WITTIGHAUSEN

Bürger wollen Lärmschutzwand

Die Züge brausen an den Häusern vorbei: Wie hier im Bereich nach der Tunnelausfahrt soll in Wittighausen eine Lärmschutzwand die vom Krach der vorbeifahrenden Züge gebeutelten Anwohner zukünftig ruhiger leben lassen.
Die Züge brausen an den Häusern vorbei: Wie hier im Bereich nach der Tunnelausfahrt soll in Wittighausen eine Lärmschutzwand die vom Krach der vorbeifahrenden Züge gebeutelten Anwohner zukünftig ruhiger leben lassen. Foto: Matthias Ernst

Mit so viel Zuspruch und Akzeptanz hatte Sabine Weiler von der DB Netz AG, Abteilung RB West, Lärmsanierung, und ihr Kollege Frank Reichart von Modus Consult nicht gerechnet. Weiler war ins Rathaus nach Unterwittighausen gekommen, um die Bürger über Möglichkeiten des Lärmschutzes entlang der Bahnstrecke, die quer durch das Gemeindegebiet verläuft, zu informieren.

Deutlich machte sie, dass die Lärmschutzsanierung nicht in Zusammenhang mit dem geplanten Ausbau der Bahnstrecke Würzburg-Stuttgart steht. Dies war im Vorfeld mehrfach kolportiert worden. Ganz im Gegenteil: Bei der Lärmsanierung handelt es sich um eine freiwillige Leistung des Bundes. Sie wird an allen besonders vom Lärm betroffenen Strecken auf dem gesamten Schienennetz auf einer Länge von 3700 Kilometern in Deutschland durchgeführt. Bis Ende 2016 waren bereits 1600 Kilometer mit aktivem oder passiven Lärmschutzmaßnahmen versorgt.

Das Programm läuft seit 1999 und soll letztlich alle Streckenabschnitte umschließen. 150 Millionen Euro fließen jährlich in das Programm und die Gelder werden nach einer Prioritätenliste ausgegeben, die sich an einem Quotienten orientiert, welcher die Höhe des Lärmschutzes berücksichtigt.

Lärmentwicklung ermittelt

Die Sanierungsabschnitte sind in Teile von rund 20 Kilometern eingeteilt. Nun ist also die Strecke bei Wittighausen dran. Modus Consult hatte rechnerisch die Lärmentwicklung im Gemeindegebiet ermittelt und daraus eine Prioritätenliste erarbeitet. Auf eine Karte des Gemeindegebietes hatte Frank Reichart eine „Isophonenlinie“ gelegt, die zeigt, welche Gebiete besonders vom Lärm betroffen sind. Isophonen sind Linien gleicher Lautstärke, egal wie weit entfernt man sich von der Lärmquelle befindet. Das gab für Wittighausen ein ganz schönes Zick-Zack-Muster.

Anhand von Grenzwerten, die für das Lärmempfinden festgelegt sind, kann so ermittelt werden, welche Gebäude einen Lärmschutz bekommen können und welche nicht. Dieser liegt in Wohngebieten bei 57 dB (A), bei Mischgebieten bei 59 dB (A) und bei Gewerbegebieten 62 dB (A). Diese Grenzwerte werden für die Nachtzeit von 22 Uhr bis 6 Uhr angenommen. Wer also innerhalb des Gebietes mit errechnetem Lärm über den Grenzwerten liegt, kann eine Lärmsanierung beanspruchen. Dies kann als aktiver Schutz eine Lärmschutzwand sein oder als passiver Schutz Lärmschutzmaßnahmen am Haus, wie Lärmschutzfenster, Rolladenabdichtungen oder die Dämmung von Dächern, sowie die Anschaffung von Schalldämmlüftern. Dabei kann es auch zu einer Kombination von beiden Maßnahmen kommen, wenn der aktive Lärmschutz nicht ausreichend ist. Während die Lärmschutzwand zu 100 Prozent vom Bund übernommen wird, ist bei den passiven Maßnahmen am Eigenheim nur eine Förderung von 75 Prozent vorgesehen.

Zwei Standorte in Wittighausen

In Wittighausen sind es zwei Standorte, die für eine Lärmschutzwand in Frage kommen. Einmal südlich der Bahnstrecke in Richtung Langmühlenweg und eine weitere Wand nach der Tunnelausfahrt in Richtung Wittigstraße/Bahnhofstraße. Die Wände sollen jeweils eine Höhe von drei Metern haben und sind aus hoch absorbierendem Material. Lediglich bei Brücken oder im Bereich des Bahnhofs sind durchsichtige Lärmschutzwände aus speziellen Kunststoffen vorgesehen.

Insgesamt sind 580 Meter Lärmschutzwand in Wittighausen geplant. Wer nicht von der Lärmschutzwand profitiert, der kann immer noch den passiven Schutz nutzen, um eine Lärmreduzierung in seinem Haus zu erreichen. Voraussetzung ist allerdings, dass er im errechneten Gebiet liegt.

Das Interesse der vielen anwesenden Bürger an den Lärmschutzmaßnahmen zeigt die Notwendigkeit eines schnellen Handelns. Allerdings machte Weiler den Bürgern wenig Hoffnung, dass die Lärmschutzwand vor 2021 kommen wird. So viel Vorlaufzeit ist wegen der vielen unterschiedlichen Genehmigungsverfahren notwendig.

Alle betroffenen Bürger werden von der DB angeschrieben und auf die Möglichkeit des Lärmschutzes hingewiesen. Wer an dem Programm teilnehmen möchte, sendet einfach den Fragebogen zurück und dann wird man sich mit den Bürgern bezüglich eines Beratungstermins in Verbindung setzen, sagte Weiler. Die passiven Maßnahmen gehen im Allgemeinen schneller, machte sie den anwesenden Bürgern dann doch etwas Mut. Wobei die allermeisten eine Lärmschutzwand befürworten, wie eine Blitzumfrage am Abend zeigte.

Bürgermeister Marcus Wessels sagte seine Unterstützung zu, damit die Lärmbelastung in Wittighausen möglichst bald geringer wird. Trotzdem machte er deutlich, dass man sich freue, wenn durch Wittighausen weiter Züge fahren. „Vor allem Personenzüge“, fügte er hinzu.

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