Tauberbischofsheim

Fachtag Palliativversorgung: Träger gut aufgestellt

Die Veranstalter von links: Christina Lang, stellvertretende Pflegedienstleiterin DRK; Anna-Maria Witte, Hausdirektorin Johannes-Sichart-Haus; Juliane Hernold, Wohnbereichsleiterin Adam-Rauscher-Haus; Anna Janz, Pflegedienstleiterin Mobile Dienste und Tagespflege Evangelische Heimstiftung; Claudia Grabs, Eigentümerin Pflege Daheim; Marcel Hofmann, Leiter Haus St. Josef Saarländischer Schwesternverband; Christine Wahl, Pflegedienstleiterin Sozialstation; Swantje Popp, Regionaldirektorin Evangelische Heimstiftung; Antje Bauer, Vorsitzende Verein für Hospiz und Lebensbegleitung. Foto: Antje Bauer

„Das war so ein wertvoller Tag – hoffentlich machen Sie das wieder“ – über diese und viele andere begeisterte Rückmeldungen freuten sich die Träger der stationären und ambulanten Pflege in Tauberbischofsheim bei einem Fachtag zum Thema „Palliativversorgung“. „Wir freuen uns über die große Resonanz“ begrüßte Swantje Popp von der Evangelischen Heimstiftung, stellvertretend für alle Veranstalter, die über 100 Menschen, die zu diesem Tag ins Winfriedheim gekommen waren. „Was bedeutet Lebensqualität aus Sicht des Betroffenen am Lebensende und wie kann sie bis zuletzt mit ihm gemeinsam berücksichtigt und gesichert werden?“ war die Frage, mit der sie die Ganztagesveranstaltung eröffnete und dann auch den Tag mit viel Charme moderierte. Bürgermeister Wolfgang Vockel dankte in seinem Grußwort den Trägern in der Stadt für ihr Engagement in diesem Bereich, was sich auch durch die Organisation dieses Tages wieder zeige.

Dr. Rainer Schäfer, Chefarzt der Palliativstation am Juliusspital Würzburg, verstand es hervorragend, das nicht ganz einfache Thema „Schmerzfrei sterben – geht das?“ bei aller Ernsthaftigkeit immer wieder mit einer Prise Humor zu würzen. Von Versuchen, etwa mit Wein, Mohn- oder Hanfextrakten Schmerzen zu lindern, berichtet schon die Bibel. Zu den heutigen Analgetika – Nicht-Opiate, Opiate und Opioide, was den anwesenden Fachkräften gewiss bekannt ist – ist in den letzten Jahrzehnten nur ein einziges Neues hinzugekommen.

All diese Mittel ermöglichen in der Regel ein schmerzfreies Sterben. Generell gilt allerdings, nicht das Gießkannenprinzip, sondern die Medikamente individuell und gezielt anzuwenden. Daneben ist aber auch die menschliche Zuwendung enorm wichtig. Ob dementiell Erkrankte oder Schlaganfallpatienten mit Sprachverlust an Schmerzen litten, ist nicht immer so ganz leicht zu erkennen, da sie sich nicht mehr äußern können. So ist der behandelnde Arzt unbedingt auf die gute Beobachtungsgabe der betreuenden Fachkräfte angewiesen. Mimik, Trauer, Schreien, auffallend verändertes Verhalten sind solche Anzeichen. Mit „es ist besser das Leben zu verlängern als das Sterben“ schloss der Referent seinen höchst informativen Vortrag.

Von ihren Erfahrungen aus zahlreichen Gesprächen mit Pflegenden und alten Menschen im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts „Leben begleiten“ berichteten die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Anne-Christin Linde und Nadine Treff von der Hochschule Esslingen. „Was ist wichtig am Lebensende? – Worauf dürfen wir hoffen, worauf dürfen wir vertrauen?“ waren die zentralen Fragestellungen, mit denen sie sich in ihrem Vortrag auseinandersetzten. Dazu zeigten die beiden Pflegewissenschaftlerinnen noch einen Film, in dem sie Heimbewohner und Angehörige zu Worte kommen ließen und selbst das eine oder andere dazu kommentierten.

Dr. Florian Gnadt, niedergelassener Allgemein- und Palliativmediziner in Tauberbischofsheim, bedauerte zunächst, dass das Thema Sterben und Tod im Studium so gut wie gar nicht vorkomme und selbst erfahrene Mediziner Probleme mit dem Lebensende haben. Deshalb sieht er es als dringend an, Palliativmedizin ins Studium zu integrieren und diskutierte dann mit dem Publikum Fragen der Palliativmedizin in der Praxis. „Es ist wichtig, den Mut zu haben, Menschen von Schmerzen und belastenden Symptomen durch die passende Medikation zu befreien und ihnen so Lebensqualität bis zuletzt zu ermöglichen“, so Dr. Gnadt. Dabei sei Aufgabe des Arztes nicht nur die Diagnose und das Verschreiben der entsprechenden Medikamente, sondern auch die psychosoziale Betreuung des Patienten durch viele und oft auch schwierige Gespräche sowie die Begleitung der gesamten Familie.

Von zahlreichen positiven Erfahrungen beim Einsatz homöopathischer Medikamente in der Palliativmedizin berichtete Dr. Joachim Stürmer und erläuterte dabei auch die Wirkungsweise der verschiedenen Stoffe. Als Facharzt für Allgemeinmedizin hat er sich in seiner Praxis in Würzburg über Jahrzehnte einen großen Erfahrungsschatz im Bereich der Homöopathie angeeignet und wird insbesondere auch von der Palliativstation am Juliusspital in Würzburg zur ergänzenden Therapie von Palliativpatienten konsiliarisch herangezogen.

Birgit Schmidt, stellvertretende Pflegedienstleitung im Odenwald-Hospiz Walldürn, gab den Teilnehmern wertvolle Ratschläge zu Gesprächen am Sterbebett. „Man muss immer die Wahrheit sagen, aber man muss nicht alles sagen, was wahr ist,“ war ihre These, mit der sie dazu motivierte, solch schwierigen aber für den Betroffenen so wichtigen Gesprächen nicht aus dem Weg zu gehen, sondern sie mit Wahrhaftigkeit und Authentizität bewusst zu führen.

Mit dem bewegenden Film „Den Tod annehmen“, der den langsamen Abschied eines an Krebs Erkrankten beschrieb, endete diese Veranstaltung, und Swantje Popp machte deutlich, dass Tauberbischofsheim mit der Vielzahl an ambulanten und stationären Trägern im Bereich der Pflege und auch in der Palliativpflege gut aufgestellt sei. Die gute Zusammenarbeit aller, die sich auch mit diesem Tag wieder gezeigt habe, trage zu dieser positiven Entwicklung für die Menschen in Tauberbischofsheim bei.

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