Bronnbach

Warum im Kloster Bronnbach wieder Quittenbäume stehen

Eine birnenförmige Quitte im neuen Lehrpfad von Kloster Bronnbach. Foto: Matthias Ernst

Was vor fünf Jahren mit der Pflanzung des ersten Stämmchens begann, fand nun seine endgültige Bestimmung. In Kloster Bronnbach wurde ein Quittenlehrpfad eröffnet. Insgesamt 42 Sorten sind mit 60 Bäumen rund um das Kloster gepflanzt worden und können besichtigt werden. Quitten gelten als besonders Klima resistent, wie Harald Lurz, Landwirtschaftsberater beim Landratsamt in Tauberbischofsheim sagte: "Wenn sie also überlegen einen Baum zu pflanzen, greifen sie ruhig zur Quitte". Zur Eröffnung war auch der Quittenexperte Marius Wittur aus Untereisenheim gekommen. Er führte zusammen mit Eigenbetriebsleiter Matthias Wagner durch die Anlage.

Grundsätzlich, so der Fachmann, unterscheidet man birnen- und apfelförmige Quitten. Die alte Kulturpflanze hat eine lange Geschichte. Sie ist zwar schwer zu verarbeiten, aber ihr Saft und ihre Früchte sind schon immer begehrte Lebensmittel gewesen. In früheren Zeiten machte man sich die stark duftenden Früchte auch zunutze, um den eigenen Kleiderschrank mit einem wohlriechenden Duft zu verbessern. Im Herbst und im Winter duftete es in vielen Bauernhäusern nach Quitten. Das war dann mal etwas anders, als der Geruch von Vieh und nassen Ecken.

Quitten sind sehr pflegeleicht

Quitten kommen mit fast allen Bodenarten zurecht und entwickeln sich bei ausreichender Pflege des Gärtners schon in kurzer Zeit prächtig. Was Quitten nicht mögen, sind Grasflächen bis direkt an den Stamm heran, wenn sie jung sind. Da sollte schon ein grasfreier Bereich von einem Meter Radius um die Pflanze herum sein. Ansonsten will die Quitte nicht allzu viel gegossen werden, ist also relativ anspruchslos.

Wichtig sei die richtige Beschneidung der Bäume. Da kam wieder Lurz ins Spiel. Er zeigte an einem gerade frisch gepflanzten Baum den Erstschnitt. Der soll bei Ballenware, also mit geschütztem Wurzelwerk im Ballen, aus der Baumschule ungefähr ein Drittel der Blattfläche betragen. Dabei ist darauf zu achten, dass der Baum nicht in die Höhe wächst, sondern eher in die Breite. Wie alle anderen Obstbäume auch, muss die Quitte regelmäßig geschnitten werden, damit sie in voller Pracht Früchte produzieren kann.

Marius Wittur bestimmte mitgebrachte Quittensorten im neuen Lehrpfad. Foto: Matthias Ernst

Matthias Wagner und seine Mitarbeiter hatten allerlei Kostproben vorbereitet, die man aus Quitten machen kann. Von Quittengelee über Quittensaft bis hin zu Schnaps oder getrockneten Fruchtspalten wurde alles angeboten. Die Mönche mussten sich früher sehr viel selbst versorgen und dazu gehörten auch Quitten. Deshalb werden im Klosterladen auch Quittenprodukte angeboten, um diese alte Verbindung zu dokumentieren.

Weniger, aber intensivere Früchte im Alter

Marius Wittur bestimmte auch von Teilnehmern mitgebrachte Quittensorten. Anders als bei Äpfeln genügen ihm hierzu die reinen Früchte. Davon sollen es aber fünf bis sechs Stück jeder Sorte sein. Das liegt daran, dass eine Sorte sich in verschiedenen Formen ausdrücken kann, so Wittur. Schön war der Vergleich von Früchten eines alten Baumes mit einer Neupflanzung im Klostergarten. Obwohl die Sorten identisch waren, zeigten die Früchte unterschiedliche Größen. Die von den alten Bäumen waren wesentlich kleiner.

Wittur verglich Alt und Jung wie bei einem Weinstock. Auch dieser trage im fortgeschrittenen Alter weniger und kleinere Beeren. Dafür sei die Aromatik wesentlich intensiver. Und das volle Quittenaroma kann man gerade jetzt im Herbst auf dem rund 350 Meter langen Quittenlehrpfad in Kloster Bronnbach erleben. Damit ist das in Besitz des Landkreises befindliche Areal um eine Attraktion reicher, fanden nicht nur die Teilnehmer an der Eröffnungsveranstaltung, die bei einem Vortrag in der Vinothek über Geschichte und Bedeutung der Quitte noch mehr erfuhren.

Quittengelee ist nur eine mögliche Nutzung der Quittenfrüchte. Foto: Matthias Ernst
Zur Feier des Tages wurde ein weiterer Quittenbaum gepflanzt.r Foto: Matthias Ernst

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