Grünsfeld

In Grünsfeld verbinden sich alte und neue Bausubstanz

Beim Tag der Architektur gab es einen Rundgang durch die Stadt zu ausgesuchten Objekten. Viele konnten erhalten werden, anstatt der Abrissbirne zum Opfer zu fallen.
Ein gelungenes Beispiel für die Verbindung von alter und neuer Bausubstanz ist die Steinmetz- und Bildhauerwerkstatt.
Foto: Matthias Ernst | Ein gelungenes Beispiel für die Verbindung von alter und neuer Bausubstanz ist die Steinmetz- und Bildhauerwerkstatt.

Erstmals fand der Tag der Architektur in der Stadt Grünsfeld statt. Bürger und Fachleute konnten an diesem Tag zehn ausgesuchte Objekte besichtigen, welche die ganze Breite der Architektur zu bieten haben. Hauptsächlich ging es um die Verbindung von alter und neuer Bausubstanz oder wie es die Kreisvorsitzende der Architektenkammer Christine Jouaux formulierte: "Räume prägen für alle Generationen".

Den Anfang machte eine theoretische Einführung im Rienecksaal. Jouaux stellte die Hintergründe für den Tag der Architektur kurz vor und freute sich, dass trotz der hohen Temperaturen viele Bürger an dem Gang durch die Stadt teilnehmen wollten. Bürgermeister Joachim Markert oblag es, die Stadt vorzustellen, die im kommenden Jahr auf eine 750-jährige Ernennung zur Stadt zurückblicken kann. Wie aus dem "Klein-Rothenburg" des Mittelalters eine moderne und trotzdem den Traditionen verhaftete Stadt geworden ist, zeigte sein Gang durch die Geschichte.

Hochfester Muschelkalk stammt aus Grünsfeld

Die ist untrennbar mit verschiedenen Gebäuden in der Stadt verbunden, eben mit dem alten Schloss mit dem jetzigen Rienecksaal, aber auch dem Rathaus, dessen Untergeschoss aus dem späten 14. Jahrhundert stammt. Grünsfeld war früher eine sehr reiche Gemeinde, so Markert, denn man hatte ein wertvolles Baumaterial, den hochfesten Muschelkalk. Bei vielen Prachtbauten wird er noch heute eingesetzt, aber auch das Ulmer Münster oder der Reichstag in Berlin sind mit Steinen aus Grünsfeld gebaut.

Alt und neu kombiniert, wie hier beim Wohnhaus von Architekt Salvatore Boccagno im Schwibbogen, spart Ressourcen und ist nachhaltig.
Foto: Matthias Ernst | Alt und neu kombiniert, wie hier beim Wohnhaus von Architekt Salvatore Boccagno im Schwibbogen, spart Ressourcen und ist nachhaltig.

Über die innerstädtische Bauentwicklung berichtete der pensionierte Hauptamtsleiter Heinz Ulzhöfer. Er hatte zusammen mit Altbürgermeister Alfred Beetz den Fördertopf der Städtebauförderung aufgegriffen. Als viele kleinere Kommunen noch nicht einmal wussten, dass dieses Programm existiert, bezog Grünsfeld schon erste Fördergelder. Das war vor 30 Jahren und noch immer fließen die Mittel. "Die Stadtsanierung ist das beste Programm, das sich die Politik hat einfallen lassen", resümierte Ulzhöfer.

Dank der Zuschüsse aus Stuttgart seien in den letzten 30 Jahren über 70 Wohnungen und Häuser erhalten worden, die sonst der Abrissbirne zum Opfer gefallen wären. Alfred Beetz, selbst Architekt, appellierte an seine jungen Standesgenossen, mehr in Richtung Nachhaltigkeit und Erhaltung von Bausubstanz zu denken, als immer neue Neubaugebiete zu bebauen.

Aus einer Weberei wurde ein Pflegeheim

Mehrere gelungene Beispiele von Erhaltung konnten im Rahmen des Rundgangs erkundet werden. So liegt gleich neben dem alten Schloss eine museale Steinmetz- und Bildhauerwerkstatt. Hier fließen alte und neue Architektur ineinander, als wenn sie schon immer zusammen gehört hätten. Ähnlich liegt es beim Gebäudeensemble am Schwibbogen. Hier standen früher nur kleine Bauernhäuser, aber dank des Einsatzes der jetzigen Bewohner sind es echte Schmuckstücke geworden.

Neben zwei Wohnhäusern eines Architekten und eines Brückenbauers wurden auch eine Kindertagesstätte gebaut, und aus der alten Meinhardscheune wurde ein evangelischer Andachtsraum. Wie eine sinnvolle Nachnutzung einer Industriebrache aussieht, konnten die Teilnehmer am Beispiel des Seniorenzentrums an der Leuchtenbergstraße erkennen. Früher stand hier eine alte Weberei, nun ist dort ein Pflegeheim entstanden, das wegen des großen Erfolgs wahrscheinlich auf der gegenüberliegenden Seite eine Fortsetzung finden könnte. Natürlich durfte auch das Schulareal nicht fehlen.

Das Schulhaus I wurde in den letzten Monaten renoviert und soll im kommenden Schuljahr vor allem von den älteren Schülern genutzt werden. Hier im 'Lernatelier' werden in Zukunft die Computerarbeitsplätze, eine Schülerbibliothek und viel Freiraum für die Schüler entstehen.
Foto: Matthias Ernst | Das Schulhaus I wurde in den letzten Monaten renoviert und soll im kommenden Schuljahr vor allem von den älteren Schülern genutzt werden.

Auf der derzeit größten Baustelle in der Stadt werden in Zukunft Grundschule und Kindergarten gemeinsam als "Kindercampus" zusammen existieren. Die sich daraus ergebenden Synergien seien sehr zukunftsgerichtet, so Bürgermeister Markert, der den organisierenden Architekten Christine Jouaux und Albert Kastner dankte für die abwechslungsreiche Gestaltung des Tags der Architektur in Grünsfeld.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Tauber und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Grünsfeld
Matthias Ernst
Architekten und Baumeister
Baustoffe
Evangelische Kirche
Gebäude
Häuser
Stadtsanierung
Städte
Städtebauförderung
Ulmer Münster
Weberei
Wohnungen und Häuser
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!