Bad Mergentheim

Wie die Herrschaft des Deutschen Ordens in Mergentheim endete

Das Residenzschloss in Mergentheim war Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens.
Das Residenzschloss in Mergentheim war Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens. Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Vor 211 Jahren marschierten die königlich-württembergischen Truppen in Mergentheim ein und entwaffneten die noch verbliebenen Wachen des Deutschen Ordens.

Damit endete nach fast 300 Jahren eine Zeit, in der Mergentheim die Residenzstadt des Hochmeisters des Deutschen Ordens war. Insgesamt 17 Hochmeister regierten in Mergentheim als Hauptsitz des Deutschen Ordens von 1525 bis 1809. Darüber informiert eine Pressemitteilung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Im Residenzschloss versammelte sich das Generalkapitel

Hier im Residenzschloss versammelte sich das Generalkapitel, das den Orden leitete. Bereits im Dezember 1805 hatte Napoleon im Frieden von Pressburg festgelegt, dass Bayern und Württemberg zu Königreichen aufsteigen und die Besitzungen des Deutschen Ordens an Österreich fallen sollten. Deshalb kam Mergentheim nicht schon 1805 zu Württemberg.

Der amtierende Hochmeister, Anton Viktor von Österreich, Bruder des österreichischen Kaisers, hatte die für den Orden bedrohliche Situation wohl im Blick: Bereits im September 1805 hatte er wertvolle Stücke des Schlossinventars von Mergentheim nach Wien bringen lassen.

Württembergs Truppen marschieren in Mergentheim ein

Am 20. April 1809 als Folge des erneuten Krieges zwischen Österreich und dem Frankreich Napoleons marschierten die Truppen des Königs von Württemberg in Mergentheim ein. Am Morgen um 9 Uhr entwaffnete die Vorhut die aus 48 Personen bestehende Wache. Kurz danach trafen 700 Mann aus dem zweiten Bataillon des Infanterieregiments Prinz Friedrichs ein,.

Württembergs König Friedrich I. wurde berichtet, dass bei der Übernahme "nicht das geringste Hinderniß oder Unordnung stattfand".  Der württembergische "General Landes Commissaire" Eugen von Maucler ließ ausrufen, "daß im Namen Euer Königlichen Majestaet das Fürstenthum Mergentheim militärisch occupirt und in Besitz genommen worden sey".

Die Schätze waren längst nicht mehr in Mergentheim

Unmittelbar nach der Übernahme ordnete König Friedrich I. eine sofortige Sichtung des Residenzschlosses und der Kirchen Mergentheims an – und den Abtransport der brauchbaren Wertgegenstände. Allerdings waren die wichtigsten Akten, der überwiegende Teil des Schlosssilbers, die Schatzkammer des Deutschen Ordens und die 375 Einzelstücke umfassende Münzsammlung schon längst nicht mehr in Mergentheim.

Alles Wertvolle hatte der Hochmeister bereits nach Österreich bringen lassen. Stattdessen gelangten Anfang Juni 1809 das Kirchensilber und Reste des Silbers aus dem Schloss nach Ludwigsburg. Von Herbst 1809 bis Frühjahr 1810 folgte ein Teil des Mobiliars aus dem Schloss, des herrschaftlichen Jagdzeugs, der Bibliothek und einige Bestände des Ordensarchivs.

Schönbrunner Frieden beendet die Ordenszeit endgültig

Am 23. Mai 1809 war eine Verfügung Napoleons über die Aufhebung des Deutschen Ordens in den Rheinbundstaaten erschienen. Im Dekret wurde die Übertragung des Mergentheimer Gebiets sowie der Rechte, Pflichten und Einkünfte des Hochmeistertums an die Krone Württemberg festgehalten. Friedrich erließ daraufhin am 10. Juni die förmliche Zivilbesitzergreifung.

Am 13. Juni folgte die "feierliche Erbhuldigung" der Geistlichkeit und der weltlichen Dienerschaft im Schlosshof und anschließend der zusammengerufenen Stadt- und Landbewohner auf dem Marktplatz. Im Schönbrunner Friedensschluss vom Oktober 1809 musste das bezwungene Österreich der Aufhebung des Deutschen Ordens in den Rheinbundstaaten ebenso wie der Eingliederung des Mergentheimer Gebiets in das Königreich Württemberg zustimmen.

Deutschordensmuseum in den 1990er-Jahren wiedereröffnet

Mergentheim war nun endgültig kein Sitz des Deutschen Ordens mehr. Damit erlosch der höfische Glanz, den die Hoch- und Deutschmeister ins Schloss gebracht hatten. Im Äußeren Schloss kamen staatliche Behörden unter. Im Hochschloss wechselte die Nutzung: die Stadtbücherei, eine Kleiderfabrik oder eine Ballettschule sind nur einige Beispiele.

1927 zog ein Museum ins Residenzschloss, die große Altertumssammlung von Carl Joseph Adelsheim. Nach einer umfassenden Sanierung wurde es als "Deutschordensmuseum" in den 1990er-Jahren wiedereröffnet. Das Herzstück des Museums sind die restaurierten Räume der einstigen Hochmeister mit ihrem höfischen Mobiliar und ihren prächtigen Stuckdecken.

Vor 211 Jahren endete die Herrschaft des Deutschen Ordens in Mergentheim.
Vor 211 Jahren endete die Herrschaft des Deutschen Ordens in Mergentheim. Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

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