner zu wenig berücksichtigt. Das Planverfahren werde daher gestoppt, alle Unterlagen würden zurück an die Bahn geschickt.

Der Ausbau der Bahnstrecke von Karlsruhe nach Basel ist neben Stuttgart 21 das größte Bahnprojekt in Baden-Württemberg. Offenburg gilt als Knackpunkt. Die Bahn möchte hier zwei zusätzliche geplante Gleise durch die Stadt führen. Politik und Bürger fordern seit Jahren einen Tunnel. Allein in Offenburg hatten mehr als 46 000 Menschen gegen die Bahnpläne beim Regierungspräsidium Beschwerde eingelegt.

Der Tunnel für Offenburg werde nun wahrscheinlich, sagte Würtenberger. Seine Behörde habe große Zweifel, dass ein Nachbessern der von der Bahn erarbeiteten Pläne ausreicht. Würden die beiden zusätzlichen Gleise durch Offenburg geführt, verschandele dies das Stadtbild. Zudem würden die Anwohner in unzumutbarer Weise belastet.

Das Regierungspräsidium legte auf 628 Seiten dar, warum es die Bahnpläne ablehnt. „Besonders gravierend ist aus unserer Sicht, dass die Bahn die vorgeschriebenen Lärmgrenzwerte selbst mit großräumigen Schallschutzmaßnahmen großräumig nicht einhalten kann“, sagte Werner Hoffmann, Referatsleiter im Regierungspräsidium. „Und dies, obwohl 16 Kilometer Lärmschutzwände geplant sind, die eine Gesamthöhe von bis zu 12,5 Meter erreichen.“ Zudem müssten 42 Gebäude sowie 161 Garagen abgerissen werden.

Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner (CDU) sagte: „Das ist ein Riesenerfolg für die Stadt.“ Am Bau eines Tunnels führe nun kein Weg mehr vorbei. Der Protest habe damit Erfolg gehabt.

Die Bahn AG war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Welche Folgen die Entscheidung der Freiburger Behörde für den Zeitplan des Ausbaus hat, blieb offen. Auch der Regierungspräsident konnte dazu keine Aussage machen.

Bahnchef Rüdiger Grube hatte Ende Oktober Verständnis für die Proteste in Offenburg gezeigt. Zuvor hatte er sich mit dem Land auf Probebohrungen für einen Tunnel geeinigt. Das Ergebnis soll noch in diesem Jahr bekannt gemacht werden.

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