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Wie Leonhard Haaf Bildungschancen für alle schaffen möchte

Leonhard Haaf, Kandidat von Bündnis '90/Die Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg.
Foto: Thomas Tuschhoff | Leonhard Haaf, Kandidat von Bündnis '90/Die Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg.

Zur Landtagswahl am 14. März hat die Redaktion den Kandidatinnen und Kandidaten der im Landtag vertretenen Parteien sieben Fragen gestellt. Alle erhielten die gleichen Fragen und haben schriftlich geantwortet. Die Beiträge erscheinen in loser Folge. Heute: Leonhard Haaf (Bündnis '90/Die Grünen).

Frage: Was ist für Sie aktuell das wichtigste landespolitische Thema?

Leonhard Haaf: Zwar steht die Bewältigung der Corona-Krise derzeit im Vordergrund. Mit den Impfstoffen und den Schnelltests werden wir diese hoffentlich bald bewältigen und zu einem normalen gesellschaftlichen Leben zurückkehren können. Für unsere gemeinsame Zukunft ist es noch wichtiger, die Klimakrise und das Artensterben zu bekämpfen. Beides gefährdet die gesamte menschliche Zivilisation. Wir müssen viel mehr dagegen tun als bisher. Deutschland bekennt sich zwar offiziell zu den Klimazielen von Paris. Von einer Einhaltung dieser Ziele sind wir jedoch noch meilenweit entfernt. Das von der Grün geführten Landesregierung 2020 verabschiedete Klimaschutzgesetz von Baden-Württemberg kann dazu nur ein erster Schritt sein, genauso wie das Biodiversitätsschutzgesetz.

Wie soll mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie umgegangen werden?

Haaf: Geld sollte jetzt keine Rolle spielen. Alle müssen vor den wirtschaftlichen Folgen des längeren Lockdowns geschützt werden. Dabei muss es gerecht zugehen. Wenn sich nach Eindämmung der Pandemie alle Bereiche der Wirtschaft wieder entfalten können, werden auch die Steuereinnahmen zunehmen. Wir Grüne sind dabei für Nachhaltigkeit in der Finanzpolitik. Die Verschuldung muss nach Corona wieder reduziert werden. Wir wollen alle ökologisch schädlichen Subventionen abbauen, schon um die Klimaschutzziele zu erreichen. Dringend notwendig ist eine Finanztransaktionssteuer. Zudem müssen die großen Big Data Konzerne wie Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft (GAFAM), endlich auch bei uns angemessen Steuern zahlen.

In welchen Bereichen der Bildungspolitik besteht Handlungsbedarf?

Haaf: Der Bildungserfolg hängt bei uns so stark wie kaum irgendwo sonst von der sozialen Herkunft der Kinder ab. Diese Ungerechtigkeit hat sich durch Corona weiter verstärkt. Die Schulen waren nicht auf digitalen Unterricht vorbereitet. In diesem Punkt sind uns andere Länder voraus. Neben der Digitalisierung gilt es, die pädagogischen Berufe aufzuwerten und mehr Ganztagsunterricht anzubieten. Das schafft Bildungschancen für alle. Wir brauchen bessere Ausbildung, angefangen von der frühkindlichen Pädagogik bis hin zur Erwachsenenbildung. Dabei müssen die Lernerfolge besser überprüft und begleitet werden. Wir sind für Supervision, Schulung und Monitoring der Lehrpersonen.

Welche Schwerpunkte sollten im Bereich Digitalisierung in Baden-Württemberg gesetzt werden?

Haaf: Noch immer sind ländliche Gegenden schlechter digital vernetzt als großstädtische Bereiche. Ein Bundesdigitalministerium muss dafür sorgen, dass jedeR einen Breitband-Anschluss bekommt. Das darf nicht am Geld scheitern. Die baltischen und skandinavischen Staaten zeigen, wie eine volldigitale Verwaltung viel Geld sparen kann und sich die Bearbeitungsdauer von Anträgen enorm verkürzt. Das müssen wir endlich mit deutscher Gründlichkeit anpacken.

Welche Ansätze verfolgen Sie in der Klimapolitik des Landes?

Haaf: Die Klimapolitik des Landes kann viel gestalten, ist aber abhängig von den Vorgaben des Bundes. Wenn führende Fachleute für regenerative Energien dem Bund bei der EEG-Novelle 2021 "Staatsversagen beim Klimaschutz" vorwerfen, dann sind die Möglichkeiten eines Bundeslandes doch deutlich eingeschränkt. Trotzdem hat die grün geführte Landesregierung im Klimaschutzgesetz 2020 wichtige Punkte verankert - wie eine Pflicht für Photovoltaik auf größeren Gebäuden und eine nachhaltige Wärmeplanung für größere Kommunen. Ich weiß, dass dies nicht ausreicht, um die Klimaziele von Paris zu erreichen. Wir brauchen eine Energiewende nicht nur bei Strom und Wärme, sondern auch in der Landwirtschaft und im Verkehr. Mit dem durch Ministerpräsident Kretschmann in das Klimaschutzpaket des Bundes von 2019 hineinverhandelten CO2-Preis auf Öl, Gas und Kohle ist ein erster Schritt gemacht, die fossilen Treibstoffe zu verteuern und eine Lenkungswirkung zu mehr Nachhaltigkeit zu erzielen.

Schiene oder Straße: Für welche Verkehrspolitik setzen Sie sich ein?

Haaf: Die Treibhausgasemissionen haben im Verkehr nicht ab-, sondern sogar zugenommen. Unsere Mobilität müssen wir neu organisieren, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Wir Grüne wollen das Angebot im öffentlichen Verkehr verdoppeln und erreichen, dass jeder dritte Weg zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt wird. Mit modernen Apps sollen Reiseketten mit verschiedenen Verkehrsmitteln organisiert und abgerechnet werden. Mit unserer Mobilitätsgarantie stellen wir sicher, dass man bei uns auch ohne eigenes Auto mobil sein kann. Güterverkehr wollen wir vom Lkw auf die Bahn verlagern. Im Flächenlandkreis Main-Tauber wird es auch zukünftig motorisierten Individualverkehr geben. Er soll mit Elektrofahrzeugen abgewickelt werden.

Wo sehen Sie Entwicklungsbedarf in Ihrem Wahlkreis?

Haaf: Corona stellt für den Tourismus in Deutschland auch eine Chance dar. Den Trend zu nachhaltigen Reisen im eigenen Land können wir im Main-Tauber-Kreis nutzen. Wir haben eine fast zentrale Lage, sind als Landkreis gut zu erreichen und mit unserer abwechslungsreichen Landschaft prädestiniert für Naherholung. Als Landkreis der Weltmarktführer sollten wir aber auch darauf achten, jungen Start-ups der Dienstleistungsbranche Entfaltungsmöglichkeiten zu geben. Wir haben eine gute Infrastruktur und sind durch unsere günstigen Mietpreise attraktiv für junge Leute. Wir bieten geringe Lebenshaltungskosten und gute Wohnqualität, gute Bildungseinrichtungen und freundliche Menschen mit gutem sozialen Zusammenhalt.

Steckbrief:

Name: Dr. Leonhard Haaf
Alter: 68
Beruf: Kinder- und Jugendarzt i. R.
Familienstand/Kinder: verheiratet, zwei Kinder, drei Enkel
Wohnort: Tauberbischofsheim
Lieblingsplatz im Wahlkreis: Sonnenplatz in Tauberbischofsheim - dort gibt es drei Möglichkeiten für einen Espresso to go.
Quelle: Haaf
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