GRÜNSFELD

Eine Offenbarung für die Sinne

Saatgutfestival: Rund 900 Besucher kamen 2015, um auf etwa 500 Quadratmetern die große Fülle an Saaten und Jungpflanzen zu begutachten. Foto: Ulrich Feuerstein

Sehen, schmecken, riechen: Eine Offenbarung für die Sinne war das erste Taubertäler Saatgutfestival am Wochenende in der Stadthalle. Rund 900 Besucher kamen, um auf etwa 500 Quadratmetern eine große Fülle an Saaten und Jungpflanzen zu erleben. Unter dem Motto „Vielfalt in aller Munde“ warb das Aktionsbündnis Gentechnikfreie Region Main-Tauber für den Erhalt und für die Förderung der Kulturpflanzenvielfalt.

„Täglich sterben Pflanzensorten für immer aus“, warnte Isabell Noor. Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses betonte bei der Eröffnung der Veranstaltung, wie wichtig es ist, diese Entwicklung zu stoppen. Die Vielfalt der Kulturpflanzen ist ihren Angaben zufolge nicht nur Grundlage für die nachhaltige Sicherung der Ernährung, sondern vermindert auch den Einsatz von Pflanzenbehandlungsmitteln. Das Saatgutfestival wollte Noor als einen Beitrag für die Vielfältigkeit der Natur verstehen: „Der Erhalt der Vielfalt muss ein allgemeines Anliegen werden“.

Bürgermeister Joachim Markert zeigte sich als Schirmherr begeistert vom Saatgutfestival: „Die bunte Vielfalt heimischer Natur ist großartig“, erklärte er. Zukunftsweisend fand er, auf Regionalität zu setzen. Die Menschen wollen seiner Meinung nach die Heimat wiedererkennen: „Regionale Produkte machen die Heimat unverwechselbar“.

Eine Fülle regionaler Produkte lernten die Besucher beim Saatgutfestival kennen. An mehr als 20 Ständen konnten sie schauen und schmecken. Zeitweise war der Andrang so groß, dass kein Durchkommen war. Die Vielfalt an Kräuter- und Gemüsesaatgut, Jungpflanzen und kulinarischen Spezialitäten war enorm. Dicht umlagert war der Tausch-Tisch. Viele hatten Samen oder Jungpflanzen mitgebracht, die sie unentgeltlich tauschten.

Eine besondere Attraktion war der Gemeinschaftsstand von Dorothea-von-Rieneck-Schule und Naturschutzverein. Nicht nur die jungen Besucher konnten hier ihr Wissen über Flora und Fauna auf die Probe stellen, mit ein bisschen handwerklichem Geschick entstanden zudem Insektenhotels. Zum Mitmachen lud auch ein Korbmacher ein.

Verschiedene Kurzvorträge machten darauf aufmerksam, wie die Saatgutvielfalt gefördert werden kann. Stefi Clar von der Erzeugergemeinschaft Dreschflegel wies darauf hin, dass das geltende Saatgutrecht auch Auswirkungen auf Hobbygärtner hat. „Die Saatgutbereinigung schränkt die Sortenvielfalt auch im Hausgarten ein“, betonte sie im Interview mit Jens Roegener vom Aktionsbündnis. Umso mehr brauche es Menschen, die sich für den Erhalt der Sorten einsetzten.

Dieses Anliegen unterstützt auch Slow Food. „Wir wollen die biologische und geschmackliche Vielfalt bewahren“, sagte Gerd Sych. Deshalb engagiere Slow Food sich für eine verantwortliche Landwirtschaft und artgerechte Tierzucht. Slow Food setzt sich, so Sych, für ein Recht auf Genuss ein. Jeder Mensch aber auch die Verantwortung, das kulinarische Erbe, die Kultur und Tradition zu schützen.

Von einem „phänomenalen Erfolg“ sprach Isabell Noor am Abend. „Der Zuspruch hat unsere Erwartungen übertroffen“, meinte die Vorsitzende. Der Besucherandrang hat in ihren Augen gezeigt, dass das Saatgutfestival einem Bedürfnis der Menschen entspricht. „Das Bewusstsein für regionale Vielfalt ist in den Köpfen angekommen“, freute sie sich. Die Motivation bei ihr und den Mitgliedern des Aktionsbündnisses ist groß, im nächsten Jahr wieder ein Saatgutfestival zu veranstalten.

Schlagworte

  • Naturschutzvereine
  • Slow Food
  • Tierzucht
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!