Lioba wird weltliche Schirmherrin

Tauberbischofsheim Wesentlich knapper als erwartet brachte die Stadtverwaltung ihre Vorlage durch den Gemeinderat. Ein Patronat der Heiligen Lioba wird es nicht geben, sondern eine rein weltliche Schirmherrschaft. Dazu wird die Stadt die Zustimmung des Erzbischöflichen Ordinariats noch einholen. Das wäre fast gescheitert. Nach einer hitzigen Debatte stand es elf gegen elf.
Für eine Weile gab es in Tauberbischofsheim zwei Lager: Befürworter und Gegner des Patronats der Heiligen Lioba von Tauberbischofsheim. Im Kern ging es dabei um die Frage, ob man der katholischen Heiligen die religiöse Schutzherrschaft über die Stadt gibt. Für die Katholiken im Gemeinderat - sie bilden die Mehrheit - war die Sache zunächst klar: Auf jeden Fall.

Doch als die Pläne an die Öffentlichkeit gelangten, fühlten sich die evangelischen Christen übergangen. In der evangelischen Kirche gibt es keine Heiligen, folgerichtig also auch keine Schutzheiligen. Der Vorschlag, so sagten einige, begünstige also eine Religionsgemeinschaft, schließe aber andere Kirchen aus. Das sei umso bedauerlicher, als eigentlich allen Bürgern Tauberbischofsheim - gleich welcher Religion - am Wohl ihrer Stadt gelegen sei.

Im Wortlaut lautete der Vorschlagsentwurf der Stadtverwaltung nach diesen Debatten: "Aufgrund der Bedeutung der Heiligen Lioba für die Stadtentwicklung und der Modernität der mit ihr verbundenen Themenfelder soll die Heiligen Lioba die Stadtpatronin von Tauberbischofsheim werden." Um zu unterstreichen, dass dabei niemand ausgeschlossen werden soll, folgt darauf der Satz: "Dabei soll zum Ausdruck kommen, dass das Patronat eine Schirmherrschaft über die Stadt ist." Dieser Vorlage wurde mehrheitlich in geheimer Wahl zugestimmt. Es war die zweite geheime Wahl in der Geschichte des Tauberbischofsheimer Stadtrats.

Damit ist die katholische Heilige jetzt also Schirmherrin der Stadt Tauberbischofsheim. Die Heilige Lioba selbst aber hat noch nicht zugestimmt. Weil Bürgermeister Wolfgang Vockel die katholische Kirche sozusagen als Erbin der Heiligen einstuft, will er formal die Zustimmung des Erzbischöflichen Ordinariat einholen. Das wäre fast gescheitert.

Stadtrat Wilhelm Zeuner (Freie Wähler) sprach sich dafür aus, es mit dem Beschluss des Gemeinderats gut sein zu lassen. Schließlich sei der Gemeinderat "ein autarkes politisches Entscheidungsgremium". Bei der Abstimmung hielten sich Gegner und Befürworter die Waage. Es gab elf Ja-Stimmen, elf Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Knapper hätte der Antrag, auf das Ja der katholischen Kirche zu verzichten, nicht ausgehen können.

Dabei ging es bei den Auseinandersetzungen nicht um die Leistungen der Lioba von Tauberbischofsheim. Ihre Leistungen waren im Gemeinderat unumstritten. Durch die Kritik an dem Vorgehen der Stadt sah sich die Verwaltung zur Klärung der Begriffe veranlasst. Mit dem Wort "Schirmherrschaft", so Bürgermeister Wolfgang Vockel, könne die evangelische Kirche leben. Es ginge ihnen nicht um Heiligenverehrung sondern um einen "ausschließlich weltlichen Ansatz", der mit dem Wort Schirmherrschaft zum Ausdruck käme, so Vockel.

Zu einer so großen Spaltung hätte es nicht kommen dürfen, bemängelte Stadtrat Gernot Seitz (SPD). Im Vorfeld der ersten Entscheidung wurden mit beiden Kirchen Gespräche geführt. Doch nachdem sich nun Widerstand rege, könne der Gemeinderat nicht einfach beschließen wie ursprünglich beabsichtigt. Auch Stadträtin Ursula Burkert steht nicht mehr zu ihrer damaligen Abstimmung: "Als Stadträte können wir nicht die Einseitigkeit wollen."

Beim Wort Patronin hätten sie als Katholiken keine Bedenken gehabt. Erst nach Aufkommen der Proteste "ist uns die Einseitigkeit unserer Auffassung klar geworden", erklärte Dr. Leonhard Haaf das Abstimmungsverhalten seiner Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Nun müsse das religiöse Befinden und das   Neutralitätsgebot beachtet werden. Deshalb könnten sie dem Wort Patronin nicht zustimmen.

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