Tauberbischofsheim

Bodenerosion im Laufe der Zeit

Gleicher Ort, andere Zeit. Im März 1959 zeigt sich im Rippbachtal nördlich von Röttingen die Verlagerung von Ackerboden von einer Hangterrasse. Fast 60 Jahre später hat sich die Bodenabtragung nach der Einführung von Gründüngung deutlich verringert.
Gleicher Ort, andere Zeit. Im März 1959 zeigt sich im Rippbachtal nördlich von Röttingen die Verlagerung von Ackerboden von einer Hangterrasse. Fast 60 Jahre später hat sich die Bodenabtragung nach der Einführung von Gründüngung deutlich verringert. Foto: Horst-Günter Wagner

Der Geograph Horst-Günter Wagner hat die Bodenerosion im Taubertal über einen langen Zeitraum hinweg erforscht. Vor dem Hintergrund des Klimawandels hält er Maßnahmen gegen diese Prozesse für dringend geboten, so die Julius-Maximilians-Universität Würzburg in einem Bericht.

Es ist sein persönliches Langzeit-Forschungsprojekt: 1958/59 hat Horst-Günter Wagner im Rahmen seiner Dissertation Prozesse der Bodenerosion im Gebiet des fränkisch-badischen Taubertals untersucht. Jetzt hat er diese Untersuchungen wiederholt und – nach knapp 60 Jahren – mit ähnlichen Fragestellungen die gleichen Orte wieder aufgesucht und einen geographisch-historischen Langzeit-Vergleich vorgenommen. Die Ergebnisse stellt Wagner in Heft 88 der „Würzburger Geographischen Manuskripte“ vor.

Wagner, der an der Universität Würzburg Geographie, Geschichte, Germanistik und Geologie für das Lehramt an Gymnasien studiert hat, wurde hier im Frühjahr 1975 auf den Lehrstuhl für Allgemeine und Angewandte Wirtschaftsgeographie am Institut für Geographie und Geologie berufen. Im Jahr 2000 wurde er emeritiert.

Auch nach der Emeritierung noch aktiv

Bodenerosion sei eines der Themen, die ihn fortdauernd auch nach dem aktiven Dienst fesselten, erklärt Wagner. Ein Thema übrigens, das nicht nur regional und lokal von Bedeutung sei. Gerade mit Blick auf das Problem der Nahrungssicherheit für eine wachsende Bevölkerung, seien Strategien gegen die Bodenerosion immer wichtiger – und damit auch die entsprechende Forschung in diesem Bereich.

In seiner jetzt veröffentlichten Abhandlung beschreibt Wagner am Beispiel des Taubertal-Gebietes Vorgänge der Bodenabtragung und der entsprechenden Ablagerungen. Seine Studien erfassen unterschiedliche landschaftliche Relieftypen und Hangneigungen sowie verschiedene Formen der landwirtschaftlichen Nutzung. „Der Vergleich der Ergebnisse aus den Studien von 1958/59 und heute zeigt divergente Entwicklungen: Während an manchen Stellen die Bodenerosion zugenommen hat, hat sie sich an anderen Stelle zurückentwickelt“, beschreibt Wagner ein Ergebnis seiner Arbeit. Ursache dieser unterschiedlichen Entwicklung seien in erster Linie Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung der jeweiligen Gebiete.

Landwirtschaftliche Nutzung bleibt nicht ohne Folgen

Die Aufgabe des Weinbaus, eine Intensivierung und Maschinisierung des Ackerbaus, neue Fruchtfolgen, die Flurbereinigung und die damit einhergehende Vergrößerung der Felder, auf denen sich Erosionsprozesse in der vegetationsarmen Jahreszeit verstärkt entfalten können: All diese Faktoren sind dafür verantwortlich, dass die Bodenabtragung an solchen Stellen zugenommen hat. Auch die Intensivierung des Maisanbaus hat dazu beigetragen, weil die Pflanze im Frühsommer dem Boden nur geringen Blattschutz bietet. Im Gegenzug dazu die Erosion zurückgegangen, wo ein Wechsel von Ackerbau zu Grünland stattgefunden hat.

Weiterhin zeigen seine Untersuchungen: Wenn an den Hängen Erdreich verloren geht, sammeln sich Sedimente auf den Feldern der unteren Hangbereiche oder in der Talaue. „Diese Überschüttungen bergen erhebliche Dauerschäden“, resümiert Wagner. Der Einfluss des Menschen sei dabei klar ersichtlich.

Bodenerosion: Schon Thema im 18. Jahrhundert

Wagner hat seinen Vergleich nicht nur über den Zeitraum von 60 Jahren angestellt. Um noch weiter rückblickend die Wirkungen der Bodenerosion zu erfassen, hat er zusätzlich Berichte aus dem Archiv Wertheim-Bronnbach und dem Staatsarchiv Würzburg über historische Starkregen und deren Folgen für die frühere Landwirtschaft in seine Studie mit einbezogen. „Diese Unterlagen zeigen, wie Bauern schon im 18. Jahrhundert versucht haben, die Bodenerosion zu bekämpfen, um Ernteverluste zu vermeiden“, sagt er. Der Blick auf historische Starkregenereignisse mache auch witterungsmäßige Schwankungen und sogar längere klimatische Veränderungen deutlich. Insgesamt zieht der Geograph aus diesen Langzeitbeobachtungen den eindeutigen Schluss: „Im Hinblick auf den aktuellen Klimawandel mit der erwarteten zukünftigen Zunahme von Starkregen werden neue Maßnahmen zur Verhinderung von Bodenabtragung immer wichtiger. Dies gilt nicht nur für Mitteleuropa, sondern weltweit.“

Bodenerosion in der historischen Agrarlandschaft des Taubertales. Horst-Günter Wagner. Würzburger Geographische Manuskripte, Heft 88, 2018. Institut für Geographie und Geologie.

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