BAIERSBRONN

Heimat im Schulranzen

Gesammelte Heimat: In der Touristen Information von Baiersbronn betrachtet eine Besucherin eine Vitrine mit verschiedenen symbolischen Heimatstücken. Foto: dpa

Der Blick auf seinen Schulranzen aus Grundschultagen weckt beim Chef des Textilherstellers Trigema, Wolfgang Grupp, Heimatgefühle. „Durch die Grundschulzeit in Burladingen entstand eine tiefe Verbundenheit mit meiner Heimatstadt“, notiert er für die Sammlung „Heimatstücke“ des Tourismusdirektors Patrick Schreib aus Baiersbronn im Schwarzwald. Neben dem Ranzen stehen riesige Wanderschuhe, Größe 48. Ein Tourist hat sie da gelassen als Beleg dafür, dass Heimatgefühle auch beim Umherlaufen entstehen können.

Seine Sammlung hat Schreib Anfang des Jahres begonnen. „Ich wollte einfach wissen, was Menschen heute mit Heimat verbinden“, erzählt er. Der Begriff, der immer wieder für alle möglichen werbenden und politischen Zwecke ge- und missbraucht wurde, hat für ihn nichts von seiner Bedeutung verloren. Das zeigt ihm auch ein Blick auf die rund 50 „Heimatstücke“, die inzwischen in einer Vitrine im Tourismusbüro liegen. „Da sind keine plüschigen Dinge dabei. Heimat ist nicht kitschig, sondern modern und sehr real.“

Gefühl statt Ort

Ein weiteres Ergebnis seiner privaten Studie: „Heimat ist weniger ein Ort als ein Gefühl, eine oft nostalgische Sehnsucht nach Kaffee unterm Lindenbaum im Kreise der liebevollen Familie.“ Dazu passt der Schlüssel, den Nico Frieß beigesteuert hat. Er stammt aus dem Erbe seiner Großeltern „und erinnert mich stets an die fröhlichen und unbeschwerten Stunden in ihrem Haus.“ Insbesondere an den Schrank mit den Spielsachen.

Die Sammelleidenschaft von Schreib ist nicht ganz uneigennützig. Das Aushorchen der Gäste nach ihren Sehnsüchten will er für sich nutzen. „Die Urlauber wollen bei uns erleben, was sie im Alltag nicht haben. Sie kommen zu uns in der Hoffnung, ein Stück Heimatgefühl zu finden“, ist er überzeugt. Darauf will er seine Mitstreiter im Schwarzwald einschwören. „Wir brauchen dieses Heimat-Profil, um im Wettbewerb zu bestehen. Denn schön ist es in anderen Regionen auch.“

Essen und Trinken

Ein Großteil der Heimatliebe scheint direkt durch den Magen zu gehen, viele Stücke haben mit Essen und Trinken zu tun: ein Glas eingemachte Zwetschgen – mit dem Spruch „So gut schmeckt's nur zu Hause“ – und eine Spätzlepresse. Daneben zwei Flaschen Bier, eine Flasche Likör, und eine Flasche Trollinger. Letztere hat CDU-Landeschef Thomas Strobl gestiftet; es ist der Preis für den durchgehaltenen Halbmarathon in seinem heimatlichen Heilbronner Land.

Eher nüchtern hat Baden-Württembergs Agrarminister Alexander Bonde (Grüne) einen Stein aus seinem Schwarzwälder Garten beigesteuert. Sein Kabinettskollege, Finanzminister Nils Schmid (SPD), präsentiert sich mit einem Buch über Schlösser und Gärten im Südwesten distanziert. „Heimat ist auch die Kultur, in der man aufwächst, die einen prägt und die den Geist beflügelt“, begründet er seine Wahl.

Wer Schreib ein Stück Heimat anvertraut, erhält im Gegenzug ein kantig zugeschnittenes Holzstück aus dem Schwarzwald, auf dem in altdeutscher Schrift „Heimatstück“ und eine Nummer eingebrannt ist. Rund 100 dieser Scheite hat er vorbereitet. „Aber am Nachschub mangelt es nicht.“

Das Schlusswort hat Trigema-Chef Grupp, der mit seinem Unternehmen seinem Heimatort auf der Schwäbischen Alb bis heute treugeblieben ist und mit „made in germany“ wirbt. Nach der Grundschule musste er für Abitur und Studium in die Welt ziehen. Sein Resümee: „Erst wenn die Heimat fehlt, erkennt man ihren Wert.“

Geben und nehmen: Jeder, der etwas aus seiner Heimat beisteuert, bekommt ein Stück original Baiersbronner Holz mit aufgeprägter Nummer. Foto: dpa

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