Poppenhausen

Zweihundert Jahre "Alter Hochaltar" in St. Martin

Die Pfarrkirche St. Martin hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Bei einer öffentlichen Führung erläutert Dr. Verena Friedrichs die Hintergründe und erklärt die einzelnen Elemente
Die Pfarrkirche St. Martin hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Bei einer öffentlichen Führung erläutert Dr. Verena Friedrichs die Hintergründe und erklärt die einzelnen Elemente Foto: Matthias Ernst

In diesem Jahr jährt sich die Kirchenrenovierung von 1817/18 zum 200. Mal. Sie ist das Werk des aus einem Tauberbischofsheimer Patriziergeschlecht stammenden Pfarrers Anton Steinam. Er musste nach einer schweren Erkrankung seine Lehrtätigkeit am Gymnasium in Tauberbischofsheim aufgeben und übernahm die Pfarrei Poppenhausen, wo er über 40 Jahre wirkte. Über die Renovierung hat er eine aussagekräftige Schrift verfasst, die in Gänze im Poppenhäuser Kirchenheft "St Martin" veröffentlicht wurde.

Zunächst beschreibt er den "elenden" Zustand der noch weitgehend im romanischen Stil erhaltenen Kirche, die dringend einer Erneuerung bedürfe. Die Finanzierung der Baumaßnahme bereitete ihm größte Sorgen, denn das Vermögen des Kirchenfonds war "schmal und die Einnahmen und Ausgaben hoben sich Jahr für Jahr auf". Das Jahr 1816 ging als Hungerjahr in die Geschichte ein, ausgelöst durch einen Vulkanausbruch in Indonesien. Offensichtlich waren im Gau die Früchte halbwegs geraten und die Bauern konnten die Ernteverluste durch höhere Preise weit mehr als ausgleichen.

Mit Hilfe von Spenden konnte der Umbau beginnen

Pfarrer Anton Steinam nutzte diese Situation und erbat sich "guttätige Spenden", um die Umgestaltung der Kirche zu beginnen. Er selbst sammelte, von Haus zu Haus gehend, 300 Gulden, dazu Einzelspenden von 100 und 90 Gulden und weitere Geldgaben und Sachspenden. Jetzt konnte der Umbau beginnen. Die Gemeinde ließ den Boden der Kirche und der Sakristei mit Platten belegen, die Frauen brachten gelöstes Buttergeld für fünf hohe Fenster und die Jugend des Dorfes bezahlte eine neue Stiege zur Empore. Von Guttätern bezahlt, wurden der Beichtstuhl, die Kommunionbank und ein gläserner Lüster angeschafft.

Der 'Alte Hochaltar' wurde im Jahre 1823 geschaffen und ist ein echtes Kleinod (Bild: Karl Endres)
Der "Alte Hochaltar" wurde im Jahre 1823 geschaffen und ist ein echtes Kleinod (Bild: Karl Endres) Foto: Matthias Ernst

Zum Abschluss des Umbaus stand die Fassung der Altäre und der Kanzel an. Dem rührigen Pfarrer gelang es einen Wohltäter namens Adam Stoy aus Riedenheim, der zu Lebzeiten 1000 Gulden für eine Kirche spenden wollte, zu veranlassen, dieses Geld der Kirche in Poppenhausen zu schenken. Mit dieser Summe konnte als Abschluss der Verschönerung der prächtige Altar im Spätrokokostil angeschafft werden. Er ziert heute als "Alter Hochaltar" die Seitenkapelle der 1921/22 umgebauten Kirche. Die 1818 ebenfalls aufgestellten Seitenaltäre und die Kanzel wurden 1922 Pfarrer Andreas Eck, Dekan in Zuzenhausen, für die sich im Bau befindende Kirche seiner Filialgemeinde Hoffenheim geschenkt. Er ermöglichte auch mit einer großherzigen Spende im Jahre 1941 die Renovierung und Neuvergoldung des Hochaltars von 1818.

Pfarrgemeinde lädt zu einer Kirchenführung am 25. November ein

Leider konnte der Bildhauer der im frühen 19.Jahrhundert kunstvoll gestalteten Altäre nicht ermittelt werden, da die ganze Baumaßnahme spendenfinanziert und offensichtlich über einen Nebenhaushalt abgewickelt wurde, berichtet Hobbyheimatforscher Karl Endres. In den Kirchenrechnungen dieser Jahre findet sich kein Hinweis auf hier tätige Künstler und Handwerker. Lediglich der Ankauf von Baustoffen aus Bütthard, für den sogar Zoll bezahlt werden musste, ist belegt.

Zum Anlass der zweihundertsten Wiederkehr der Renovierung von 1817/18 lädt die Pfarrgemeinde, der Bürgerverein Poppenhausen und der Kulturverein Wittighausen zu einer Kirchenführung am Sonntag, 25. November , nach dem Festgottesdienst ein, der um 10 Uhr beginnt. Mit der Kunsthistorikerin Verena Friedrich von der Universität Würzburg wird eine anerkannte Expertin den "Alten Hochaltar" von 1818, ein Kunstwerk aus der Spätrokokozeit, vorstellen und kunstgeschichtlich würdigen.

Den Besuchern werden auch die nach dem Kirchenumbau von 1921/22 angeschafften Kunstwerke erläutert. Der Kirchenumbau erfolgte in einer Zeit, in der nur sehr wenige Kirchen gebaut oder renoviert wurden. Höchst renommierte Künstler mussten sich daher um Aufträge in kleineren Kirchen bemühen. Für die Schaffung des Hochaltars und des Marienaltars konnte beispielsweise der aus Gamburg stammende Bildhauer Professor Thomas Buscher, der im gesamten süddeutschen Raum und auch in seiner fränkischen Heimat Kunstwerke schuf, gewonnen werden. Die interessierten Besucher dürfen sich auf Kunstwerke freuen, die sie in einer Dorfkirche nicht erwarten, verspricht Endres.

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