NIEDERSTETTEN

„Gyronimo“ und „Girabella“ am Start

Neugierige Bewunderer: „Ganz groß, diese kleinen Hüpfer!“ Besucher nahmen die beiden neuen Fluggeräte staunend in Augenschein. Foto: Inge Braune

Ziemlich genau einen Monat sind zwei Gyrokopter genannte Fluggeräte mittlerweile im „Dienst“ am Flugplatz Niederstetten. Zu Sandra Bieberstein gehört „Girabella“, die „Drehende Schöne“, zu Stefan Hirsch „Gyronimo“. Die beiden begeisterten Gyrocopter-Piloten haben mit der Anschaffung der Fluggeräte auch ihre beiden nebenberuflichen Existenzgründungen samt Geschäftseröffnung begangen, ein wenig draußen vor der Tür, ein wenig drin im liebevoll-nostalgisch eingerichteten Aeronauten-Büro gleich beim Eingangsbereich des Nieder- stettener Zivilflugplatzes.

Gut 30 Flugplätze hatten sie abgeklappert, um das richtige Heim für ihre Vögelchen zu finden. Im Grunde bräuchte so ein Gyrocopter - der Mini-Vogel ist 1,80 breit, 4,40 lang und knapp 2,80 hoch, nur die zwei Rotorflügel recken sich insgesamt achteinhalb Meter lang - nur eine etwas höhere und doppelt lange Garage als Wohlfühlnest. Dran angeschlossen sollte allerdings ein Sportplatz sein, denn anders als Helikopter, die großen Brüder der Luftzwerge, benötigen die Gyros etwas Anlauf. Per Heckrotor wird das samt aller Einbauten nur knapp 300 Kilogramm leichte Fluggerät auf etwa 35 Stundenkilometer beschleunigt, denn reicht der Luftstrom aus zum Start des Fliegengewichts. Wenn er mal oben ist, erweist sich der bei Mailand hergestellte Magni Gyro „M-24 Orion“ als eine Art fliegendes Aussichts-Sofa für zwei Personen, das auch bei widrigen Windverhältnissen ruhig in der Luft liegt. Die Kuppel gestattet einen Beinahe-Rundblick aus der Vogelperspektive. Getankt wird ganz schlicht Super-Sprit, die Tankfüllung von gut 80 Litern gestattet dreieinhalb bis vier Flugstunden beziehungsweise 400 Kilometer Aussichtsflug.

Kindheitstraum erfüllt

Mit ihrer „Girabella“ erfüllte sich Sandra Bieberstein einen Kindheitstraum: Kosmonautin wollte die gebürtige Sächsin werden; zumindest war das der Wunschberuf, den sie als Erstklässerin sogar auf dem Schul-Zeichenblock verewigte. Inzwischen ist sie Mitte 30, Kommunikationsreferentin, Liebhaberin alter Motorräder - und wurde statt Astro- eben „Aeronautin“, wie die Piloten in der Anfangszeit des Luftverkehrs noch hießen. Mit ihrem Start up-Unternehmen „Aeronauten – Flug- und Reiseerlebnisse“ reiht sich Sandra Bieberstein bewusst ein in die Tradition der Luftfahrt-Pioniere. „Der ruhige Tragschrauber-Flug macht Luftreisen wieder zum Erlebnis“, berichtet die Pilotin.

Viel weiß sie über die in den 20er Jahren begonnene Gyrocopter-Geschichte und den spanischen Autogiro-Erfinder Juan de la Cierva zu erzählen. Sie schwärmt davon, wie schlüssig auch ihr frisch aus dem Ei geschlüpfter und mit modernster Technik ausgestatteter Gyrocopter auf die Frühzeit der Lufterkundung verweist.

Begeisterung fürs Fliegen

Mit ihrem Arbeitskollegen Stefan Hirsch teilt die „Aeronautin“ nicht nur die Begeisterung fürs Fliegen, sondern auch die an alten Motorrädern. Hirsch, Jahrgang 1964, stammt aus Berlin, begeisterte sich schon als Junge für den Modellflug und nutzte jede Chance, gemeinsam mit Segelflugfans im Freundeskreis in die Luft zu gehen. Ihm selbst fehlte der Arbeit wegen bald die Zeit für die Mitgliedschaft in einem Fliegerei-Verein. Der Traum vom Fliegen lag auf Eis – bis jüngst der Gyrocopter das Fliegerherz höher schlagen ließ. Gemeinsam mit einem Kollegen beschloss Hirsch, die Sportpilotenlizenz zu erwerben. Sandra Biberstein beschloss spontan: „Ich auch“. Schnell knospte aus dem Vergnügen eine Geschäftsidee: Wie Bieberstein beschloss auch Hirsch mit „Sky Service 42 UG“ eine nebenberufliche Existenzgründung. Tür an Tür befinden sich die beiden Büroräume im Niederstettener Flugplatz-Souterrain, Schulter an Schulter parken die Gyros im Niederstettener Hangar. Und ab sofort sind, sowie das Flugwetter auch nur einigermaßen stimmt, an den Wochenenden und nach Vereinbarung Fluggäste willkommen. Rundflüge, der Schnupperkurs „Pilot in spe“ und Flüge nach eigener Routenplanung sind möglich. Im Sommer weiten die Piloten das Angebot auch auf die Wochentage aus – dann jeweils zwischen etwa 17 Uhr und Sonnenuntergang. Fest eingeplant sind schon in Kürze regelmäßige Starts ab Aalen, Heilbronn, Mannheim, Nürnberg, Speyer, Schwäbisch Hall, Stuttgart, Würzburg und Ulm.

Mehr Infos gibt?s auf der Homepage www.die-aeronauten.de.

Gyrokopter

Das Leergewicht liegt bei 295 Kilogramm, das maximale Abfluggewicht darf 535 Kilogramm nicht übersteigen. Die Reisegeschwindigkeit liegt bei 120 Stundenkilometern, die zulässige Höchstgeschwindigkeit bei knapp 160 km/h. Der Rotax 914 Turbo-Motor leistet mit vier Zylindern 115 PS, die maximale Motor-Dauerdrehzahl liegt bei 5500 Umdrehungen pro Minute. Mit rund 80 Litern Superbenzin bewältigt der Magni M-24 Orion in dreieinhalb bis vier Flugstunden gut Distanzen um 400 Kilometer.

Steuerknüppel statt Lenkrad: Bequeme Sitze, übersichtliches Cockpit im Magni M-24 Orion von Stefan Hirsch Foto: Foto:Inge Braune

Schlagworte

  • Niederstetten
  • Inge Braune
  • Flughäfen
  • Gyros
  • Juan de la Cierva
  • Kosmonautinnen und Kosmonauten
  • Luftfahrt
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!