Wertheim

Wertheim: Was passierte, nachdem die historische Mauer einstürzte?

Eine historische acht Meter hohe Mauer stürzte am Dienstagmorgen in Wertheim ein. Verletzt wurde niemand. Wie reagieren die Stadt und ihre Bewohner? Ein Besuch vor Ort.
Ein Teil einer historischen Mauer ist in der Wertheimer Altstadt eingestürzt. Betroffen sei ein Abschnitt von etwa zehn Metern Länge und bis zu acht Metern Höhe, sagte ein Polizeisprecher.  Foto: Christoph Schmidt

In Wertheim (Main-Tauber-Kreis) ist, nach dem Weihnachtsmarkt gleich links, am Dienstagmorgen um sechs Uhr ein Stück Geschichte eingestürzt. Hinter der Stiftskirche, im "Herzen von Wertheim" wie es ein Anwohner ausdrückt, klafft nun ein Loch in einer jahrhunderte alten Stütz-Mauer. Etwa 80 Quadratmeter ist es groß, acht Meter hoch, zehn Meter breit. Ein Meter links davon ist ein Parkhausausgang, ein Meter rechts davon parken Autos, zwei Meter gegenüber steht die Stiftskirche und am Berg darüber steht die 800 Jahre alte Wertheimer Burg – und überall sonst stehen Schaulustige. 

Wer über den Weihnachtsmarkt schlendert, macht meist schnell einen Schlenker an der Kirche vorbei. Manche beißen noch in ihre Lángos vom Stand ein paar hundert Meter entfernt, während sie durch das Absperrgitter auf den Schutthaufen blicken. Andere tauschen sich wiederum über ihre Einsturztheorien oder einfach nur Geschichten aus, zum Beispiel, wie sie Wasserleitungen in den Berg gelegt haben. Ein Anwohner lacht: "Hier war seit Jahren nicht so viel los."

Die Geschichte: Wie kam es zum Einsturz der Mauer?  

Es gleicht einem Wunder, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Niemand wurde verletzt, sogar das Haus über der abgerutschten Stelle darf bereits wieder bewohnt werden. Schon fast kitschig wirkt die Situation, als der Reporter an der Unglücksstelle ankommt, und Musik aus dem Inneren der Kirche erklingt. Das göttliche Zeichen stellt sich zwar relativ schnell als die Musikkappelle des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums heraus, das für ihr Konzert am Abend probt. Zufällig Noch wenige Stunden  zuvor, es war noch nicht einmal hell, hatten sich noch drei Rettungshundestaffeln durch den Schutt gewühlt. Es hätte ja ein Mensch darunter sein können.

Hinter der Wertheimer Stiftskirche stürzte am Dienstagmorgen eine acht Meter hohe Mauer ein. Eine Bildergalerie befindet sich am Ende des Artikels. Foto: Martin Hogger

Nur wenige Meter von der Unglücksstelle entfernt betritt am Nachmittag Oberbürgermeister Markus Herrera-Torrez das Zimmer 206 des Wertheimer Rathauses. Die Stadt hat eine Pressekonferenz organisiert, nachdem die Nachricht sogar schon über die Deutsche Presse Agentur (dpa) lief. "Alle vor Ort waren schockiert", sagt Herrera-Torrez. Zur Ursache könne man noch nichts sagen. Es sei noch zu früh, um zu bewerten inwieweit der Regen seinen Teil dazu beigetragen habe.

Ein Fremdverschulden, sagt Matthias Jeßberger, Leiter der Wertheimer Polizeiinspektion, habe man jedoch relativ schnell ausschließen können. Armin Dattler, bei der Stadt für Stadtplanung, Hoch- und Tiefbau verantwortlich, gab die Einschätzung des Geologen weiter: Dass akute Einsturzgefahr bestand, sei "nicht vorhersehbar" gewesen. Schon vor zehn bis 15 Jahren sei die Wand des Burggrabens auf ähnliche Weise – also plötzlich – eingestürzt, erzählt Dattler weiter. Der Geologe prüfe nun noch einmal genau die Mauern in der Umgebung.

Hinter der Wertheimer Stiftskirche stürzte am Dienstagmorgen eine acht Meter hohe Mauer ein. Nach aktuellem Sachstand wurde kein Mensch verletzt. Foto: Martin Hogger

Die Zukunft: Wie geht es jetzt weiter mit der Mauer? 

Neben Oberbürgermeister Herrera-Torrez sitzt Christian Freudenberger. Ihm gehört das Haus über der eingestürzten Mauer und damit gehört ihm auch die Mauer. "Es war ein aufregender Tag", sagt er. "Er sei erst Mal erleichtert." Im März 2016 hat er das Drei-Parteien-Haus der Kirche abgekauft, im November vergangenen Jahres war ihm ein "Riss" und ein "Bauch" in der Mauer aufgefallen. Er meldete es sofort der Stadt, plante und schrieb die Arbeiten aus. Vor nicht Mal drei Wochen seien die ersten Angebote zur Sanierung gekommen, erzählt Freudenberger. Im Frühjahr sollte es soweit sein. "Herr Freudenberger hat sich sehr vorbildlich verhalten. Es wäre ordnungsgemäß kein anderer Handlungsstrang möglich gewesen", sagt Armin Dattler mit Nachdruck in der Stimme. 

Sobald ein Geologe und ein Statiker die Stelle freigegeben haben, soll nun erst einmal der Schutt abgetragen werden, sagt Freudenberger. "Hoffentlich noch diese Woche, dass die Autos durchfahren können." Wie hoch sein Schaden sein wird, kann er noch nicht abschätzen. Seine Versicherung wird nun einen Gutachter vorbeischicken. Eine Lösung für den Wiederaufbau der Mauer gebe es auch schon: Eine Halbschale aus Beton soll den Hang tragen, die Mauer dann davor wieder aufgebaut werden.

Das sei ein außergewöhnlicher Fall, betont Armin Dattler. Eine vergleichbare Mauer fällt mir im Stadtgebiet nicht ein. "Gerade zur Weihnachtszeit hätte es sowas nicht gebraucht."

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