GROSSRINDERFELD

Nahwärme nichts für den Altort

Der Schönfelder Altort: Wenig Interesse haben die Einwohner am einem Programm zur energetischen Stadtsanierung.
Foto: Franz Nickel | Der Schönfelder Altort: Wenig Interesse haben die Einwohner am einem Programm zur energetischen Stadtsanierung.

Würden die Bewohner des Schönfelder Altortes ihr Haus an ein Nahwärmesystem anschließen oder nicht? Diese Frage stand im Mittelpunkt der jüngsten Gemeinderatssitzung in Großrinderfeld. Rund eine Stunde lang ließ sich der Gemeinderat über die Ergebnisse der Untersuchungen zur „Energetischen Stadtsanierung - Integriertes Quartierskonzept“ im Altort des Ortsteils Schönfeld informieren.

Doch das Interesse am Thema hielt sich in Grenzen. Schon an der Fragebogenaktion hatten sich nur 40 der 98 Eigentümer beteiligt und die Meldebögen zurückgeschickt. Bei der Sitzung des Kommunalparlaments verloren sich acht Zuhörer auf den Besucherplätzen.

„Unter den gegebenen Umständen ist so ein Quartierskonzept finanziell nicht unbedingt zu empfehlen“, lautete denn auch ein Fazit des Diplom-Ingenieurs Helmut Böhnisch von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA).

Anhand eines detaillierten Beispiels rechnete er vor, dass sich de Nahwärme nicht für jeden auszahlen würde. Der Anschluss eines bisher gut beheizten Einfamilienhauses im Altort von Schönfeld an die Nahwärmeversorgung böte keine finanziellen Vorteile – anders sieht es bei einem aktuell wenig beheizten Gebäude aus, das beispielsweise nur von einer Person bewohnt wird. „Die Wirtschaftlichkeitsanalyse zeigt eine gespaltene Situation“, erklärte er.

Aufhorchen ließ die Gemeinderäte eine weitere Zahl: „Die Erfahrung zeigt, dass man bei einem Nahwärmekonzept im ländlichen Raum mit einem Anschlussgrad von 30 Prozent auf keinen grünen Zweig kommt“, so Böhnisch. Die Umfrage unter den Bewohnern des Schönfelder Altorts hatte 32,6 Prozent ergeben.

Weil diese Interessierten aber im gesamten Altort verteilt wohnen, müsste das Nahwärmenetz den gesamten Bereich erschließen: die Hauptleitungen wären demnach 1,9 Kilometer lang. Die zentrale Nahwärmequelle könnte an der Kreuzung Kleinrinderfelder Straße und Wiesengässlein gebaut werden. Böhnisch bezifferte die Investitionskosten für ein Holzheizwerk mit Hackschnitzelkessel mit 500 Kilowatt (kW) Leistung bei einem Anschlussgrad von 25 Prozent der Bürger auf etwa 1,5 Millionen Euro; dafür gibt es circa 300 000 Euro Förderung. Bei einem Anschlussgrad ab 50 Prozent beträgt der finanzielle Aufwand rund 1,7 Millionen Euro, an Zuschüssen würden etwa 362 000 Euro fließen.

Diplom-Architektin und Projektleiterin Leonie Keil von der Stadtentwicklung GmbH (STEG) wies darauf hin, dass 44 Prozent der Heizungen über 25 Jahre alt sind. „Da tickt die Uhr“, warnte sie vor bald bevorstehenden Erneuerungsmaßnahmen.

Die Situationsanalyse berücksichtigte zudem, dass der Altort zwischen 2002 und 2012 einen Bevölkerungsrückgang von 21 Prozent verzeichnete. „Das ist viel“, sagte Keil. Als Problem bezeichnete sie die Altersstruktur: Bereits jetzt gebe es mehr über 65-Jährige als unter 18-Jährige. In nur zehn Jahren nahm die Zahl der Kinder und Jugendlichen um 50 Prozent ab. Aktuell stehen zwölf Prozent der Gebäude leer.

Nahwärme für den Schönfelder Altort

Im Untersuchungsgebiet befinden sich insgesamt 105 Gebäude, davon sind 98 Wohngebäude mit 221 Wohneinheiten. In der Studie ging man von 249 Einwohnern aus (Stand 2012). Die Wohnfläche pro Person beträgt durchschnittlich 88,4 Quadratmeter. Weil in vielen Wohnungen nur eine Person lebt, liegt eine „sehr stark ausgeprägte Teilbeheizung“ vor; das bedeutet, dass nicht die gesamte Wohnfläche beheizt wird.

Von den 98 Wohnhäusern wurden 36 vor 1918 errichtet, elf zwischen 1919 und 1949 und der Rest danach. 27 Prozent der Gebäude werden mit Stück- oder Scheitholz beheizt, 23 Prozent mit Strom (Nachtspeicheröfen) und 21 Prozent mit Heizöl. Es gibt keine Erdgasversorgung.

Diplom-Ingenieurs Helmut Böhnisch von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), bezifferte die Investitionskosten für ein Holzheizwerk mit Hackschnitzelkessel mit 500 Kilowatt (kW) Leistung bei einem Anschlussgrad von 25 Prozent der Bürger auf etwa 1,5 Millionen Euro; dafür gibt es circa 300 000 Euro Förderung. Bei einem Anschlussgrad ab 50 Prozent beträgt der finanzielle Aufwand rund 1,7 Millionen Euro, an Zuschüssen würden etwa 362 000 Euro fließen.

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