Grünsfeld

Was die neuen Infotafeln über Grünsfelds Geschichte verraten

Mit Hilfe des städtischen Bauhofes wurden in den vergangen Tagen die letzten Schautafeln wie hier am Pfarrhaus aufgestellt. Das Bild zeigt (von links) Helmut Retzbach, Alexander Wagner, Horst Kuhn, Bürgermeister Joachim Markert, Franz Ködel, Karl-Heinz Schmidt, Albin Wolfstädter und Alfred Beetz.
Mit Hilfe des städtischen Bauhofes wurden in den vergangen Tagen die letzten Schautafeln wie hier am Pfarrhaus aufgestellt. Das Bild zeigt (von links) Helmut Retzbach, Alexander Wagner, Horst Kuhn, Bürgermeister Joachim Markert, Franz Ködel, Karl-Heinz Schmidt, Albin Wolfstädter und Alfred Beetz. Foto: Ulrich Feuerstein

Kirche, Rathaus, Stadtbrunnen: Viele Sehenswürdigkeiten zählt die Kommune Grünsfeld. Was es mit ihnen auf sich hat, ist nicht immer bekannt. Abhilfe schaffen mehr als 40 Schautafeln, die Objekte in Grünsfeld und seinen Ortsteilen erläutern. Das vom Kulturverein schon seit vielen Jahren verfolgte Projekt ist jetzt mit Hilfe des Leader-Programms vollendet worden.

Von einem "schönen Auftakt in das Jubiläumsjahr" spricht Bürgermeister Joachim Markert. 2020 feiert Grünsfeld 700 Jahre Stadtrecht. Noch heute prägen das Stadtbild Objekte, die im Laufe der Jahrhunderte errichtet worden sind. Die wichtigsten werden jetzt anhand zahlreicher Schautafeln erläutert. "Die Tafeln sensibilisieren für die Geschichte der Stadt", erklärt Markert und betont gleichzeitig die Bedeutung der Vergangenheit für das Selbstverständnis: "Nur wer weiß, woher er kommt, weiß auch, wohin er geht."

Auf Basis der Stadtchronik von Elmar Weiß

Die Texte und das Layout für die Schautafeln hat ein mehrköpfiges Gremium erarbeitet. "Viele Sitzungen waren nötig", berichtet Karl-Heinz Schmidt, der sich als Anreger und Motor des Projekts versteht. Auf der Basis der von Elmar Weiß verfassten Stadtchronik habe man weitergehende Recherchen angestellt, um eine abgesicherte Textgrundlage vorlegen zu können. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden.

Die Gestaltung lag in den Händen von Edgar Braun. Der Diplom-Designer hat den Texten ein ansprechendes Layout mit einer gut lesbaren Typographie gegeben. Neben 32 Tafeln für einzelne Objekte hat er auch sechs große Tafeln entworfen, die einen Gesamtüberblick geben und an zentralen Punkten wie dem Pfarrhaus in der Stadtmitte zu finden sind. Hinzu kommen fünf Tafeln für die Ortsteile Hausen, Paimar, Krensheim, Zimmern und Kützbrunn. Ein aufwendig gestaltetes Faltblatt mit Bildern und Kartenskizzen ergänzt das Informationsangebot.

Als "historisch sehr ehrlich" bezeichnet Franz Ködel die Beschreibung der Objekte. Wichtig ist es ihm gewesen, dass an die jüdische Bevölkerung erinnert wird. So weist eine Schautafel im Stadtzentrum auf verschiedene Häuser aus ehemals jüdischem Besitz an der Hauptstraße und am Eingang zur Treppengasse hin, die die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Juden bezeugen. Im 19. Jahrhundert lebten bis zu 63 Bürger jüdischen Glaubens in Grünsfeld.

Erinnerung an dunkle Kapitel der Stadt

Verschwiegen werden auch dunkle Kapitel der Grünsfelder Geschichte nicht. So erinnert eine Tafel an die so genannte Judentaufe am 3. September 1939. Damals holte man sämtliche noch in Grünsfeld wohnende jüdische Mitbürger aus ihren Häusern. Die johlende Menge trieb die verängstigten Menschen durch die Straßen, bis man sie schließlich zum Stadtbrunnen führte. Dort warf man sie ins Wasser und trat mit Füßen nach ihnen.

Der Schilderung des Vorgangs nach der Pfarrchronik folgt eine Erklärung: "Die Stadt Grünsfeld erinnert mit dieser Tafel an dieses schmähliche Ereignis in der Zeit des Nationalsozialismus. Stadtverwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft bedauern zutiefst dieses unmenschliche Verhalten Grünsfelder Bürger in der damaligen Zeit."

Tafeln mit QR-Code ausgestattet

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 30 000 Euro. Mehr als die Hälfte, 15 200 Euro, fördert das Regionalentwicklungsprogramm Leader. "Damit geht ein langgehegter Wunsch des Kulturvereins in Erfüllung", sagt Alfred Beetz. Grünsfelds ehemaliger Bürgermeister ist Vorsitzender der Leader-Aktionsgruppe Badisch-Franken und stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins. Bei der Vergabe war er wegen seiner Befangenheit deshalb auch nicht dabei. Dass der Beschluss dennoch für Grünsfeld gefallen ist, freut ihn umso mehr.

"Die Arbeit geht uns nicht aus", schmunzelt Albin Wolfstädter. Mit seinen Kollegen ist er sich einig, dass der Arbeitskreis weiterbestehen soll. Während der Recherche seien ständig neue Fragen aufgetreten. Die Formulierungen auf den Tafeln stellen den aktuellen Kenntnisstand dar.

Auf Veränderungen ist man aber vorbereitet. Die Schautafeln sind mit einem QR-Code ausgestattet. Damit ist es relativ einfach, Texte zu ergänzen oder fortzuschreiben. Das moderne Medium bietet zudem die Möglichkeit, Bilder und Originalquellen zu hinterlegen. Der interessierte Besucher kann dann ganz tief eintauchen in die Geschichte der Stadt Grünsfeld.

Verschwiegen werden auch dunkle Kapitel der Grünsfelder Geschichte nicht. So erinnert eine Tafel am Stadtbrunnen an die so genannte Judentaufe vom 3. September 1939.
Verschwiegen werden auch dunkle Kapitel der Grünsfelder Geschichte nicht. So erinnert eine Tafel am Stadtbrunnen an die so genannte Judentaufe vom 3. September 1939. Foto: Ulrich Feuerstein

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