VILCHBAND

Vom Blitz zerstört und wieder hergerichtet

Pfarrer Oliver Störr segnete auch den Bildstock am See, der aufwändig in Privatinitiative restauriert wurde.
Pfarrer Oliver Störr segnete auch den Bildstock am See, der aufwändig in Privatinitiative restauriert wurde. Foto: Matthias Ernst

Unsere Landschaft ist reich an Bildstöcken und Feldkreuzen, nicht umsonst wird Tauberfranken auch als Madonnenländchen betitelt. Manche sind schon viele Jahrhunderte alt, andere erst in jüngster Zeit geschaffen worden. Meist bestehen sie aus heimischen Materialien wie Muschelkalk oder Sandstein. Das macht besonders die älteren anfällig für Verwitterung.

Oder der Blitz schlägt ein wie 2013 bei dem Feldkreuz an der Straße von Vilchband nach Bowiesen. Es wurde bis auf den Sockel regelrecht zerbröselt. Das Kruzifix zu retten schien unmöglich, bis der 2015 verstorbene Hubert Baumeister die Initiative ergriff und seine Mitbürger aufrief, das Feldkreuz wieder zu errichten. Es gehöre einfach zu unserer Natur dazu, waren seine Worte, erinnert sich Martin Neckermann.

Eine Restaurierung sollte nach ersten Schätzungen 10 000 Euro kosten. Zur Anschubfinanzierung wurde ein Kesselfleischessen im Anglerheim veranstaltet. Bürger spendeten dazu alle Zutaten. Auch Vereine und Privatpersonen stifteten teilweise hohe Beträge, so dass die Summe für die Restaurierung innerhalb eines Jahres zusammenkam.

Am Karfreitag 2015 bekam der Röttinger Bildhauer Winfried Baumann den Auftrag, am Ostersonntag verstarb der Initiator der Rettungsaktion, Hubert Baumeister. Sein letztes Werk für die Gesellschaft war begonnen und da konnte er in Ruhe entschlafen, hieß es daraufhin in Vilchband.

Der Sockel besteht aus rotem Sandstein, das Kreuz aus grauem Sandstein mit Muschelkalkvorsatz. Es wurde ursprünglich von Apollonia Derr, geb. Hofmann, im Jahre 1908 errichtet, wie man der alten Inschrift entnehmen kann. Steinmetz Baumann hat es behutsam in den alten Proportionen wieder geschaffen, „das ist schließlich mein Job“.

Pfarrer Oliver Störr segnete das neue Feldkreuz unter den Klängen der Musikkapelle Vilchband, die ebenso aus dem Ort heraufgekommen war wie viele Bürger und Bürgermeister Marcus Wessels.

Der zweite neu restaurierte Bildstock steht auf dem Gelände des Seevereins. Die Distanz zwischen beiden wurde in einer kleinen Fußwallfahrt absolviert. Er stand vorher beim Hof Uhl, war aber so einsturzgefährdet, dass sich zwei angesprochene Steinmetzbetriebe weigerten, den Abtransport zu übernehmen, berichtete Bernhard Henneberger, der den Bildstock zusammen mit Dr.

Reiner Saltin in Eigenregie restauriert hat.

Zwei Hobby-Steinmetze

Letztlich hatten Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes das zerbrechliche Stück eingesammelt und die beiden Hobby-Steinmetze versuchten zu retten, was noch zu retten war. Das Denkmalschutzamt hatte den Bildstock schon aufgegeben, doch dank der beharrlichen Arbeit der beiden gelang eine Rettung.

Allerdings konnte nur noch eine Seite des ursprünglichen Doppelbildstocks restauriert werden. Sie zeigt Johannes den Täufer, eine eher ungewöhnliche Darstellung für die Zeit zwischen Spätbarock und Klassizismus, beschrieb Dr. Saltin die Motive und die Ausführung. Auf der Nordseite war wahrscheinlich ein Bildnis der Dreifaltigkeit, doch dies lasse sich nicht mehr abschließend feststellen.

Die renovierte Südseite zeigt nun zum Haus des Seevereins und erfreut mit klaren Formen und immer noch gut zu erkennenden Details die Besucher. Die ließen es sich dann im Schatten der Planen gut gehen, man wollte einfach nur der Hitze entfliehen. Die Musikkapelle spielte zur Unterhaltung auf.

Pfarrer Oliver Störr segnete das Feldkreuz an der Straße von Vilchband nach Bowiesen (Bild) und ebenso Bildstock am See, welcher in Privatinitiative restauriert wurde.
Pfarrer Oliver Störr segnete das Feldkreuz an der Straße von Vilchband nach Bowiesen (Bild) und ebenso Bildstock am See, welcher in Privatinitiative restauriert wurde. Foto: Matthias Ernst

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Vilchband
  • Matthias Ernst
  • Johannes der Täufer
  • Kruzifixe
  • Marcus Wessels
  • Pfarrer und Pastoren
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!