STUTTGART

Schon wieder Zug entgleist

Zum Glück unbesetzt: Ein Notfallmanager der Bahn steht am Dienstag auf dem Gleisvorfeld des Hauptbahnhofes in Stuttgart neben einem entgleisten Zug. Bei einer Testfahrt entgleiste zum dritten Mal innerhalb von zehn Wochen ein Zug. Foto: DPA

Das gibt's doch nicht, mag sich manch einer am Stuttgarter Hauptbahnhof gedacht haben. Zum dritten Mal binnen weniger Wochen entgleist ein Zug an derselben Stelle. Reisende müssen sich erneut auf große Umwege einstellen.

Es ist wie verhext: An ein und derselben Stelle vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist am Dienstag innerhalb von zehn Wochen der dritte Zug entgleist. Bei einer Testfahrt mit leeren Waggons über eine reparierte Weiche sprangen am Morgen drei Wagen eines Intercitys aus den Schienen, wie eine Bahnsprecherin in Stuttgart mitteilte. Verletzte habe es nicht gegeben. Mit der Versuchsfahrt wollte die Bahn die Fahrten nachvollziehen, bei denen Ende Juli und Ende September jeweils ein Intercity entgleiste. Drei von 16 Gleisen im Hauptbahnhof sind nach dem Zwischenfall erneut gesperrt worden. Der Fernverkehr von Süden nach Norden wird laut Mitteilung bis auf weiteres um Stuttgart herumgeleitet, mit Stopps in Esslingen und Vaihingen an der Enz. Die Züge in Gegenrichtung fahren den Hauptbahnhof an.

Lange Schlangen

Bahnen der IC-Linie 87 Stuttgart-Zürich sowie der Regional-Express-Linien Stuttgart-Freudenstadt und Stuttgart-Rottweil/Singen starten und enden in Böblingen. S-Bahnen seien zunächst nicht betroffen, hieß es. Wie es sich im Berufsverkehr entwickele, sei noch nicht klar.

Erst am Montag hatte die Bahn angekündigt, dass mehr als eine Woche nach dem letzten Entgleisen eines Intercitys die Züge von diesem Dienstag an wieder auf allen Gleisen fahren sollten. Am Samstag vor einer Woche war der IC an der gleichen Weiche aus den Schienen gesprungen, wie bereits ein anderer Zug im Juli diesen Jahres. Bis zuletzt standen fünf Gleise am Hauptbahnhof nicht zur Verfügung. Über den Ticker der Anzeigetafel der Bahn am Stuttgarter Hauptbahnhof liefen am Dienstag unentwegt Meldungen über Verspätungen, Zugausfälle und Fahrplanänderungen. „Das passiert mir schon zum zweiten Mal. Erst jetzt am Samstag und nun wieder“, berichtet hektisch eine Unternehmerin (57), die zu einem Geschäftstermin nach Kleve in Nordrhein-Westfalen fahren wollte. Auch andere Passagiere, die in Richtung Göttingen oder Mannheim aufgebrochen waren, studierten besorgt die Anzeigetafel am Bahnsteig. Die Anfrageflut an die Mitarbeiter der Bahn, die zusätzlich Auskunft erteilten, war erheblich. „Es hieß, dass ein Zug um 14.17 Uhr fährt, aber von welchem Gleis sei noch nicht klar“, berichtete eine 29-jährige Sekretärin, die zusammen mit ihren Kollegen berufsbedingt in Stuttgart war und wieder zurück nach Heidelberg fahren wollte. „Ich muss eigentlich mein Kind aus dem Kindergarten abholen“, fügte sie ratlos hinzu. Wie die Gleise belegt werden, entscheide sich kurzfristig, erklärte eine Bahn-Mitarbeiterin immer wieder den fragenden Fahrgästen. Auch vor dem Glashäuschen des DB-Informationsschalters hatten sich zwei Menschenschlangen gebildet. In eine davon reihte sich eilig ein 40-jähriger Schauspieler ein. Berlin war eigentlich sein Ziel. Wann er ankommen wird, konnte ihm die Bahn zunächst nicht sagen.

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