Gamburg

Schöne Bescherung! Was ein ADAC-Helfer an Heiligabend alles erlebte

Vergessene Ehefrauen, verletzte Greifvögel, unerreichbare Geschenke und dankbare Kinder: Was ein Pannenhelfer vom ADAC in 32 Jahren an Weihnachten schon alles erlebt hat.
Martin Preiwisch, ein langjähriger ADAC-Mitarbeiter, erzählt, was er im Laufe seines Berufslebens im Winterchaos und Weihnachtsstau schon Skurriles erlebt hat.
Foto: Christoph Weiß | Martin Preiwisch, ein langjähriger ADAC-Mitarbeiter, erzählt, was er im Laufe seines Berufslebens im Winterchaos und Weihnachtsstau schon Skurriles erlebt hat.

Wenn es für andere besinnlich wird, geht für ihn die Arbeit erst richtig los. Heiligabend, den die meisten im Kreis ihrer Familie feiern, verbringt er auf der Straße. Im Schneetreiben, im Stau auf der Autobahn oder auf einsamen Landstraßen. Irgendwo zwischen Würzburg, Spessart, Odenwald und Neustadt an der Aisch. Und das seit 32 Jahren.

Martin Preiwisch ist Pannenhelfer beim ADAC. Reifenpannen, Elektrikprobleme und leere Batterien gehören für ihn zum Alltag. Aber auch, Menschen zu beruhigen, zu trösten oder sich ihren Frust anzuhören. "Wenn wir in Gelb herumlaufen, sind wir Ansprechpartner für alle Dinge, die schönen wie die schlechten", sagt Preiwisch. Ein Kollege von ihm musste sich im Stau sogar schon als Geburtshelfer betätigen. "Weil er zufällig nebendran ein Auto reparierte. Solche Dinge passieren."

Geschenke waren im Auto eingeschlossen

Der 57-Jährige aus Gamburg im Taubertal hat schon viele Menschen kennengelernt. Und viel Skurriles erlebt - gerade an den Feiertagen. Bei einer Erinnerung wird es ihm heute noch warm ums Herz: An Heiligabend war das. Eine Mutter und ihre fünfjährige Tochter wollten die Großeltern in Würzburg besuchen. Es war abends, kurz vor halb sieben. Und schon dunkel. Die Oma bereitete das Weihnachtsessen vor. Die Mutter wollte der Tochter nur noch schnell ihren Teddy aus dem Kofferraum holen.

Für Sekunden legte sie den Autoschlüssel ab, gab der Tochter das Kuscheltier. Zack! Der Kofferraumdeckel war wieder zu. Doch der Schlüssel lag noch drin. Ebenso die schön verpackten Geschenke für die Bescherung. Mutter und Tochter standen vor dem verschlossenen Wagen. Sollte die Bescherung dieses Jahr etwa ausfallen?

"Für uns ist so eine Situation Alltag. Für die Leute ist jede Panne eine Ausnahmesituation."
Martin Preiwisch, Pannenhelfer beim ADAC

Als der ADAC-Mitarbeiter eintraf, war die Stimmung gedrückt. Die Fünfjährige weinte. Die Frau wirkte angespannt. Als Preiwisch es auf Anhieb nicht schaffte, das Auto zu öffnen, flossen auch bei der Mutter die Tränen. "Für uns ist so eine Situation Alltag. Für die Leute ist jede Panne eine Ausnahmesituation", sagt der Pannenhelfer. "Da habe ich das Kind gebeten, mir ein Weihnachtsbild zu malen."

Mutter und Tochter gingen ins Haus. Der Opa blieb gelassen. Er leuchtete mit der Taschenlampe, damit Preiwisch im Dunkeln arbeiten konnte. Endlich: Der Kofferraum war offen, die Erleichterung der Familie groß. Dankbar umklammerte die Fünfjährige seine Beine. Gerührt hob er das Mädchen hoch - und wurde umarmt. "Alle waren glücklich." Stolz zeigt Preiwisch das Bild, das das Mädchen ihm gemalt hatte: Zu sehen ist kein Weihnachtsmotiv, sondern ein ADAC-Auto. 

