EISLINGEN

Viel Arbeit auf dem Fischsaurierfriedhof

Stück für Stück: Das Fossil einer Fischsaurierart mit dem Namen „Schwäbischer Seedrache“ liegt am Dienstag im staatlichen Naturkundemuseum in Stuttgart. Die neue Gattung und Fischsaurierart mit dem Alter von rund 175 Millionen Jahren wurde nun erstmals wissenschaftlich untersucht und schließt damit eine weltweite Fundlücke dieser Saurierart. Foto: DPA

Vor 181 Millionen Jahren lebten in Baden-Württemberg verschiedenste Saurier im Jurameer. Ihre Überreste entdeckten Sammler und Forscher im sogenannten Fischsaurierfriedhof in Eislingen. Das ist zehn Jahre her. Die Fundstücke werden die Wissenschaft noch Jahre beschäftigen.

Tonnenweise Gesteinsbrocken mit Knochen von urzeitlichen Meerestieren lagern in einer Präparationswerkstatt in einem Hinterhof in Eislingen (Kreis Göppingen). Unzählige kleine wie große, zarte wie schwere Fossilien aus dem Jurameer sind noch unbearbeitet. Die Rede ist von den Fundstücken aus dem sogenannten Fischsaurierfriedhof Eislingen.

Entdeckt wurden sie 2002 bei Bauarbeiten an der Bundesstraße 10. Die Ausgrabungen der Kreisarchäologie Göppingen und Geowissenschaftlern der Universität Tübingen dauerten mehrere Jahre. Nach einer erfolgreichen Ausstellung 2006, der Gründung eines Fördervereins und verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen geht die Arbeit von Paläontologen und Präparatoren nun weiter. Es gilt etwa das Skelett eines Meereskrokodils zu präparieren.

Eislingen ist nicht die erste und auch nicht einzige Fundstelle im Südwesten mit Überbleibseln von Lebewesen aus einer Zeit vor 181 Millionen Jahren; aber sie hat mindestens eine Besonderheit: „Das ist ganz einzigartig, die Knochen sind dreidimensional erhalten und nicht platt gedrückt wie bei anderen Fundschichten“, sagt Kreisarchäologe Reinhard Rademacher, der das Projekt von Anfang an begleitet.

Die Forscher konnten so etwa die Eintrittskanäle von Blutgefäßen und Details an der Knochenoberfläche bis hin zu Verletzungen der Saurier erkennen. Gefunden wurden nicht nur Skelettreste von Fischsauriern, sondern auch von Schlangenhalssauriern, Tintenfischen, Mikroorganismen, und sogar Teile von Flugsauriern waren dabei.

Seit Anfang des Jahres geht es nach finanziellen Engpässen weiter mit der Arbeit an noch unbearbeiteten Fundstücken. „Es ist nicht ganz billig, diese schwierige Arbeit fachmännisch ausführen zu lassen“, erklärt Eislingens Oberbürgermeister Klaus Heininger. Eine Förderung von 30 000 Euro des Landesforschungsministeriums und 20 000 Euro von der Stadt sichern derzeit die Arbeit des Präparators Henrik Stöhr. „Wir würden uns natürlich weitere Unterstützung wünschen, weil es ja letztendlich auch dem Land zugutekommt“, sagt Heininger. „Je mehr man hier auch Wissen freilegen kann, je mehr dient es allen im Land.“

Die bearbeiteten Funde kommen in die Sammlung der Universität Tübingen. Geochemiker, Wirbeltierpaläontologen wie Mikropaläontologen werden diese dann analysieren, in der Hoffnung auf neue Erkenntnisse.

Ein Museum scheint für alle Beteiligten allenfalls ein Fernziel zu sein. „An eine Präsentation kann man erst rangehen, wenn das Material wissenschaftlich ausgewertet ist, da sind noch ein Menge Vorarbeiten nötig“, sagt Kreisarchäologe Rademacher. Er kann sich aber für die Zukunft ein Stadtmuseum für Eislingen mit einer Abteilung für die Saurier und die Juraforschung vorstellen. In der Stadthalle in Eislingen sind zumindest zwei 3D-Rekonstruktionen zu sehen, etwa von einem Schnittzahnsaurier. „Man muss da auch einen langen Atem haben, wir sind einen guten Schritt weitergekommen.“

Experte: Kreisarchäologe Reinhard Rademacher hält in einer Präparationswerkstatt des Fischsaurierfriedhofs in Eislingen/Fils einen Wirbelknochen mit Panzerplatte eines Meereskrokodils hoch. Im Jahr 2002 wurde beim Bau der B10-Trasse eine bedeutende Fossillagerstätte entdeckt. Foto: DPA

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