HAMBRÜCKEN

Vor dem Hauskauf kommt manchmal erst die Spürnase

Feine Nasen: Petra Acker trainiert in ihrem Übungsraum in Hambrücken mit ihrem Schimmelpilz-Spürhund, der sechs Jahre alten Border-Collie-Hündin Naila. Acker bildet Hunde zu Schimmelpilz-Spürhunden aus.
Feine Nasen: Petra Acker trainiert in ihrem Übungsraum in Hambrücken mit ihrem Schimmelpilz-Spürhund, der sechs Jahre alten Border-Collie-Hündin Naila. Acker bildet Hunde zu Schimmelpilz-Spürhunden aus. Foto: DPA

Schimmelpilze und ihre Sporen gibt es überall. Doch wenn sie einmal in den eigenen vier Wänden ein neues Zuhause gefunden haben, ist die Not groß. Um die unter Umständen gefährlichen und im Anfangsstadium unsichtbaren Spezies aufzuspüren, gibt es nur wenige effektive Methoden. Eine von ihnen ist die sechsjährige Border Collie-Hündin Naila. Diese wurde von ihrem Frauchen Petra Acker aus Hambrücken (Kreis Karlsruhe) zu einem der ersten Schimmelpilz-Spürhunden in Deutschland ausgebildet.

Mittlerweile gibt es sieben zertifizierte Hunde in Deutschland, die in einem von Petra Acker gegründeten Spürhunde-Netzwerk zusammengeschlossen sind. Zehn weitere Hunde werden gerade ausgebildet. Trainierte Hunde können nicht nur Drogen, Sprengstoff, Krebs im Anfangsstadium an Menschen oder Bettwanzen riechen, sondern erschnüffeln Schimmelbefall auch unter Tapeten, gerade überstrichenen Flächen oder Decken. „Wir arbeiten deshalb auch gerne mit Immobilienmaklern oder Hauskauf-Interessenten zusammen, die ein schimmelfreies Haus oder eine Wohnung verkaufen oder kaufen wollen. Naila findet alle gängigen Schimmelpilzarten, die man nicht sehen, aber in ihrem Falle riechen kann“, sagt Petra Acker.

Die 43-Jährige hat auch Nailas Hundetochter Ayda (3 Jahre) mittlerweile erfolgreich ausgebildet. Aus einem Wurf von vier Welpen soll in den nächsten Jahren noch die im März geborene Hundedame Buffy zu den miteinander verwandten Spürnasen hinzustoßen.

Die Einsätze der Hunde gleichen immer einem bestimmten Schema: Naila oder Ayda betreten mit Petra Acker das Gebäude, das untersucht werden soll. Bei Schimmel schlagen die Hunde in der Regel schnell an. Naila kratzt, ihre Tochter dagegen setzt sich neben die vom Schimmel befallenen Flächen, auch wenn sich diese unter Fließen befinden. Für eine Wohnung mit drei Zimmern entstehen dadurch Kosten von bis zu 300 Euro, für eine Hausuntersuchung muss man je nach Größe auch schon mal 800 Euro berappen.

Berater für Ministerium

„Das ist immer noch günstiger, als wenn man ein Haus kauft und danach teuer sanieren muss. Viele Menschen denken, dass sie keinen Pilz in ihrem Haus haben und sind dann sehr erschrocken, wenn die Laborproben nach dem Anschlagen unserer Hunde ausgewertet sind“, sagt Petra Acker. Sie sieht ihre Schimmelhunde deshalb als ideale Ergänzung zu menschlichen Gutachtern. Mittlerweile berät die Hundehalterin sogar das finnische Gesundheitsministerium. Eine einjährige Ausbildung zum Schimmelspürhund kostet bei ihr bis zu 10 000 Euro. Danach brauchen Besitzer und Tier noch bis zu zwei Jahre Training und Erfahrung, um optimal arbeiten zu können. Die ausgebildeten Tiere erhalten dann einen sogenannten Gebietsschutz, damit sich einzelne Tiere und ihre Hundeführer nicht untereinander Konkurrenz machen. „In der Ausbildung lernen die Hunde den typischen Schimmelgeruch kennen. Sie müssen aber keinen Schimmel fressen. Es braucht also niemand Angst zu haben.

Kommerzielle Interessen

Guido Fischer vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg sieht den Einsatz von Spürhunden bei der Schimmelaufspürung differenziert. Die Ausbildung der Hunde nenne sich zwar „zertifiziert“. Doch „es handelt sich um keine öffentlich anerkannte Stelle. Es stehen also kommerzielle Interessen im Vordergrund“, sagt Fischer. Schimmelhunde könnten zwar theoretisch helfen, Schimmelpilzkontaminationen aufzudecken. „Allerdings besteht die Gefahr, dass der Hund auch hygienisch nicht relevantes Schimmelpilzwachstum findet. Hier muss dann der Hygieniker oder Bausachverständige klären, inwieweit eine Sanierung des Objektes an der entsprechenden Stelle sinnvoll und notwendig ist“, betont der Experte.

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