Wertheim

Museen im Zeichen von Corona

Vorsichtig optimistisch geht der Musumsverbund an Main und Tauber mit seinen Repräsentanten bei der Herbsttagung im Grafschaftsmuseum Wertheim in die Wintersaison und ins neue Jahr.
Foto: Matthias Ernst | Vorsichtig optimistisch geht der Musumsverbund an Main und Tauber mit seinen Repräsentanten bei der Herbsttagung im Grafschaftsmuseum Wertheim in die Wintersaison und ins neue Jahr.

Zu ihrer Herbsttagung trafen sich die Verantwortlichen der Museen an Main und Tauber im Grafschaftsmuseum in Wertheim. Dabei gab es nur ein beherrschendes Thema, die Corona-Pandemie. Sie hatte den Museen das Frühjahr und den Sommer komplett verhagelt.

"Wir hatten die Ausstellung ‚Interieur‘ gerade einen Tag geöffnet, da mussten wir schon wieder schließen", fasste Jörg Paczkowski, Kurator des Schlösschens im Hofgarten, die Situation zusammen. Doch so langsam erholt man sich von den Schließungen und blickt etwas optimistisch in die Zukunft. "Durch Corona hat sich viel verändert", stellte auch Stefanie Arz vom Grafschaftsmuseum in Wertheim fest. Die ganzen Sonderausstellungen sind bis jetzt ausgefallen oder wurden nur in "homöopathischen Dosen" (Paczkowski) von Besuchern bestaunt.

Doch langsam kehrt Leben in die dreizehn Häuser zurück. Fast alle Leiter berichten von zunehmenden Besucherzahlen. Man habe sich teilweise auf die Situation eingestellt und biete mehr digitale Programmpunkte an, so beispielsweise im Spessartmuseum in Lohr, wo Barbara Grimm von einem vor zehn Monaten eröffneten museumspädagogischen Raum sprach, der mittlerweile auch für handfestes Begreifen von Gegenständen und ihrer Bedeutung genutzt wird. Führungen will man aber erst wieder anbieten, wenn es Klarheit über die Corona-Regeln im Winter gibt. 

Das Residenzschloss in Bad Mergentheim und das Schloss Weikersheim sind beide in Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG) in Stuttgart. Das hilft natürlich bei der Abfederung von Einnahmeausfällen. Aber die Museumsleiterin Maike Trentin-Meyer hatte auch von kleinen Erfolgen zu berichten. So wird die vom Publikum gelobte Sonderausstellung "Rom lebt! Mit dem Handy in die Römerzeit" wegen des großen Erfolges noch bis in den Februar 2021 verlängert.

Für den Herbst plant man zudem eine weitere große Sonderausstellung. "Mit dem Herzen sieht man besser" stellt Werke des Fotografen Roland Bauer vor, der in den vergangenen 50 Jahren viele Aufnahmen von seiner Wahlheimat Hohenlohe gemacht hat. Bauer war auch einer von nur fünf akkreditierten Fotografen die die Verhüllung des Reichstages durch den Künstler Christo begleiten durfte.

Skulpturen von Künstlern aus Simbabwe

Ein besonderer Höhepunkt, so verspricht es Trentin-Meyer, ist der Skulpturenpark im Schlossgarten des Deutschordensschlosses, das seit der Zugehörigkeit zum SSG Residenzschloss genannt wird. Hier werden ab Mai Skulpturen von Künstlern aus Simbabwe gezeigt, die ein besonders stimmungsvollen Kontrast zum streng englischen Graten des Schlosses bilden. Ab Mitte März gibt es zudem eine Sonderausstellung über die "Väter von Micky und Donald", die Herren Gottfredson, Taliferro und Bakrs. Alle Veranstaltungen werden natürlich unter dem Gesichtspunkt des Hygienekonzeptes der Häuser veranstaltet.

So ist es in Weikersheim derzeit möglich, den barocken Schlossgarten mit einer Führung bis zu 15 Personen zu besichtigen. Dazu kommen ab dem kommenden Jahr weitere Mottoführungen, teilweise mit Verkleidung, die auf besondere Aspekte des Schlosses im Inneren hinweisen.

Während man in den großen Häusern schon wieder eifrig plant und fast zu Alltag übergegangen ist, haben es die kleineren Museen etwas schwerer. Das Museum Prassek-Scheune in Kreuzwertheim leidet derzeit darunter, dass das Burgbähnle zwar auf die Burg Wertheim fährt, aber den Schlag über den Main nach Kreuzwertheim nicht schafft. Trotzdem will man mit neuem Elan ab April in das vielfältige Programm einsteigen, so Gisela Hyn.

Nagelbaum vor dem Hammer-Museum

Man will zusätzliche Anreize schaffen, damit vor allem Wanderer und Radfahrer den Weg von Wertheim nach Kreuzwertheim finden. So wird es im zwölften Jahr des Bestehens wieder eine Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern und Künstlern geben. Vorstellbar, so Hyn, sei eine "Quätschichlachtwerche" oder der Verkauf von lokalen Produkten in der Pfarrgasse 9.

Mit Neuigkeiten kann auch das Hammer-Museum in Hasloch aufwarten. Man hat kürzlich einen "Nagelbaum" aufgestellt, in Erinnerung an die lange Tradition der durchreisenden Schmiede, die sich ähnlich wie die Votivgaben in Kirchen mit einem handgeschmiedeten Nagel in einem speziellen Baum verewigten und so Schutz vor Krankheiten oder als dank für Heilung symbolisierten, berichtete Chief Marketing Officer Marcus Loistl.

Die alte Hammerschmiede sei immer einen Besuch wert, zumal man viele Aktivitäten auch an der frischen Luft durchführen kann. Corona zum Opfer fiel auch der "Iron Smelting Day", für den sich gut 15 Teams angemeldet hatten , die individuell schmieden wollten. Das Ereignis wird allerdings im Herbst 2021 nachgeholt, versprach Loistl.

Weihnachtsmarkt in abgespeckter Version

Mitten in den Planungen für Herbst, Winter und Frühjahr 2020/21 ist man in Miltenberg. Obwohl in diesem Jahr der Weihnachtsmarkt wahrscheinlich nur in abgespeckter Version stattfinden wird, plant man eine Weihnachtsausstellung. Zudem wird es im kommenden Jahr anlässlich der erstmalig offiziellen Besiedelung Deutschlands mit Juden vor 1300 Jahren eine Ausstellung über jüdische Ritualbäder auf der Burg Miltenberg geben.

Im Glasmuseum Wertheim muss in diesem Jahr das beliebte Weihnachtskugelblasen ausfallen, wegen Corona. Trotzdem hat das Team einen umfangreichen Veranstaltungskalender aufgestellt, der großen Anklang findet. Trotz der eingeschränkten Öffnungszeiten kommen viele Besucher und erfreuen sich beispielsweise an der neuen "Tränenbibliothek". Hier werden kleine Gefäße vom Glasbläser luftdicht verschlossen, die Tränen der Einsender beinhalten. Dieser alte Brauch soll die Sorgen und Nöte der Menschen lindern.

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