STUTTGART

Kleinste Fraktion sieht sich benachteiligt

Der Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, bei seiner Stimmabgabe. Foto: DPA

Die Protestanten in Württemberg haben die Weichen für die Zukunft gestellt – und wollen offensichtlich keine großen Veränderungen. Im Kirchenparlament bleibt fast alles beim Alten. Die Wahlverlierer sehen die Gründe dafür auch in einem ungerechten Wahlsystem.

Nach der Kirchenwahl in Württemberg hat die kleinste Fraktion im Kirchenparlament Kritik am Wahlsystem geübt. Derzeit bekommen nur die stimmenstärksten Kandidaten aus jedem Wahlkreis einen Sitz in der Synode, Kandidaten mit weniger Stimmen gehen leer aus.

„Das führt dazu, dass die kleineren Gruppierungen immer den Kürzeren ziehen“, sagte der Vorsitzende der kleinsten Fraktion Kirche für morgen, Friedemann Stöffler, am Montag. Bei der Kirchenwahl am Sonntag waren die großen Fraktionen als Gewinner hervorgegangen, die kleinen Fraktionen haben an Einfluss verloren.

Die Reformbewegung Kirche für morgen kam bei der Wahl am Sonntag auf 11,7 Prozent der Stimmen, bekommt durch das Personenwahlrecht aber nur 5,7 Prozent der Sitze. Ein Verhältniswahlrecht würde diese Ungerechtigkeit vermeiden, sagte Stöffler. Von den anderen drei Fraktionen bekam er für den Vorstoß aber zunächst keine Rückendeckung. Lediglich der Gesprächskreis Offene Kirche kündigte an, dass man in den nächsten Jahren offen über das Thema reden wolle.

Deutliche Mehrheit

1,9 Millionen evangelische Christen waren am Sonntag aufgerufen, über die Zusammensetzung der Landessynode, also des Kirchenparlaments, abzustimmen. Eine deutliche Mehrheit hat erneut die konservativ geprägte Fraktion Lebendige Gemeinde, die 39 der 90 Synodalen stellt, einen weniger als bisher.

Die Lebendige Gemeinde wird vor allem von pietistischen Kreisen getragen. Zweitstärkste Kraft wird wie bisher die als linksliberal geltende Offene Kirche, die auf 30 Sitze (+5) kam.

Mit deutlichem Abstand folgt die in der theologischen Mitte angesiedelte Gruppe Evangelium und Kirche mit 15 Sitzen (-3). Die Reformbewegung Kirche für morgen kam auf 5 Sitze (-2). Damit ändert sich das Kräfteverhältnis in der Synode im Vergleich zur vergangenen Kirchenwahl vor sechs Jahren nur unwesentlich.

1,9 Millionen evangelische Christen in Württemberg waren am Sonntag zur Wahl ihres Kirchenparlaments aufgerufen. Einen so direkten Einfluss auf die Synode hat die Basis in keiner anderen der 20 Landeskirchen in Deutschland.

Die Synode mit ihren ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern ist vergleichbar mit dem Landtag: Sie beschließt Gesetze und hat die Hoheit über den Haushalt. Dadurch gibt sie die Richtung vor, in die sich die Landeskirche bewegt.

Gute Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung lag mit rund 24 Prozent etwa auf Vorjahresniveau. Außerdem wurden in den 1317 württembergischen Gemeinden und auch in den 685 badischen Gemeinden die Kirchenältesten neu gewählt.

Der Württembergische Landesbischof Frank Otfried July zeigte sich zufrieden mit der Beteiligung. Es seien mehr Menschen zur Wahl gegangen als an einem normalen Sonntag in den Gottesdienst kämen. „Das zeigt, dass die Kirche nach wie vor „eine interessierte, engagierte und tragfähige Basis hat“, sagte July.

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