STUTTGART

Wer abtreiben will, muss sich beraten lassen

Die wohl größte Abtreibungsklinik im Südwesten, die Klinik Stapf, steht vor dem Aus. Die Stadt Stuttgart will weiter legale Abtreibungen in geschütztem Rahmen ermöglichen und setzt sich für einen Erhalt des Angebotes ein – unabhängig von der Klinik.

Angesichts der drohenden Schließung der wohl größten Abtreibungsklinik in Baden-Württemberg, hat sich der städtische Krankenhausausschuss am Freitag mehrheitlich für einen Erhalt des Angebotes in Stuttgart ausgesprochen. Allerdings tut sich die Stadt schwer, dafür Steuermittel einzusetzen.

Die private Klinik, in der landesweit nach eigenen Angaben jede fünfte Abtreibung vollzogen wird, steht zum Jahresende vor dem Aus. Der Mietvertrag mit der Stadt läuft aus. Laut Pro Familia droht eine „gravierende Versorgungslücke“ für die Region, sollte die Klinik schließen, sagte die leitende Ärztin Marion Janke.

Kleinere Praxen könnten das Angebot nicht auffangen. In den vergangenen Tagen hatten verschiedene Ärzte erklärt, sie könnten die Abtreibungen ebenfalls anbieten.

Der Klinikgründer Friedrich Stapf findet nach eigenen Aussagen keine neuen Räume und fordert Hilfe von Stadt und Land. Seine Situation hat er allerdings auch selbst verschuldet,

„Klar geht es auch ohne Stapf, aber die Frage ist: Wie?“
Friedrich Stapf Klinikgründer

weil er vergessen hat, rechtzeitig seinen Mietvertrag zu verlängern.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben bereits verschiedene Gespräche geführt - und sieht sich nur bedingt in der Lage, dem Privatunternehmer unter die Arme zu greifen.

Der zuständige Stuttgarter Bürgermeister Werner Wölfle betonte, dass sich die Stadt um den Erhalt des Angebotes kümmern werde, allerdings so, dass die Kommune es „gegenüber dem Steuerzahler rechtfertigen“ könne.

Nach der Sitzung sagte Stapf der Nachrichtenagentur dpa: „Klar geht es auch ohne Stapf, aber die Frage ist: Wie?“ Stapf will Räume, die der Vermieter für ihn passend umbaut, beispielsweise mit einem zweiten Notausgang. Die geschätzten bis zu 300 000 Euro für einen „Riesenumbau“ könne er nicht leisten, sagte Stapf.

Der Arzt hat die Klinik in Stuttgart 1991 gegründet. Zwei Jahre später eröffnete er in seiner Heimatstadt München eine zweite Klinik, die er heute noch betreibt. Für die Einrichtung in Stuttgart gründete er eine GmbH, die seiner Frau gehört.

Streitbarer Geist

Der 68-Jährige ist aufgrund seines streitbaren Geistes bundesweit bekannt. Unter anderem ging er in den 90er Jahren mit einer Verfassungsbeschwerde erfolgreich gegen die Regelungen in Bayern vor.

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