Wittighausen

Umweltschutz am Bahnhof: Wie kann das funktionieren?

Wer Fläche bei Baumaßnahmen versiegelt, muss sie woanders wieder der Natur zur Verfügung stellen. Ein aktuelles Beispiel in Gaubüttelbrunn zeigt, wie das aussieht.
Beim Ausbau des Haltepunktes Gaubüttelbrunn wurden die bisherigen Grasbahnsteige durch moderne, behindertengerechte Bahnsteige ersetzt Foto: Matthias Ernst

Wenn bei einer Baumaßnahme ein Eingriff in die Natur erfolgt, muss der Bauherr auch für eine Ersatzmaßnahme sorgen und versuchen, den verursachten "Schaden" wieder zu beheben. Das Ganze nennt sich Ausgleichsmaßnahme. Die Ausgleichsfläche kann natürlich an der Baumaßnahme direkt geschaffen werden, aber auch andere Flächen sind möglich.

Derzeit baut die Deutsche Bahn den Haltepunkt Gaubüttelbrunn aus und ersetzt dabei die bisherigen Rasenbahnsteige durch moderne und behindertengerechte Bahnsteige. Die dabei vorgenommene Versiegelung von Boden erfordert nach dem Naturschutzgesetz eine Ausgleichsmaßnahme. Nachdem auch die bisherige Bahndammböschung verändert wird und durch eine Betonmauer ersetzt wird, weil die Bahnsteige nach neuen Vorschriften breiter ausfallen müssen, sind hier ebenfalls Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen.

Ortstermin zur Begutachtung

Projektleiter Stefan Halbritter (DB), Norbert Porath (Mailänder Consult GmbH), Stephan Zöller (Landratsamt des Main Tauber Kreises) und Wittighausens Bürgermeister Marcus Wessels trafen sich zu einem Ortstermin, um die bereits getroffenen Ausgleichsmaßnahmen vorzustellen.

Am Insinger Bach wurde eine Ausgleichsfläche durch die Deutsche Bahn geschaffen, die von Stephan Zöller von der unteren Naturschutzbehörde, Umwelt- und Landschaftsplaner Norbert Porath und Bürgermeister Marcus Wessels (v.l.) besichtigt wurden. Foto: Matthias Ernst

Am liebsten, so Porath, hätte man alle Ausgleichsmaßnahmen direkt am Bahnhaltepunkt durchgeführt, aber dafür reichte die Fläche nicht aus. So trat man in Kontakt mit der Gemeinde Wittighausen, auf dessen Gemarkung der Bahnhaltepunkt liegt und diese vermittelte eine Fläche am Insinger Bach, südlich von Wittighausen, wo ein Biotop für Reptilien und Amphibien geschaffen wurde. Der Insinger Bach ist bereits stark vom Biber geprägt, der oberhalb im Naturdenkmal Insinger Ried seine Burg gebaut hat.

Biber sorgen bei Landwirten für Ärger

Das gefällt vor allem den Landwirten nicht, da ihre direkt am Bach befindlichen Ackerflächen öfter überflutet werden und so unbrauchbar für eine Bewirtschaftung sind. Wessels kam schon vor längerer Zeit auf die Idee, eine ökologische Flurbereinigung am Insinger Bach zu initiieren, die derzeit läuft. Auch die Verordnung über den Schutz von Gewässerrandstreifen, die eine Nutzung von einem Streifen von zehn Metern neben Gewässern außerhalb von geschlossenen Ortschaften untersagt, spielt der Flurbereinigung in die Hände.

Durch den Kontakt von Wessels kaufte die Deutsche Bahn von einem Landwirt ein Stück am Bach und schuf einen Teich, an dem sich bereits Frösche und Wasserflöhe an der Oberfläche niedergelassen haben. Für den symbolischen Preis von einem Euro wurde das Gelände dann wieder an die Gemeinde Wittighausen verkauft, unter der Auflage einer angepassten Pflege.

Dieser Nistkasten unter einer Brücke am Bahnhaltepunkt Gaubüttelbrunn wurde bereits bezogen. Foto: Matthias Ernst

Auch rund um den Bahnhaltepunkt Gaubüttelbrunn wurde und wird aber einiges unternommen, um der Natur ihr Recht zurückzugeben. Mehrere Nistkästen für Vögel sind schon aufgehängt und teilweise auch schon bezogen worden. Auch für Fledermäuse wurden insgesamt neun Nistkästen aufgehängt. Die seien allerdings noch nicht bezogen, so Porath.

Zeitplan könne eingehalten werden

Ein Baum, der zum Ausbau des Bahnhaltepunktes gefällt wurde, wird in Kürze ebenfalls durch eine Neupflanzung ersetzt, so Halbritter. Er hat einen straffen Zeitplan, denn zur Eröffnung des Wittighäuser Tunnels am 11. September in diesem Jahr soll auch der Bahnhaltepunkt Gaubüttelbrunn fertiggestellt sein.

Dann endet der Schienenersatzverkehr und der beliebte Haltepunkt wird von Pendlern wieder zu nutzen sein. Halbritter ist sich sicher, dass die Arbeiten termingerecht fertig werden. Derzeit werden die Abschlusssteine der Bahnsteige gesetzt und danach das Gelände von der Parkplatzseite her weiter bearbeitet.

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