Wittighausen

Tunnelbaustelle in Wittighausen dauert länger

Der Tunnel bei Wittighausen genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr. Deswegen wird er umgebaut. Doch mit dem geplanten Eröffnungstermin wird es eher nichts.
Mit dieser Konrtruktion wird im Tunnelinneren eine armierte und 40 Zentimeter dicke Betonschicht in 'einem Rutsch' aufgetragen.
Mit dieser Konrtruktion wird im Tunnelinneren eine armierte und 40 Zentimeter dicke Betonschicht in "einem Rutsch" aufgetragen. Foto: Matthias Ernst

Seit 7. Januar ist die Bahnstrecke zwischen Kirchheim und Lauda für den gesamten Bahnverkehr gesperrt. Grund ist der Neu- beziehungsweise Umbau des Tunnels bei Wittighausen. Er ist zwar nur 138 Meter lang, aber ein echtes Nadelöhr. In den Jahren 1856 bis 1866 erbaut, genügt er heutigen Anforderungen nicht mehr. Der Gleisabstand und die Tunnelbreite waren nicht mehr ausreichend. So entschloss sich die Deutsche Bahn, den Tunnel zu erweitern und für die nächsten 100 Jahre wieder fit zu machen.

Abbau der alten Anlage

Während zu Beginn der Arbeiten im Januar noch der Abbau der alten Anlage im Vordergrund stand, ging es zeitgleich mit der Erweiterung der Tunnelröhre weiter. "Dieser Tunnel ist keine Baustelle, er ist eine Organisationsbaustelle", berichtete Elisabeth Obiero, DB-Objektleiterin bei einem Ortstermin. Und tatsächlich, obwohl oder gerade weil der Tunnel so kurz ist, gilt es die einzelnen Gewerke klug zu koordinieren.

Wo jetzt der Materialwagen fährt, werden ab Anfang September wieder Züge durch den Wittighäuser Tunnel fahren.
Wo jetzt der Materialwagen fährt, werden ab Anfang September wieder Züge durch den Wittighäuser Tunnel fahren. Foto: Matthias Ernst

Der Zeitplan ist eng, denn eigentlich sollte am 19. August der Zugverkehr wieder rollen. Doch mehrere Faktoren lassen diesen Beginn nun weiter nach hinten rutschen. Bis zu drei Wochen, so meint Pressesprecher Baden-Württemberg Werner Graf, wird es länger dauern. Genau könne man es noch nicht absehen, aber der endgültige Öffnungstermin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Solange wird auch der Schienenersatzverkehr weiter zwischen Lauda und Kirchheim pendeln.

"Dieser Tunnel ist keine Baustelle, er ist eine Organisationsbaustelle."
Elisabeth Obiero, DB-Objektleiterin

Ein Grund für die Verzögerung ist der langsamere Vortrieb bei der Tunnelaufweitung, die bergmännisch erfolgte. Das Gestein oberhalb des Tunnels ist nicht sehr dick und so musste man langsamer fahren als angenommen. Auch die Aufweitung der Stützbauwerke dauerte länger, weil der Boden im Januar gefroren war. Das sei zwar ärgerlich, so Obiero, aber bei so komplexen Bauvorgängen immer wieder möglich. Die Baufirma sei sehr kooperativ und komme mit eigenen Ideen, welche Arbeiten wann am besten abzuwickeln sind. Das gefällt der Ingenieurin.

Die "Wittighäuser Wand"

Sehenswert ist auch die unkonventionelle "Lärmschutzwand", die während der Bauphase die direkt an der Baustelle liegenden Wohnhäuser schützt. Man hat einfach fester gepresste Heuballen aufgestapelt und gesichert. Das funktioniert ausgezeichnet und veranlasste Wittighausens Bürgermeister Marcus Wessels von einer "Wittighäuser Wand" zu sprechen, wenn diese auch bei anderen Baumaßnahmen zum Einsatz kommt.

Zum Schutz der Anwohhner wurde eine Lärmschutzwand aus Heuballen errichtet.
Zum Schutz der Anwohhner wurde eine Lärmschutzwand aus Heuballen errichtet. Foto: Matthias Ernst

Aktuell wird die Innenwand des Tunnels mit einer 40 Zentimeter dicken Betoninnenschale aus armiertem Spritzbeton ausgekleidet. Parallel dazu geschieht dasselbe auf den Stützmauern der Zufahrten. Da sind einige Lkw mit Beton im Anmarsch. Doch das ist nichts gegen den Aushub, der auf einer extra angelegten Strecke abtransportiert wurde. Insgesamt 12 580 Tonnen Ausbruch wurden abtransportiert. Hinzu kommen nochmal 5000 Tonnen Schotter. Eine gewaltige Leistung für so eine kleine Baustelle.

Mit der Aufweitung wurden auch die beiden Tunnelportale erneuert, die beiden alten Portale konnten nicht erhalten werden. Sie werden durch funktionale Neubauten ersetzt. Neu hinzugekommen ist auch eine Zufahrt zu den Gleisen, die nach heutigen Vorschriften alle 1000 Meter erfolgen muss. Hierfür nutzt man die Baustellenzufahrt.

Über der Tunneldecke ist sehr wenig Gestein, sodass die Arbeiter extrem vorsichtig sein mussten beim Vortrieb der neuen Röhre.
Über der Tunneldecke ist sehr wenig Gestein, sodass die Arbeiter extrem vorsichtig sein mussten beim Vortrieb der neuen Röhre. Foto: Matthias Ernst

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