Aus Dankbarkeit, weil der Pannenhelfer die Bescherung rettete, malte ein fünfjähriges Mädchen Martin Preiwisch ein Bild mit einem ADAC-Auto.
Foto: Archiv: Martin Preiwisch | Aus Dankbarkeit, weil der Pannenhelfer die Bescherung rettete, malte ein fünfjähriges Mädchen Martin Preiwisch ein Bild mit einem ADAC-Auto.

Vor 20 Jahren war der Pannenhelfer noch im Stuttgarter Raum unterwegs. Er erinnert sich, wie er damals am ersten Weihnachtsfeiertag einen älteren Herrn mit Rucksack auf dem Standstreifen der Autobahn bei Weinsberg wandern sah. Preiwisch fragte, ob er ihm helfen könne. Der Mann verneinte und sagte, er sei auf dem Weg ins 50 Kilometer entfernte Stuttgart. Preiwisch überlegte nicht lange, bat den Mann einzusteigen und setzte ihn an der nächsten Bushaltestelle ab. "Die Geschichte war für mich erledigt."

Doch eine Stunde später sah er den Mann wieder auf der Autobahn wandern. "Dieses Mal weigerte er sich, bei mir einzusteigen." Da rief Preiwisch die Polizei. "Ich sagte ihm, sein Taxi komme gleich." 

Ehefrau an Weihnachten auf der Autobahn vergessen

Ein anderes Mal, auch kurz vor Weihnachten, hatte ein älteres Ehepaar auf der Autobahn eine Panne. Als der Wagen repariert und der Pannenbericht geschrieben war, wechselte Preiwisch mit der Frau ein paar Worte. Weil es regnete, setzte sie sich zu ihm auf den Beifahrersitz des Pannenfahrzeugs. Plötzlich startete der Ehemann nebendran das flott gemachte Auto und fuhr los. Die Frau geriet in Panik. "Ich versuchte, Lichthupe zu geben und hupte", erzählt Preiwisch.

Doch es half nichts. Der Mann gab Gas und fuhr auf die Autobahn. Er habe sein Pannenfahrzeug gestartet und die Verfolgung des Ehemannes aufgenommen, sagt der Mann vom ADAC. "Doch er war so schnell, dass ich ihn nicht einholen konnte." Kurz darauf merkte der Mann, dass seine Frau nicht bei ihm im Auto saß und fuhr an der nächsten Ausfahrt raus. "Es war ihm peinlich. Doch er war wohl so begeistert gewesen, dass sein Auto wieder ging, dass er seine eigene Frau vergessen hat!"

Verletzter Bussard im ADAC-Auto

Martin Preiwisch könnte noch viel erzählen. Etwa, wie er einen Bussard mit einer gebrochenen Schwinge zu einem Falkner brachte, so dass dieser ihn ein halbes Jahr lang aufpäppeln und wieder in die Freiheit entlassen konnte. Oder wie ihm vereinsamte Menschen ihre Lebensgeschichte erzählten. "Manchmal muss man sich Zeit nehmen und ein Stück weit zuhören." Oder wie ein Mann so dankbar war, weil der ADAC seine kranke Frau aus dem Ausland hatte nach Hause fliegen lassen, dass er Martin Preiwisch spontan ein Sixpack Bier auf der Straße überreichte. "Dabei konnte ich gar nichts dafür."

Solche Erlebnisse entschädigen den Pannenhelfer seit 32 Jahren, etwa, wenn er wieder einmal am Ende seiner Schicht 150 Kilometer von daheim entfernt ist. Auch an Heiligabend.

Tipps: Was Reisende immer dabei haben sollten
In der Winterzeit sollte jeder bei längeren Fahrten im Auto mindestens eine warme Decke, Heiß- und Kaltgetränke, etwas zu essen, einen Besen, um die Scheibe sauber zu machen, einen Klappspaten, falls man eingeschneit wird, genügend Sprit im Tank, damit die Heizung auch während eines längeren Staus funktioniert, warme Sachen, Scheibenfrostschutz und Öl dabei haben. Vorher sollte man den Wagen in der Werkstatt winterfest machen lassen. 
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