Tauberbischofsheim

Herbstversammlung des NABU-Kreisverbands zum Insektensterben

Eine Ackerhummel. Foto: Sabine Holmgeirsson

Klimawandel, Artenschwund und dabei insbesondere das Insektensterben sind Themen, die aktuell in der Öffentlichkeit breit diskutiert werden. Aus diesem Grund hatte der NABU Kreisverband Main-Tauber zu seiner Herbstversammlung im Hotel Adler in Beckstein mit Sabine Holmgeirsson eine ausgewiesene Expertin eingeladen. Holmgeirsson ist unter anderem Fachbeauftragte für Wildbienen und Pflanzenschutz beim NABU Landesverband, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins.

Von den in Deutschland vorkommenden circa 48 000  Tierarten, sind 70 Prozent Insekten, erklärte Holmgeirsson. Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Wespen brauchen für ihre Lebensweise kleinflächige, vielfältige Landschaftsstrukturen, in denen sie ein reichhaltiges Angebot von vor allem unterschiedlichen Pflanzenarten vorfinden. Dabei besiedeln sie Wasserflächen und Pflanzen, jedoch in erster Linie Bodenflächen. 70 Prozent der Wildbienen, darunter fast alle Hummelarten, nisten im oder am Boden.

Beitrag zur Ernährungssicherheit

Wie wichtig Insekten für Natur und Umwelt sind, zeigt sich laut Mitteilung daran, dass sie 80 Prozent aller Nutz- und Kulturpflanzen und 90 Prozent aller Wildpflanzen bestäuben. Diese Bestäubungsleistung entspricht einem materiellen Wert von etwa zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland, heißt es.

Insekten leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit der Menschen, ihr Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt ist von hohem Wert. Sie bilden die Grundlage für das aus Vögeln, Fledermäusen, Amphibien und Kleinsäugern bestehende Nahrungsnetz, sind wahrhafte Recycling-Experten, indem sie totes Material wie Kot, tote Tiere, Laub und Holz abbauen und zu Humus verarbeiten. Indem sie Pflanzensamen verbreiten und kranke Bäume und Pflanzen befallen, abtöten, recyceln, wirken sie als Landschaftsgärtner. Wie gravierend das Ausmaß des Insektensterbens ist, zeige sich unter anderem daran, dass 50 Prozent der Wildbienenarten auf der Roten Liste stehen, das heißt vom Aussterben bedroht sind.

Blühstreifen sind wichtiger Beitrag

Zum Abschluss ihres Vortrags warf Sabine Holmgeirsson die Frage auf, wie sich den Insekten helfen lässt. Da alle Bestäuber intakte Nahrungsketten und durchgehende Nahrung übers Jahr hinweg brauchen, sind entsprechende Ökosysteme unabdingbar, heißt es in der Mitteilung. Es bedarf also Pflanzen- und Blütenvielfalt in Nestnähe und somit bunte Gärten und kleine landwirtschaftliche Strukturen.

In der Landwirtschaft könnte das verstärkte Anlegen von Blühstreifen am Acker Nützlinge fördern und folglich den Ertrag erhöhen, bei gleichzeitiger Verringerung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Die gleiche Wirkung hätte eine verstärkte Fruchtfolge und mehr Untersaat. Biotopvernetzungen entlang von Bächen, Kanälen, Feldwegen wären ebenfalls hilfreich.

Aber auch Kommunen und vor allem Privatleute würden Insekten fördern, wenn mehr heimische Pflanzen statt Exoten, Hybrid- oder gefüllte Sorten gepflanzt würden. "Versteinerte" Gärten und Gärten mit vielen Koniferen bieten Insekten weder Lebensraum noch Nahrungsangebot, heißt es.

Schwarze Maskenbiene Foto: Sabine Holmgeirsson

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