Lauda-Königshofen

Galerie "das auge": Warum der Holzschnitt lange tot war

Norbert Gleich zeigt einen Entwurf (unten), Druck von der "Schwarzplatte" mit Umrissen und das fertige Bild. Foto: Irmgard Jung

Zur ersten Eröffnung des Jahres 2020 in der Kunstkreis-Galerie "das auge" in Lauda, zu der Norbert Gleich zahlreiche Gäste aus der Region begrüßte, präsentierte der Vorsitzende eine Rückschau, beginnend mit einigen Frühwerken. Zum 80. Geburtstag hatte er "alles aus den letzten 40 Jahren mitgebracht, was interessant ist", darunter nicht nur seinen allerersten originalen Linolschnitt, sondern auch eine Batik-Arbeit mit der Darstellung eines Pferdes.

Als eine der ältesten künstlerischen Techniken sei der Holzschnitt lange Zeit tot gewesen, nun bereits seit vielen Jahren wieder hochaktuell. Albrecht Dürer, "Meister der Vielseitigkeit und bedeutendster Renaissancekünstler Deutschlands",  begeisterte mit seinen Werken – Zeichnungen, Kupferstiche und Holzschnitte – zu allen Zeiten. Auch ehe Gutenberg mit der Erfindung der beweglichen Lettern den Buchdruck revolutionierte, wurden Schriftstücke im Ganzen als Holzschnitte hergestellt und gedruckt.

Dem großen Holzschneider HAP (Helmut Andreas Paul) Grieshaber, sagt Norbert Gleich, verdanke man vor allem die Anerkennung des Holzschnitts "als voll gültige grafische Ausdrucksform".  Auch für Gleich selbst waren die Grieshaber-Werke nach eigener Bekundung Initialzündung für die eigene intensive Beschäftigung und das Arbeiten in dieser Kunstform.

Ausstellung geht bis 23. Februar

Die seit langem gepflegte Kunst (Gleich nennt es Handwerk) des Holzschnitts demonstriert er anhand der von ihm geschaffenen "Taufbilder" für die Laudaer Friedenskirche. Hier zeigt er zunächst die Entwürfe zur Vorlage beim Auftraggeber, danach folgt als "Nummer 1" die sogenannte Schwarzplatte. Sie gibt die Konturen der Zeichnung vor, in die er beim Anlegen die einzelnen Farbflächen einpasst.

Unerlässlich ist hier als Handwerkszeug das Skalpell zum Schneiden aller Motive in die Druckplatten. Für diese Serie von vier Bildern werden 17 einzelne Platten benötigt. Neben dem klassischen Farbdruck wird von den Holzschneidern inzwischen auch die Technik des verlorenen Holzschnitts angewandt; hier werden nach dem Druck einer Farbe die gedruckten Segmente ausgeschnitten und so nach jeder Farbe verfahren, bis der Druckstock völlig leer und damit unbrauchbar geworden ist.

Die Ausführungen der Eröffnung werden am Sonntag, 19. Januar, ab 14 Uhr bei Gleichs Druckvorführung ergänzt; auch die Besucher erhalten Gelegenheit, für sich selbst ein Bild zu drucken. Geöffnet ist die Ausstellung darüber hinaus an jedem Sonntag bis einschließlich 23. Februar jeweils von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr.

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