Grünsfeld

Der Grünsfelder Wald ist im Umbruch

Obwohl der Grünsfelder Stadtwald ein Mischwald ist, sind doch schon deutliche Schäden durch Klimawandel und Trockenheit zu erkennen, wie man bei diesem Herbstbild erkennen kann. Dementsprechend sind die Forstleute besorgt.
Foto: Matthias Ernst | Obwohl der Grünsfelder Stadtwald ein Mischwald ist, sind doch schon deutliche Schäden durch Klimawandel und Trockenheit zu erkennen, wie man bei diesem Herbstbild erkennen kann.

Bei der Vorstellung des Forstberichtes des Jahres 2019 berichteten Forstamtmann Christian Hofmann, der Nachfolger des im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangenen Peter Kugler, und Oberforstrat Lothar Achstetter von besorgniserregenden Schäden im Stadtwald von Grünsfeld. Gut die Hälfte des Einschlags waren Bäume, die durch den Borkenkäfer geschädigt waren. Obwohl der Grünsfelder Stadtwald ein typischer Mischwald sei, würden die Schäden an den Bäumen zunehmen, "mit steigender Tendenz", so Achstetter.

Insgesamt 1389 Festmeter fielen dem Schädling zum Opfer. 2020 waren es weitere 1283 Festmeter. Ein übriges trugen Sturmschäden (rund 120 Festmeter) und die Trockenheit (264 Festmeter) zu dem schlechten Ergebnis bei. So war es auch nicht verwunderlich, dass keine großen Erträge erwirtschaftet werden konnten. Das wurde noch durch das unvermindert anhaltende Eschentriebsterben und zunehmendem Pilzbefall beeinflusst. Insgesamt also keine guten Nachrichten für die Gemeinderäte, die erneut in der Stadthalle ihre Gemeinderatssitzung anhielten.

Douglasie wird künftig der "Brotbaum" werden

"Der Wald ist in einer bedrohlichen Lage", mahnte Lothar Achstetter, der stellvertretende Leiter des Kreisforstamts. Im Kampf gegen Klimaveränderung und Trockenheit setzt man beim Forstamt auf Baumarten, die dem Stress besser gewachsen sind. Neben heimischen Arten wie Nuss, Elsbeere oder auch Speierling versucht man es auch mit mediterranen Arten wie Zeder, Robinie, Esskastanie. Die Douglasie wird künftig der "Brotbaum" in der Region werden, nachdem sich die Fichte mittelfristig verabschieden wird, so Christian Hofmann. "Die Douglasie hat wegen der Trockenheit nicht so massive Ausfälle und es gibt keinen Käfer, der zum Absterben führt". Dank des besseren Bodens in der Region könnten die Buchen die Trockenheit besser wegstecken als in anderen Teilen des Kreises, so Achstetter.

Der Holzverkauf wird seit dem vergangenen Jahr über die Holzverkaufsstelle abgewickelt und hat sich wegen Corona und den vergangenen Trockenjahren als sehr unsicher präsentiert. Bei einzelnen Baumarten wurden gerade die Aufarbeitungskosten erwirtschaftet, sodass nur Käferholz geerntet werden konnte.

Aktuell kein Markt für Fichte und Kiefer

Kein Markt ist aktuell für Kiefer und Fichte vorhanden. Da würden andere Länder günstigere Preise anbieten. Nur mit der Douglasie lasse sich bei guten Qualitäten auch gute Preise erzielen. Für Grünsfeld heißt das, es werden in diesem Jahr überwiegend Douglasie und Laubbäume geschlagen. Die Förster planen nur mit 163 Festmetern, die restliche Menge soll ein "Puffer für Schadholz" sein.

Auf einer Fläche von zwei Hektar sollen in diesem Jahr 6000 Setzlinge gepflanzt werden, für einen Hektar steht die Jungbestandspflege an und 52,3 Hektar sind zur Durchforstung vorgesehen. Die Planung für das Wirtschaftsjahr geht von einer vorsichtigen schwarzen Null aus, so Hofmann.

Gemeinderat stimmt geschlossen zu

Das sah im vergangenen Jahr noch anders aus. Christian Hofmann rechnet mit einem Minus von 2000 Euro aufgrund der "eingebrochenen Preise", obwohl man beim Einschlag von 1970 Festmetern fast eine Punktlandung gegenüber der Planung vorweisen konnte. Aber dieses Holz ist fast schon komplett verkauft, sodass die Prognose des Fachmanns Bestand haben wird. Im Jahr 2019 hatte man nicht ganz so viel Glück. Hier wurden mit 2683 Festmetern deutlich mehr geschlagen. Trotz des höheren Einschlags steht unter dem Strich ein dickes Minus von 24 200 Euro. Geplant war ein Überschuss von 2000 Euro. Die Bilanz verhagelt haben zusätzlich die Renovierungskosten der Fockenberghütte.

"Der Wald ist für Grünsfeld kein Wirtschaftsbetrieb, sondern dient eher der Erholung. Wichtig ist dabei die Nachhaltigkeit", kommentierte Bürgermeister Joachim Markert die Ausführungen der Forstfachleute und dankte ihren für "ihren Einsatz und ihre gute Arbeit im Wald". Der Gemeinderat stimmte dem Vollzug des Forstwirtschaftsjahrs 2019 und den Prognosen für 2020 und 2021 geschlossen zu.

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