Rothenburg

Stadtrundgang mit Gartenschau: Rothenburgs neue Seiten

Genusswandern, Gartenparadiese, Gastronomie – warum sich ein Ausflug ins Tauberstädtchen jetzt ganz besonders lohnt.
Die Häuser ducken sich unter den Türmen Rothenburgs. Bildschön ist der Panoramablick von der Engelsburg aus.
Die Häuser ducken sich unter den Türmen Rothenburgs. Bildschön ist der Panoramablick von der Engelsburg aus. Foto: Claudia Linz

Noch einmal um die Kurve, dann spitzen wie Zwergenmützen die Türme von St. Jakob und dem Rathaus hinter den wogenden Gerstenähren hervor. Wie in einem Guckkasten zeigen sich wenig später von Grün umrahmt Rödertor-, Hohenners- und Faulturm vom Hochzeitswäldchen aus. Am schönsten aber ist der Ausblick von der Engelsburg. Wie aus einer anderen Zeit thront das einzigartige Ensemble aus Türmen, Häusern, Dächern und Mauern auf der gegenüberliegenden Anhöhe.

Vom Rothenburger Hochzeitswäldchen aus zeichnen sich Rödertorturm, Hohennersturm und Faulturm am Horizont ab.
Vom Rothenburger Hochzeitswäldchen aus zeichnen sich Rödertorturm, Hohennersturm und Faulturm am Horizont ab. Foto: Claudia Linz

Malerisch, mittelalterlich, romantisch – Rothenburg kann sich mit vielen Attributen schmücken. Mit den drei Themenjahren „Pittoresk – Rothenburg als Landschaftsgarten“ von 2019 bis 2021 legt Tourismuschef Dr. Jörg Christöphler aktuell ein besonderes Augenmerk auf die Natur in und außerhalb der Stadtmauern. Ein nicht vorhersehbarer großer Wurf, da die großen Veranstaltungen aufgrund der Pandemie abgesagt wurden und sich Besucher aktuell besonders für „Corona-taugliche“ Aktivitäten im Freien interessieren.

Bildschöne Aussichten

Und derer gibt es viele: An der Tauber lassen sich verschiedene Mühlen abklappern, durch das wildromantische, im Sommer herrlich kühle Schandtaubertal erreicht man nach gut sechs Kilometern den kleinen Ort Bettenfeld mit Einkehrmöglichkeit. Wer unberührte Natur mit bildschönen Aussichten kombinieren möchte, schlägt den Weg durch das Blinktal ein. Ein schmaler, leicht ansteigender Pfad führt zunächst stetig nach oben. Vögel zwitschern in den Baumkronen. An den Stämmen rankt sich Efeu empor – ein märchenhafter Anblick.

Links plätschert der Blinkbach, dessen Fluss immer wieder von wuchtigen, bemoosten Steinen unterbrochen wird. Als hätte ein Riese ein Wehr bauen wollen, die Lust verloren und das Aufräumen vergessen. Immer wieder queren umgestürzte Bäume den Bach und man fragt sich, ob der Balanceakt zum gegenüberliegenden Ufer gelingen würde. Oben angekommen, sind in der Ferne schon einige von Rothenburgs Turmspitzen zu erspähen.

Ein paar hundert Meter weiter öffnet sich rechts eine Lichtung mit dem schönen Namen „Engelsburg“. Von der Anlage aus vorchristlicher Zeit ist heute nichts mehr übrig. Der Name, so wird vermutet, stammt vom mittelhochdeutschen Wort „engein“ ab, das so viel wie gegenüber bedeutet. Die „Burg gegenüber“ also, von deren einstigem Platz man heute einen prächtigen Panoramablick auf das „Fränkische Jerusalem“ genannte Tauberstädtchen genießt.

Apropos Genuss: Jetzt ist es an der Zeit, auf der Bank gleich neben der früheren Rothenburger Schischanze den Picknickrucksack vom Restaurant Mittermeier auszupacken und mit einem Glas Tauberhasen-Secco anzustoßen. Auf der Höhe wandert man weiter zum Bismarck-Denkmal und über eine Waldlichtung.

Hinunter zum Biergarten an der Tauber

Wer ein verschwiegenes Plätzchen für ein heimliches Tête-à-tête sucht, findet vielleicht die Bank im Dickicht auf der rechten Seite. Weiter links führt ein schmaler Waldweg in Serpentinen hinunter zur Barbarossabrücke und zum Biergarten „Unter den Linden“ an der glucksenden Tauber. Die „Kurze Steige“ ist so kurz gar nicht und macht Mühe. Oben angekommen geht es ein Stück an der Stadtmauer und am Turmweg entlang – eine prima Route für das nächste Mal.

Tafeln informieren über den Strafturm, das ehemalige Dominikanerinnenkloster und das Burgtor mit dem „Mannloch“. Wer früher nach Torschluss noch Einlass begehrte, musste sich durch einen schmalen Durchlass zwängen. Wer sich vom „Aussichtsbalkon“ Burggarten aus ausgiebig am sattgrünen Tal und den Türmen, unter denen sich die Häuser ducken, sattgesehen hat, schlendert durch die Weinberge „An der Eich“ und zur Rothenburger Riviera. Sonnenklar, dass die Reben diesen warmen Standort lieben.

