LAUDA

Rettender Sprung in den Wassergraben

Restauriert: Dieses Steinkreuz auf dem Bahngelände am „Bischemer Brückle“ erinnert an das Geschehen am 30. November 1944.
Restauriert: Dieses Steinkreuz auf dem Bahngelände am „Bischemer Brückle“ erinnert an das Geschehen am 30. November 1944. Foto: Herbert Bickel

Es geschah vor 66 Jahren: Als am 30. November 1944 gegen 12 Uhr in Lauda die Sirenen aufheulten, bedeutete dies für die leidgeprüfte Bevölkerung nur eines: Fliegeralarm.

Umgehend befolgte man im Bahnhof die Anordnung und schickte die dort haltenden Züge auf die Strecken in Richtung Tauberbischofsheim sowie nach Würzburg über Gerlachsheim.

Insgesamt 18 Menschen starben daraufhin im Kugelhagel der alliierten Tiefflieger – unter anderem überlebte damals Ludwina Faul (1891 bis 1977) aus Unterbalbach, deren Ehemann, der Laudaer Bauunternehmer Josef Faul (1889 bis 1977) im Jahr 1955 aus Dankbarkeit auf dem Bahngelände nahe dem „Bischemer Brückle“ ein Steinkreuz errichten ließ.

Diese kleine Gedenkstätte, inzwischen in die Jahre gekommen, erfuhr jetzt eine umfassende Restaurierung, und zwar durch den Enkel Herbert Bethäuser, Inhaber der Laudaer Baufirma Faul + Bethäuser.

Er sorgte dafür, dass der Betonsockel neu eingefasst wurde. Gut lesbar stellt sich damit auch wieder der auf den ehemaligen Stadtpfarrer Richard Mohr beruhende Spruch „Seid jederzeit bereit für die Reise in die Ewigkeit“ dar, genauso wie die weiteren Vermerke „Zum Gedenken an den Fliegerangriff am 30. November 1944“ und „Errichtet von Ludwina Faul 1955“.

Seit drei Jahren kümmert sich übrigens Hermann Wörrlein aus Lauda ehrenamtlich um den Zustand der Anlage, die er schmückt und gießt, nachdem zuvor Anna Mohr diese Aufgabe wahrgenommen hatte.

Was ereignete sich aber an jenem 30. November 1944? Für das Personal der Reichsbahn bestand die strikte Vorgabe, bei Fliegeralarm die im Bahnhof wartenden Züge ohne Verzögerung herausfahren zu lassen.

Im Zug nach Wertheim über Tauberbischofsheim befand sich unter anderem die damals 53-jährige Ludwina Faul. Mit ihr im Abteil saßen eine Wirtin aus Edelfingen namens Schüßler mit ihrem kleinen Sohn und Rita Karl.

Während diese drei den Weg ins Freie über die rechte Seite gesucht hatten und hierbei durch den Angriff der Tiefflieger tödliche Verletzungen erlitten, sprang Ludwina Faul aus dem noch fahrenden Zug nach links direkt in den Wassergraben – und überlebte.

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