WEIKERSHEIM

Musikfest mit Nachtigallengesang und Feuerwerk

Schwarz und Weiß: Maskenträger von Hallia Venezia und Erlebniskünstler von Incanto symbolisierten die Jahreszeiten und entführten in die Welt der Mythen und Legenden.
Schwarz und Weiß: Maskenträger von Hallia Venezia und Erlebniskünstler von Incanto symbolisierten die Jahreszeiten und entführten in die Welt der Mythen und Legenden. Foto: FELIX RÖTTGER

Über 1200 Musikliebhaber bevölkerten beim Höhepunkt des Hohenloher Kultursommers die ehemalige Residenzstadt Weikersheim, um ihren Assoziationen zu den vier Jahreszeiten, dem Nachtigallengesang, dem sprudelndem Wasser oder einem tobenden Ungewitter musikalisch nachzuspüren.

Dies fiel ihnen umso leichter, als sich wieder einmal das traditionelle Musikfest-Wetter mit strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen im Freien durchsetzte. Drinnen gab es rasch schwüle Luft und so wurden die fünf Vorkonzerte im Gärtnerhaus, den beiden Orangerie-Flügeln, im Rittersaal und in der Schlosskirche vor allem für die Künstler zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Ein sechstes Vorkonzert in der Evangelischen Stadtkirche gab es diesmal nicht.

Die Ensembles erfreuten durch eine außergewöhnlich hohe Qualität ihrer musikalischen Darbietungen, im Programmablauf liebevoll abgestimmt auf die in der Renaissance, im Frühbarock oder selbst in der Zeit der Wiener Klassik beliebten musikalischen Beschreibung oder Nachahmung der Natur. Verdursten oder verhungern musste in Weikersheim niemand, gab es doch in den Kastanienalleen im Park ein reichhaltiges gastronomisches Angebot, das sich reger Nachfrage erfreute.

Fantasievolle Figuren

Wer durch den Barockgarten flanierte, begegnete sechs Meter hohen, fantasievollen Stelzenfiguren wie Titania und Oberon oder Maskenträgern in aufwändig genähten Barockkostümen, die etwa die vier Jahreszeiten symbolisierten. Eine besondere Attraktion waren auch ein Uhu am Schlossgraben und ein Musiker-Duo ganz in Schwarz-Weiß; Akteure von Hallia Venezia, einer Aktion Haller Bürger, die sich 1998 vom „Carnevale di Venezia“ inspirieren ließen und seitdem immer acht Tage vor Rosenmontag in der Schwäbisch Haller Altstadt ihren großen Auftritt haben. Von 1590 bis 1768 reicht die Zeitspanne der Komponisten, deren Kompositionen von dem Barockflöten-Duo Matthias Weilenmann und Dorothee Oberlinger in der Schlosskapelle auf höchstem Niveau interpretiert wurden. Weilenmann ist in Weikersheim als Dozent der Jeunesses Musicales Deutschland bestens bekannt und seit 2004 künstlerischer Leiter des Züricher Barockorchesters. Dorothee Oberlinger übernahm im gleichen Jahr die Leitung des Instituts für Alte Musik an der Universität Mozarteum Salzburg. Konzertmeister und Soloviolinist Bohuslav Matoušek spielte mit dem Kammerorchester Prag im Rittersaal aus Vivaldis „Le quattro stagioni“ den Sommer und „L'autunno“ (Der Herbst) Concerto No.3 RV 293 in F-Dur. Nach Kompositionen von Antonin Dvoøák und Ignaz Moscheles beendete das Ensemble das Konzert mit Haydns Sinfonie in G-Dur, die als „Le soir“ abendliche Empfindungen nachzeichnete. Das renommierte Carus Quintett trug mit Reiner Geißdörfer, Robert Eller (Tenor), Harald Stark, Maximilian Benker und Michael Albert (Bass) im linken Orangerieflügel Lieder der Romantik vor. Ihre CD-Einspielung von Friedrich Silchers Volkliedern wurde vom Hessischen Rundfunk als „Schallplatte des Monats“ ausgezeichnet. Gleich vier Mal war Silcher im Weikersheimer Konzert mit Liedern vertreten.

Das Ensemble Momento Musicale aus Leipzig, das bereits mehrfach das Musikfest bereicherte, war mit einem Quintett mit Dorothée Stromberg, Andreas Tränkner (beide Violine), Michael Clauß (Viola), Hans-Jörg Pohl (Violoncello) und Steffen Slowik (Kontrabass) vertreten. Das munter bis euphorisch gespielte „Lerchenquartett“ von Joseph Haydn und Franz Schuberts heiteres „Forellenquintett“ fanden im rechten Orangerieflügel viel Beifall. Dies galt auch für den exzellent spielenden Pianisten Eduard Stan im Gärtnerhaus. Der Sohn rumänischer Eltern aus Kronstadt in Siebenbürgen wurde rasch ein sehr gefragter Liedbegleiter und konzertierte weltweit mit bekannten Orchestern.

Volle Aufmerksamkeit

Frédéric Chopins „Regentropfen-Prélude“, Werke von Franz Liszt aus den „Années de pélerinage“ und von Claude Debussy aus „Images“ weckten Assoziationen zu sprudelnden Wasserquellen. Das Symphonieorchester des Nationaltheaters Prag hatte beim abschließenden Festkonzert im Schlosspark die volle Aufmerksamkeit aller Festbesucher. Unter der Leitung von František Drs spielte das maßvoll elektronisch verstärkte Ensemble „Die Hebriden“, die Konzertouvertüre in h-Moll op. 26 von Felix Mendelssohn. Mit „Temporale“ , einer Zwischenaktmusik aus der Oper „Il barbiere di Sivilgia“ brachte es eine sanfte Brise in den Park, dem mit „The Lark Ascending“ von Ralph Vaughan-Williams aus dem Jahre 1914 fernöstlich angehauchtes Lerchengezwitscher folgte.

Liebe zum Landleben

Im Mittelpunkt des Abendkonzerts stand Ludwig van Beethoven mit seiner Sinfonie Nr.6 in F-Dur op. 68 „Pastorale“. Der Komponist liebte das Landleben, zu dem auch die Volksmusik gehört. In der „Hirtensinfonie“ ist es slawische Bauernmusik. Die Musik ist nach Beethovens Worten mehr „Ausdruck der Empfindungen“ als Tonmalerei. Doch hindert dies nicht daran, in der Hirtensinfonie Vogelrufe, die raumgreifenden Schritte des Wanderers, das Plätschern eines Baches oder ein Gewitter musikalisch nachzuahmen.

Ein weithin sichtbares Barock- und Höhenfeuerwerk an der Orangerie beschloss ein erlebnisreiches Kulturprogramm, das bei den Besuchern auf große Zustimmung stieß. Hunderte von roten und gelben Teelichtern erleichterten beim Verlassen des Barockgartens die Rückkehr in den Alltag.

Donnergrollen und Wellengang: Mit Mendelssohns Konzertouvertüre „Die Hebriden“ begann das Sinfonieorchester des Nationaltheaters Prag mit Dirigent František Drs im Schlosspark.
Donnergrollen und Wellengang: Mit Mendelssohns Konzertouvertüre „Die Hebriden“ begann das Sinfonieorchester des Nationaltheaters Prag mit Dirigent František Drs im Schlosspark. Foto: Felix Röttger

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