Weikersheim

Heimat für bedrohte Arten: Pflanzen und Tiere im Schlossgarten

Die historischen Gartenanlagen von Schloss Weikersheim stellen zum Teil seit Jahrhunderten gewachsene stabile Lebensräume für Pflanzen und Tiere dar – und bieten so eine geschützte Heimat für bedrohte Arten.
Foto: Barbara Erbsen-Haim | Die historischen Gartenanlagen von Schloss Weikersheim stellen zum Teil seit Jahrhunderten gewachsene stabile Lebensräume für Pflanzen und Tiere dar – und bieten so eine geschützte Heimat für bedrohte Arten.

Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg setzen sich in den 62 Monumenten für die Artenvielfalt ein: Die historischen Gartenanlagen stellen zum Teil seit Jahrhunderten gewachsene stabile Lebensräume für Pflanzen und Tiere dar – und bieten so eine geschützte Heimat für bedrohte Arten. Auch der Schlossgarten Weikersheim sei ein solcher Rückzugsort. Zum Welttag des Artenschutzes am 3. März erinnern die Staatlichen Schlösser und Gärten in einem Presseschreiben daran, wie bedeutend der Erhalt der Artenvielfalt ist.

Mit dem "World Wildlife Day", dem Tag des Artenschutzes, weisen die Vereinten Nationen auf die Bedeutung und den Schutz bedrohter wildlebender Tiere und Pflanzen hin. Dabei richte sich der Blick der Weltorganisation vor allem auf die Gefährdung durch Handelsinteressen. Jeden Tag sterben nach Angaben der Vereinten Nationen rund 150 Arten aus. Der Aktions- und Gedenktag findet seit 1973 jedes Jahr zu einem festgelegten Thema statt. In diesem Jahr lautet es "Wälder und Lebensunterhalt: Menschen und Erde unterstützen". Wegen der Corona-Pandemie finden 2021 weltweit alle Veranstaltungen digital statt.

Die historischen Gartenanlagen von Schloss Weikersheim stellen zum Teil seit Jahrhunderten gewachsene stabile Lebensräume für Pflanzen und Tiere dar – und bieten so eine geschützte Heimat für bedrohte Arten.
Foto: Sonja Wünsch | Die historischen Gartenanlagen von Schloss Weikersheim stellen zum Teil seit Jahrhunderten gewachsene stabile Lebensräume für Pflanzen und Tiere dar – und bieten so eine geschützte Heimat für bedrohte Arten.

Biodiversität sei für die Staatlichen Schlösser und Gärten mehr als ein Schlagwort: Ob Fledermäuse in Schloss Heidelberg oder Bienenweide und Weiher-Biotop im Schlossgarten Favorite Rastatt - in den historischen Monumenten Baden-Württembergs habe sich eine unverwechselbare Artenvielfalt entwickelt. Tiere wie Feuersalamander, Bergmolche und Fledermäuse werden aktiv geschützt, damit die Populationen bestehen und wachsen können. Den Spaziergängern in den historischen Gärten fallen viele Tiere auf, die hier leben – etwa Igel, Bienen, Eichhörnchen, Maulwürfe oder Falken. Aber von fast noch größerer Bedeutung seien die weniger sichtbaren Insekten, für die ein Garten wie der von Schloss Weikersheim ein wichtiger Rückzugsraum ist. "Unsere historischen Gartenanlagen sind längst geschützte Inseln inmitten der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung und der expandierenden Siedlungen", erklärt Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg im Presseschreiben.

Der Barockgarten als Lebensraum

In der barocken Gartenanlage von Schloss Weikersheim sind neben Igeln auch Eichhörnchen, Enten, ein Turmfalke und eine ganze Maulwurf-Population zuhause. Dem Team der Schlossverwaltung verschaffen die Tiere des Gartens gelegentlich unerwartete Aufgaben. Als vor einigen Jahren Hochwasser die Erdbewohner bedrohte, reagierte eine Mitarbeiterin von Schloss Weikersheim schnell und rettete alle vom Wasser eingeschlossenen Maulwürfe auf trockenes Gelände. Aber auch besonders rare Gäste tauchen hier auf: etwa ein Eisvogel, der ausschließlich in intakten Naturlandschaften lebt.

Auch besonders rare Gäste tauchen im Weikersheimer Schlossgarten auf: etwa ein Eisvogel, der ausschließlich in intakten Naturlandschaften lebt.
Foto: Sandra Martin | Auch besonders rare Gäste tauchen im Weikersheimer Schlossgarten auf: etwa ein Eisvogel, der ausschließlich in intakten Naturlandschaften lebt.

Eine weitere seltene Tierart ist die Holzbiene: In Deutschland ist die Bienenart, die ihre Nistgänge in Holz anlegt, nur selten anzutreffen. Ab Juni, wenn der Muskatellersalbei blüht, brummt die Holzbiene gerne im Schlossgarten Weikersheim umher oder schwirrt mit den Hummeln um die Artischockenblüten herum. Als wichtiges Glied im Ökosystem gehen Bienen eine lebenserhaltende Symbiose für Mensch und Umwelt ein. Daher unterstützt die Schlossverwaltung Weikersheim auch das Projekt "Landesgold" der Staatlichen Schlösser und Gärten: Sie arbeitet mit Imkerinnen und Imkern zusammen, die sich um die Pflege der Bienenvölker im Schlossgarten kümmern und den Honig liefern. 

Gefahr im Klimawandel

Für das Überleben vieler Arten sei der Klimawandel eines der größten Probleme: Von den etwa 72 000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten Deutschlands sind ungefähr die Hälfte auf der Roten Liste des Bundesamtes für Naturschutz als bestandsgefährdet unter besonderer Beobachtung. Das zeige sich zunehmend auch in den historischen Gärten Baden-Württembergs: In den weitläufigen Anlagen gefährde vor allem die zunehmende Trockenheit und Wärme die zum Teil 200 bis 300 Jahre alten Solitäre und Baumgruppen – der Lebensraum für Insekten, Kleintiere und Pilze. "Inzwischen konnten wir mit den ersten Maßnahmen beginnen, um die Gärten für kommende Generationen erhalten", erläutert Geschäftsführer Michael Hörrmann.

Wie sich der Klimawandel konkret auf den Pflanzenbestand in den historischen Gärten auswirkt, untersuchen die Staatlichen Schlösser und Gärten seit November 2020 in den Schlossgärten in Weikersheim, Schwetzingen und Rastatt-Förch. Trockenheit und Wärme setzen heimische Baumarten wie Rotbuche und Eiche unter deutlichen Stress: Schüttere Baumkronen und tote Äste sind die Anzeichen, zunehmend sterben ganze Bäume ab. Das Projekt, das die Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg mit Mitteln aus nicht abgeholten Gewinnen der Glücksspirale fördert, soll die Grundlagen liefern für die denkmalgerechte Erhaltung der historischen Gärten in ihrem überlieferten Erscheinungsbild, wie es abschließend heißt.

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