Tauberbischofsheim

Es gibt keinen Grund sich nicht zu bewegen

Dr. Matthias Jähnel, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, erläuterte in seinem Vortrag den Zusammenhang zwischen Depression und Schmerz.
Dr. Matthias Jähnel, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, erläuterte in seinem Vortrag den Zusammenhang zwischen Depression und Schmerz. Foto: Krankenhaus Tauberbischofsheim/Jansen

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit, rund zwei Drittel der Menschen in Deutschland sind oder waren schon einmal betroffen. Wie hoch das Interesse an diesem Thema ist, zeigte sich beim Patiententag „Hilfe bei chronischem Rückenschmerz“ im Krankenhaus Tauberbischofsheim. Mehr als 250 Besucher informierten sich in den Vorträgen sowie an den Infoständen und im Gespräch mit Ärzten und Therapeuten über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten.

„Rückenschmerzen sind in Deutschland zwar sehr häufig, aber in rund 90 Prozent der Fälle verschwinden sie innerhalb der ersten sechs Wochen wieder“, erläuterte Dennis Sankat, Chefarzt der Abteilung für konservative Orthopädie und Schmerztherapie in seinem Vortrag. „Erst wenn diese Schmerzen länger als drei Monate anhalten, spricht man von chronischen Schmerzen. Dann bedarf es einer speziellen Behandlung, um den Schmerz wieder erträglich zu machen.“

Chefarzt Dennis Sankat, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie spezielle Schmerztherapie, beantwortete die Fragen der Besucher.
Chefarzt Dennis Sankat, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie spezielle Schmerztherapie, beantwortete die Fragen der Besucher. Foto: Krankenhaus Tauberbischofsheim/Jansen

Als häufigste Ursache für Rückenschmerzen nannte der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie spezielle Schmerztherapie Bewegungsmangel. „Es gibt keinen Grund sich nicht zu bewegen, es geht um Sie und Ihre Gesundheit“, appellierte er an die Besucher. Als geeignete Sportarten empfahl er Schwimmen, Wassergymnastik, Nordic Walking, Yoga, Radfahren und Tanzen. Der Orthopäde nannte außerdem weitere Ursachen wie Gelenkverschleiß (Arthrose) in den Wirbelgelenken, Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose (Verengung des Rückenmarkkanals) oder Störungen der Faszienkette. Auch Hüftprobleme könnten Rückenschmerzen auslösen.

Spezielles Therapieangebot mit stationärem Aufenthalt

Zunächst müsse es darum gehen, eine Chronifizierung der Schmerzen zu vermeiden, etwa durch eine frühzeitige ausreichende Schmerzmedikation. „Sie dürfen auch mal Schmerzmittel einnehmen, um einige Zeit zu überbrücken und sich dann auch wieder mehr bewegen zu können“, so Sankat. Wenn der Schmerz längere Zeit anhalte, bestehe die Gefahr, dass sich das Nervengewebe verändert und der Schmerz noch intensiver wahrgenommen wird.

Für die Behandlung solcher chronischer Schmerzen habe man im Krankenhaus Tauberbischofsheim ein spezielles Therapieangebot mit einem knapp zweiwöchigen stationären Aufenthalt etabliert. Dabei wirken neben den Orthopäden, Unfallchirurgen und Schmerzmedizinern auch Psychologen und Psychiater, speziell ausgebildete Pflegekräfte (Pain nurses), Physiotherapeuten, Krankengymnasten, Masseure, der Sozialdienst, die Ernährungsberatung sowie konsiliarisch auch Neurologen und Neurochirurgen mit.

Die Therapie umfasst manuelle Medizin, Osteopathie, Reflextherapie, medikamentöse und interventionelle Therapie, Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie, Psychotherapie, Naturheil- und Entspannungsverfahren. „Oft können wir den Schmerz nicht ganz beseitigen“ räumt Sankat ein. „Unser Ziel ist es dann, den Schmerz deutlich zu reduzieren. Die Patienten sollen lernen, mit den Schmerzen umzugehen, und sie sollen sich wieder wohl fühlen können.“

In mehreren Workshops demonstrierten die Physiotherapeutinnen Bewegungs- und Entspannungsübungen.
In mehreren Workshops demonstrierten die Physiotherapeutinnen Bewegungs- und Entspannungsübungen. Foto: Krankenhaus Tauberbischofsheim/Jansen

Wie wichtig dabei auch die Unterstützung durch Psychologen und Psychiater sein kann, machte Dr. Matthias Jähnel, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in seinem Vortrag „Depression und Schmerz“ deutlich.

Depressionen und Schmerzen stehen oft im Zusammenhang

„Depressionen gehen häufig mit Schmerzen einher wie auch umgekehrt chronische Schmerzen zu Depressionen führen können“, so Dr. Jähnel. Oft werde die Depression auch aufgrund der im Vordergrund stehenden körperlichen Beschwerden nicht erkannt. Psychische Symptome wie Interessenlosigkeit und Antriebsmangel verstärkten dann oft noch die körperlichen Symptome. „In der multimodalen Schmerztherapie im Krankenhaus Tauberbischofsheim beziehen wir daher auch psychologische und psychiatrische Faktoren mit ein“, so Jähnel.

Umgekehrt spielen Physiotherapie und Bewegungstherapie auch eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Depressionen. „Die gute Nachricht ist“, so Jähnel: „Depressionen können sehr gut behandelt werden, aber dazu braucht es Zeit und Geduld."

Die beiden Referenten sowie Oberärzte aus den Abteilungen standen während des ganzen Tages für die Fragen der Besucher zur Verfügung. Physiotherapeuten gaben in verschiedenen Workshops Anleitungen für Entspannungs- und Bewegungsübungen. In der Physiotherapie und im neu ausgestatteten Raum für die Medizinische Trainingstherapie demonstrierten Physiotherapeuten verschiedene Trainingsmöglichkeiten. Außerdem informierten die Ernährungsberaterin sowie Sanitätshäuser über praktische Hilfen im Alltag.

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