Grünsfeld

Was uns alte Hochwassermarken heute noch sagen können

In einer Kleingartenanlage an der Grünsfelder Stadtmauer wurde eine alte Tafel freigelegt, die an das Hochwasser von 1591 erinnert.
In einer Kleingartenanlage an der Grünsfelder Stadtmauer wurde eine alte Tafel freigelegt, die an das Hochwasser von 1591 erinnert. Foto: Matthias Ernst

Wer am Fluss lebt, muss mit Hochwasser rechnen und heute gibt es oft gute Lösungen zum Schutz, etwa in Wertheim, wo Main und Tauber zusammenfließen. Früher sah das anders aus. Wenn das Wasser über die Ufer trat, hatte das oft verheerende Folgen. Auch scheinbar harmlose Bäche können so viel Wasser führen, dass sie die Umgebung überfluten.

Viele Hochwassermarken in Grünsfeld zeugen heute noch davon, dass Hochwasser in früheren Jahrhunderten ein häufiges Ereignis war. Wer den Grünbach heute sieht, kann sich nicht vorstellen, dass er bei "Wiltem Wasser", wie Hochwasser in alten Quellen genannt werden, weite Teile der Stadt überflutete.

Wer den gebändigten Grünbach heute sieht, kann sich nur sehr schwer vorstellen, dass er früher häufig über die Ufer trat
Wer den gebändigten Grünbach heute sieht, kann sich nur sehr schwer vorstellen, dass er früher häufig über die Ufer trat Foto: Matthias Ernst

Rund um den Stadtbrunnen sind einige Hochwassermarken zu sehen, beispielsweise in der alten Stadtmauer, aber auch am Bürgerhaus am Stadtbrunnenweg Richtung Schwibbogen. Gleich zwei Marken sind in der Bruchsteinmauer sichtbar. Eines in ungefähr 50 Zentimetern Höhe aus dem Jahr 1998, eine weitere in etwa zwei Meter Höhe von 1911.

Nun hat ein Bürger, der nicht namentlich genannt werden möchte, eine weitere Hochwassermarke freigelegt und restauriert. Sie liegt außerhalb des Stadtbrunnens in der alten Stadtmauer in einer Kleingartenanlage. Jahrelang war sie mit Efeu überwuchert und in Vergessenheit geraten. Im Jahr 1591 war das Hochwasser so stark, dass es die ganze Mauer einstürzen ließ. Die hatte damals eine Höhe von fast sechs Metern, konnte dem Wasser aber nicht standhalten. Man baute die Mauer wieder auf, schließlich war sie ein Teil der städtischen Befestigung und sollte gegen Feinde aller Art schützen.

Mehrere Hochwassermarken findet man an den Häusern rund um den Stadtbrunnen und innerhalb der Stadtmauer in Richtung Grünbach, hier zusätzlich bereichert mit einer alten Laterne der früheren Straßenbeleuchtung
Mehrere Hochwassermarken findet man an den Häusern rund um den Stadtbrunnen und innerhalb der Stadtmauer in Richtung Grünbach, hier zusätzlich bereichert mit einer alten Laterne der früheren Straßenbeleuchtung Foto: Matthias Ernst

Das Besondere an dem Gedenkstein, der nun wieder für die Öffentlichkeit sichtbar ist, ist, dass er mit demselben Steinmetzzeichen versehen ist, den man auch am Grünsfelder Rathaus findet. Als die Tafel geschaffen wurde, war Lenhard Lesch Bürgermeister. Der tat sich auch bei den Hexenprozessen als Beteiligter hervor, lässt sich in alten Quellen nachlesen. Sein Stellvertreter war Philipp Appelt, wie man auf der Tafel erkennt.

Die Tafel war durch den Bewuchs mit Efeu stark beschädigt. Nun ist sie wieder hergestellt, die Buchstaben wurden in Originalfarben nachgefärbt. Die Tafel ist ein weiterer Beleg für die lange Geschichte der Stadt Grünsfeld, die in diesem Jahr eigentlich die erstmalige Erwähnung als Stadt vor 700 Jahren groß feiern wollte. 

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