Tauberbischofsheim

Reise in die "Neue Welt": Konzert des Grünewald-Orchesters

Das Konzert des Grünewald-Orchesters in der Stadthalle Tauberbischofsheim nahm die Besucher mit auf eine Reise in die "Neue Welt" und zum "American Dream". Foto: Ulrich Feuerstein

Populismus, Patriotismus, Protektionismus: Vieles trennt heutzutage Deutschland und die USA. Das war schon einmal anders. Amerika galt als Sehnsuchtsort, als Land der Freiheit. Eine Hommage an den alten American Dream war das Konzert des Grünewald-Orchesters in der Stadthalle Tauberbischofsheim. Unter der Leitung von Felix Krüger nahm es mehr als 400 begeisterte Zuhörer mit auf eine musikalische Reise in die "Neue Welt".

Mit "Appalachian Spring" stand zunächst ein Klassiker der Moderne auf dem Programm. Die Handlung des Balletts erzählt von einem Frühling der amerikanischen Pioniere rund um 1800, nachdem sie in Pennsylvania ein neues Farmhaus errichtet haben. Unter den Hauptrollen finden sich ein frischvermähltes Paar, ein Erweckungsprediger und seine Anhänger.

Auch Antonin Dvorák reiste einst nach Amerika. Die Größe war das erste, was ihn bei der Ankunft in New York 1892 beeindruckte. Obwohl ihn als regelmäßigen Gast in der Vier-Millionen-Metropole London die schiere Dimension der 1,5-Millionenstadt New York kaum überrumpeln konnte, wurde ihm bald die Dimension des "American Way of Life" bewusst.

Felix Krüger war ein guter Steuermann

Es folgte Dvoráks Sinfonie "From the new World", wie er sie auf der Originalpartitur nannte, eine Sinfonie über die Größe der amerikanischen Nation. Schon der Eröffnungssatz nahm die Zuhörer mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Aus einem wehmütigen Beginn entwickelte sich ein Allegro von mitreißendem Schwung. Die Coda brach mit Urgewalt herein und beendete den Satz in donnerndem e-Moll. Voller Dynamik war auch der letzte Satz. Energisch trug das Orchester das Hauptthema vor, das pathetisch von der "Neuen Welt" kündete. Das Geschehen zuspitzend, trieb der Satz einem alles mitreißenden Höhepunkt entgegen, dem nach einem letzten Innehalten die triumphale Coda folgte.

Aufbruch, Wagnis, Neubeginn: So eine musikalische Reise in die "Neue Welt" ist kein leichtes Unterfangen. Um sicher und unbeschadet ans Ziel zu gelangen, braucht es einen umsichtigen "Steuermann". Felix Krüger war das an diesem Abend. Der vom Publikum zu Recht mit lang anhaltendem Applaus bedachte Dirigent meisterte die Untiefen und umschiffte bravourös gefährliche Klippen.

Ihm als Leiter ist es gelungen, Musiker, die in verschiedenster Weise in Verbindung zum Matthias-Grünewald-Gymnasium stehen, zu einem beeindruckenden Klangkörper zu formen. Die Kooperation mit dem Kammerorchester Bad Mergentheim hat dem Ensemble noch einmal einen qualitativen Schub verabreicht. Mehr solche herausragende Konzerte – und um das deutsch-amerikanische Verhältnis müsste man sich keine Sorgen machen.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Tauberbischofsheim
  • Ulrich Feuerstein
  • Dirigenten
  • Kammerorchester
  • Konzerte und Konzertreihen
  • Musik
  • Musiker
  • Orchester
  • Publikum
  • Sinfonien
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!