BAD WALDSEE

Wie aus Elisabeth Schwester Leonie wurde

Von ihrer Berufung überzeugt: Die Franziskanerin Schwester Leonie Voitenleitner (links) singt in Heggbach beim Seniorentreff mit Heilerziehungspflegerin Andrea Herzhauser und Bewohner Peter (rechts) ein Weihnachtslied. Foto: DPA

Schwester Leonie ist 34 Jahre alt und hat erst vor kurzem ihr Gelübde als Nonne abgelegt. Seitdem lebt und arbeitet sie als Franziskanerin im Kreis Biberach. Aber warum geht man heute eigentlich noch ins Kloster?

Eigentlich hat Elisabeth die Exerzitien immer ein wenig vor sich hergeschoben. „Ich habe das unbewusst gemieden, weil ich gespürt habe, da ist irgendwas“, sagt sie. Aber weil diese Besinnungstage Pflichtteil ihres Studiums der Religionspädagogik sind, muss die junge Frau vor dem letzten Semester schließlich doch noch daran teilnehmen.

Sie entscheidet sich für einige Tage im Kloster – eine Zeit, die ihr Leben von Grund auf ändern wird. Fünf Jahre später heißt sie Schwester Leonie, trägt Kleid und Schleier und ist Teil der Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Reute (Kreis Ravensburg).

Rund 19 000 Ordensfrauen wie Schwester Leonie gibt es nach Angaben der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) in Deutschland. Sie leben in 1627 klösterlichen Niederlassungen, die überwiegende Mehrheit von ihnen ist bereits über 65 Jahre alt. Zum Vergleich: Ende 2001 lag die Zahl noch bei 30 042 Schwestern, Ende 1991 bei 43 474.

„Ich habe nach den Tagen im Kloster gemerkt: Ich muss wiederkommen“, sagt die heute 34-Jährige. Also sucht sie immer wieder den Kontakt zu den Schwestern, verbringt über Monate hinweg Zeit mit ihnen, lernt ihren Alltag kennen. Und sie fragt nach: Warum seid ihr ins Kloster gegangen, wie ist das Leben in der Gemeinschaft? „Das hat etwas mit mir gemacht“, sagt Schwester Leonie. „Das waren alles junge Frauen, die ganz normal in ihrem Berufsleben standen – und die sich für das Ordensleben entschieden haben.“

Irgendwann kommt der Tag, an dem sie die Fragen nicht mehr anderen stellt, sondern sich selbst. Könnte ich das? Ehelos leben? Ohne Kinder und Familie? Materielle Dinge aufgeben und in Armut leben? Trägt mein Glaube diese Art von Leben überhaupt? „Ich habe gemerkt, es zieht mich hin“, sagt sie. „Ich glaube, ich hatte mich innerlich eher dazu entschieden, als es im Kopf ankam.“

Beziehung aufgegeben

Zu diesem Zeitpunkt macht sie eine Ausbildung zur Gemeindereferentin, lebt seit mehreren Jahren in einer festen Beziehung mit einem Mann. Wie schwer ist es, diesem Menschen mitzuteilen, dass man sich für einen anderen Lebensweg entschieden hat? Einen Weg ohne ihn? Schwester Leonie schweigt. „Es ging“, sagt sie dann. „Einigermaßen.“

Später fügt sie hinzu: „Es ist mein Leben. Die Menschen um mich herum können den gewählten Weg hinterfragen. Aber leben muss ich ihn selber.“ An ihren Antworten merkt man, was für ein innerer Prozess und welche Entscheidung hinter ihr liegen. Die junge Frau – die sehr herzlich und ohne Zögern auf Menschen zugeht – lässt sich Zeit, denkt oft länger nach, bevor sie etwas sagt.

Von dem Moment an, an dem man sich für ein Leben im Kloster entschieden hat, beginnt ein längerer Kennenlern-Prozess. „Man gibt nicht von heute auf morgen alles auf und tritt ein“, sagt Schwester Leonie. Zunächst beginnt sie eine Kandidatur, in der sie und die Gemeinschaft sich besser kennenlernen und in der sie ihre Beziehung zu Gott vertiefen kann. Darauf folgt das Postulat und schließlich das Noviziat – die Ausbildung zur Schwester. Und immer wieder während des mehrjährigen Prozesses fragt sie sich: Ist das etwas für mich? Will ich das wirklich? „Das ist genauso, wie einen Mann kennenzulernen. Den heirate ich ja auch nicht gleich.“

Mit Beginn des Noviziats steht auch die Einkleidung an. Schwester Leonie trägt von nun an das Ordensgewand – ein graues Kleid mit einem weißen Schleier. Und - noch tiefgreifender – sie bekommt einen neuen Namen. Sie entscheidet sich für Schwester Leonie – in Anlehnung an Bruder Leo, einen treuen Begleiter des heiligen Franziskus.

Im Frühjahr 2013 ist es soweit: Schwester Leonie legt mit zwei weiteren Novizinnen in einem Festgottesdienst ihr Gelübde ab. „Das ist wie eine Hochzeit und doch anders“, sagt sie. Sie treten vor den Altar und geben ein Versprechen ab: Sie verpflichten sich zu jungfräulicher Keuschheit, zu Gehorsam und einem Leben in Armut. „Das ist ein Fest“, sagt sie. „Ein richtig schönes Fest. Die Aufregung, wie vielleicht noch vor dem Noviziat, gab es nicht. Es hat alles gepasst. Einfach “Ja“ zu sagen. Das war ein Glücksgefühl.“

Neue Entscheidung

Heute lebt die 34-Jährige mit anderen Franziskanerinnen in einer Einrichtung für behinderte Menschen und arbeitet dort und in der Seelsorgeeinheit Maselheim (Kreis Biberach) als Gemeindereferentin. Gab es für sie auf ihrem Weg ins Kloster auch mal Momente, in denen sie alles hinschmeißen wollte? „Nein“, sagt Schwester Leonie.

Für sie sei die Entscheidung schon mit der Bitte um Aufnahme in die Kandidatur gefallen. „Der Weg in Postulat und Noviziat hat mich bestärkt. Aber im Kloster zu leben, das braucht nochmal eine neue Entscheidung für diese Lebensform – täglich.“

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