Bewirtung mit Abstand

Da liegt es nahe, den Wein, der hier reift, auch gleich zu kosten und einzukehren. Damit dies bedenkenlos möglich ist, hat der Stadtrat Rothenburg beschlossen, die Flächen für die Außengastronomie großzügig zu erweitern. „Wir haben das Glück, mehrere große Plätze zu haben, die bisher für unsere Veranstaltungen genutzt wurden. Den Marktplatz, die Herrngasse, den Kapellenplatz und den Spitalhof, auf dem jetzt ein Biergarten eröffnet wurde“, freut sich Oberbürgermeister Dr. Markus Naser über den mutigen Vorstoß. „So können wir viele Besucher bewirten und gleichzeitig Abstände einhalten, die zum Teil über die Vorgaben hinausgehen.“

Die Stadtmauer ist wegen des schmalen Weges im Einbahnverkehr begehbar und verläuft von den Aufgängen am Rödertor in zwei Richtungen: einmal Richtung Süden Richtung Spitaltorbastei und einmal Richtung Norden Richtung Klingentorbastei.
Die Stadtmauer ist wegen des schmalen Weges im Einbahnverkehr begehbar und verläuft von den Aufgängen am Rödertor in zwei Richtungen: einmal Richtung Süden Richtung Spitaltorbastei und einmal Richtung Norden Richtung Klingentorbastei. Foto: Claudia Linz

Zu einer ganz besonderen Rothenburger Sehenswürdigkeit hat man sich ebenfalls etwas ausgedacht: Die Stadtmauer ist jetzt wegen des schmalen Weges im Einbahnverkehr begehbar und verläuft von den Aufgängen am Rödertor in zwei Richtungen: einmal Richtung Süden Richtung Spitaltorbastei und einmal Richtung Norden Richtung Klingentorbastei.

Blicke in Gärten und Hinterhöfe

Wer auf der Stadtmauer entlang spaziert, bekommt übrigens auch so manch interessanten Einblick in Gärten und Hinterhöfe. Was kaum jemand ahnt: Hinter den Altstadthäuschen und dicken Mauern sind so manche Gartenparadiese verborgen. Einige der Besitzer öffnen nun anlässlich der Themenjahre 2020 erstmals ihre Pforten, zum Beispiel Hilde Kistenfeger aus der Wenggasse. Hunderte von Rosen und Schwertlilien, Brandkraut und Wollziest blühen dort. Dazwischen verströmen Götterfiguren aus der griechischen Mythologie und steinerne Pinienzapfen aus der Toskana südliches Flair. Lauschige Plätze gibt es viele. Im Sommer bewirtet die gastfreundliche Hausherrin ihre Besucher am liebsten unter dem großen, Schatten spendenden Walnussbaum.

Irmgard Endlein schnuppert in ihrem Garten direkt an der Stadtmauer an ihren Ramblerrosen.
Irmgard Endlein schnuppert in ihrem Garten direkt an der Stadtmauer an ihren Ramblerrosen. Foto: Claudia Linz

Vom süßen Duft der schneeweißen Ramblerrosen über dem Eingang wird empfangen, wer das üppige Gartenreich von Irmgard Endlein im Topplerweg betritt. Es liegt direkt an der Stadtmauer, und im Teich davor lassen sich europäische Sumpfschildkröten beobachten. Zwischen 100 Jahre alten weißen Pfingstrosen blüht wilder, roter Mohn. „Diese ungewöhnliche Kombination erinnert ein wenig an ein impressionistisches Gemälde von Monet“, freut sich die 73-Jährige. Im Hochbeet baut sie Gemüse an und für jedes Kind und jeden Enkel hat sie in dem großen Garten einen Baum gepflanzt.

Insgesamt können in Rothenburg neun Privatgärten besichtigt werden. Führungen werden nach Voranmeldung individuell vereinbart. Und wer weiß: So mancher nützliche Tipp für den eigenen Garten springt dabei bestimmt auch heraus.

Wanderungen und Gartenführungen

Ob ausgedehnte Landpartie mit Picknick, Nordic Walking- und Kneipp-Runde, Wanderungen auf dem Jakobsweg, entlang der Mühlen oder in den Weinbergen – wer Lust hat auf Entdeckungen und seine Stiefel schnüren will, hat die freie Auswahl. Rund ein Dutzend Touren werden am langen Wanderwochenende vom 20. bis 23. August und während der Herbstwanderwoche vom 10. bis 18. Oktober in Rothenburg angeboten. Alle sind geführt, kostenlos und unterschiedlich lang. Um Voranmeldung zu den Touren bis spätestens einen Tag vorher wird gebeten - per E-Mail an garten@rothenburg.de 
Weitere Informationen und die offizielle Wanderkarte sind erhältlich bei Rothenburg Tourismus Service, Marktplatz 2, 91541 Rothenburg ob der Tauber, Tel. 09861/404800, info@rothenburg.de, www.rothenburg-tourismus.de.
Zu den Führungen durch die Privatgärten der Stadt ist eine Voranmeldung unter garten@rothenburg.de erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos.
 
Hilde Kistenfeger in ihrem Gartenparadies mit mediterranem Flair. Im Hintergrund ist der Faulturm zu sehen.
Hilde Kistenfeger in ihrem Gartenparadies mit mediterranem Flair. Im Hintergrund ist der Faulturm zu sehen. Foto: Claudia Linz

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