RÖTTINGEN

Vier junge Fechter aus dem Olympiastützpunkt treten bei den Röttinger Festspielen auf

Renate Kastelik (künstlerische Leiterin) mit den Fechtern vom Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim: Markus Hartmann, Andrej Raisch, Richard Junghanns und Pascal Braun. Sie treten bei Romeo und Julia auf.
Renate Kastelik (künstlerische Leiterin) mit den Fechtern vom Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim: Markus Hartmann, Andrej Raisch, Richard Junghanns und Pascal Braun. Sie treten bei Romeo und Julia auf.

Hätte Mercutio einen Fechtanzug besessen – möglicherweise wäre er als alter Mann friedlich in seinem Bett gestorben. William Shakespeare aber wollte es anders und ließ Mercutio, eine Figur aus seinem Stück „Romeo und Julia“, von einem Degen tödlich getroffen auf der Straße verbluten. Gefochten wird viel in der Tragödie aus dem Jahr 1597. Renate Kastelik, künstlerische Leiterin der Röttinger Festspiele, hat deshalb eine außergewöhnliche Idee in die Tat umgesetzt.

„Der Auftritt ist für uns eine Chance, den Fechtsport populär zu machen.“

Jochen Färber Olympiastützpunkt

In dem Musical, das am 5. Juli im Hof der Burg Brattenstein Premiere hat, liefern sich vier Nachwuchsfechter aus dem Olympiastützpunkt in Tauberbischofsheim einen heftigen Kampf. Das temporeiche Scharmützel gehört zu der Szene, in der Mitglieder der verfeindeten Familien Montague und Capulet auf einer Straße in Verona aufeinander treffen. Genau drei Minuten und 20 Sekunden dauert der Auftritt der Fechter.

Renate Kastelik war schon vor über einem Jahr mit ihrer Idee an den Olympiastützpunkt herangetreten und dort auf offene Ohren gestoßen. Vier talentierte junge Männer im Alter von 16 bis 22 Jahren wurden gefunden. Und Renate Kastelik reibt sich vergnügt die Hände, weil ihr mit der Fechtszene etwas ganz Besonderes gelungen ist. Wer den Sportlern bei der Probe auf der Burg zusieht, hält freiwillig ein wenig Abstand zur Bühne.

Die Florette sausen vor den schwarzen Masken der Fechter hin und her. Ihre weißen Anzüge sind gepolstert. Denn obwohl im Fechtsport mit stumpfen Klingen gefochten wird, kann doch einmal eine Klinge abbrechen und einen Sportler treffen. Deshalb die Anzüge, deren Entwicklung für den armen Mercutio ein paar Jahrhunderte zu spät kam. Auch bei den 16 Vorstellungen werden die Sportler die weißen Anzüge tragen. Renate Kastelik findet, dass sie farblich einen guten Kontrast zu den hauptsächlich in schwarz und grau auftretenden Schauspielern abgeben. Nach fünf gemeinsamen Treffen saß die Choreografie bereits.

Wie Katzen

Die Fechtaktionen kennen die Sportler aus dem Training, das im Olympiastützpunkt fast täglich stattfindet und etwa drei Stunden dauert. Für den Auftritt wurden die einzelnen Elemente geschickt miteinander verbunden. Zur schnellen, modernen Musik von Christian Brandauer treffen die Klingen im Takt aufeinander. Mal stürzen die Männer aufeinander zu, dann wieder umschleichen sie sich wie Katzen.

Leicht und elegant sieht das Geschehen auf der Bühne aus. Allzu schwierig ist es auch nicht für die Fechter. Markus Hartmann, Andrej Raisch, Richard Junghanns, Pascal Braun sowie die Ersatzleute Andreas Fälb und Felix Christel waren bereits bei verschiedenen Meisterschaften erfolgreich. Weil die Fechtsaison zu Ende geht, können sie sich nun auf ihr Engagement in Röttingen konzentrieren.

Jochen Färber, im Olympiastützpunkt fürs Marketing zuständig, sieht in dem Auftritt eine Gelegenheit, für seinen Sport zu werben. „Es ist für uns eine Chance, den Fechtsport populär zu machen“, sagt er. Das Stück dagegen ist bereits populär.

„Die Handlung kennt wirklich jeder“, sagt Renate Kastelik. Feindschaft bis aufs Blut, eine hoffnungslose Liebe, tödliche Missverständnisse – trotz des düsteren Inhalts hat Kastelik versucht, „nicht so unheilschwanger“ an das Stück heranzugehen. „Bis zur Pause kann jeder lachen“, verspricht sie.

Mit „Der Muffl – Frühere Verhältnisse“ haben die Röttinger Festspiele 2012 begonnen. Weitere Vorstellungen des Nestroy-Stücks sind an diesem Samstag, 23. Juni, und am Sonntag, 24. Juni.

Karten gibt es bei der Tourist-Information Röttingen unter der Tel. (0 93 38) 97 28 55, im Internet unter www.festspiele-roettingen.de sowie beim Ticket-Service der Main-Post, Tel. (09 31) 60 01 60 00.

Heiß umkämpft: Vier Nachwuchsfechter treten in dem Musical „Romeo und Julia“ auf der Burg Brattenstein auf.
Heiß umkämpft: Vier Nachwuchsfechter treten in dem Musical „Romeo und Julia“ auf der Burg Brattenstein auf. Foto: Claudia Schuhmann

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