PFORZHEIM

Mit den Bürgern aus den Schulden

(lsw) Das hoch verschuldete Pforzheim will sich mit Hilfe seiner Bürger aus seiner misslichen Lage befreien. Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) hat einen groß angelegten Masterplan aufgelegt, an dem sich fast 1200 Bürger beteiligen wollen.

„Wir brauchen ihre Ideen, ihre Mitwirkung und ihre Motivation“, sagte Hager der Nachrichtenagentur dpa am Freitag vor der ersten Sitzungsrunde. Die Bürgergruppen sollen in den kommenden Monaten mehrere Arbeitsfelder beackern, von Wirtschaft und Verkehr über Bildung und Kultur bis zum Städtebau.

Die Liste der Leiden in Pforzheim ist lang. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, und der Wiederaufbau gilt als wenig geglückt. Die Uhren- und Schmuckindustrie, über Jahre Garant für Wohlstand, schwächelt seit längerem. Zu guter Letzt hat sich die Stadt auch noch mit Derivat-Papieren verspekuliert und das Haushaltsloch um 60 Millionen Euro auf mehr als 80 Millionen Euro vergrößert.

„Die Stimmung war am Boden. Mit dem Masterplan, der im vergangenen Jahr aufgelegt wurde, kam ein Stimmungsumschwung“, sagte Hager. „Unverständnis und Wut haben sich in Aufbruchstimmung verwandelt.“ So sei etwa die Zahl der Ehrenamtlichen deutlich gestiegen. „Auch die Einzelhändler in der Innenstadt und in einem Zentrum vor der Stadt sehen sich jetzt nicht mehr als Konkurrenten, sondern ziehen an einem Strang.“ Der Wunsch nach Bürgerbeteiligung sei mit dem Widerstand der Stuttgarter gegen die Verlegung ihres Bahnhofs zusätzlich verstärkt worden.

Völlige Freiwilligkeit

Im Gegensatz zu anderen Städten setzt Hager auf vollständige Freiwilligkeit und Transparenz. „Wir haben niemanden bestimmt, wie etwa in Karlsruhe, wo knapp 500 Bürger für einen Masterplan ausgesucht wurden.“ Allerdings sei gezielt in Schulen und Unternehmen geworben worden. „Dadurch haben wir einen guten Durchschnitt erreicht - sowohl beim Alter als auch bei den Berufsgruppen.“

Die Freiwilligen konnten sich für ein oder zwei Themen entscheiden. Dadurch entstanden Gruppen mit rund 200 Teilnehmern, die jeweils von Freitagnachmittag bis Samstagabend tagen. „Das ist so gelegt, damit auch Berufstätige eine Chance haben.“

Bis Ende des Jahres soll der Masterplan vorliegen und dann im Gemeinderat beraten werden. „Danach geht er nochmals zurück an die Bürger“, sagte Hager. „Und wenn er dann auf den Weg gebracht ist, werden wir uns überlegen, wie wir die Bürger weiterhin einbeziehen können.“

Dass Lobbyisten oder Aktivisten die Gruppen unterlaufen könnten, fürchtet der Oberbürgermeister nicht. „Bei 200 Teilnehmern werden sie nicht weit kommen“, sagte er. „Ich bin überzeugt, dass sich am Ende der gesunde Menschenverstand durchsetzen wird.“

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