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Wie Jürgen Vossler (FDP) Wirtschaft und Mittelstand stärken möchte

Jürgen Vossler, Landtagskandidat für die FDP im Main-Tauber-Kreis.
Foto: Fotostudio Vlado | Jürgen Vossler, Landtagskandidat für die FDP im Main-Tauber-Kreis.

Zur Landtagswahl am 14. März hat die Redaktion den Kandidatinnen und Kandidaten der im Landtag vertretenen Parteien sieben Fragen gestellt. Alle erhielten die gleichen Fragen und haben schriftlich geantwortet. Die Beiträge erscheinen in loser Folge. Heute: Jürgen Vossler (FDP).

Frage: Was ist für Sie aktuell das wichtigste landespolitische Thema?

Jürgen Vossler: Abgesehen von der Bekämpfung der Corona-Pandemie möchte ich in unserem ländlich geprägten Raum das Handwerk, die Wirtschaft und den Mittelstand weiter stärken. Dafür brauchen wir den Abbau unnötiger Bürokratie, eine weitsichtige Standortpolitik und zügige Verfahren, wenn es gilt, Betriebe zu erweitern, zu verlagern oder zu modernisieren. Die Zukunft der baden-württembergischen Wirtschaft sind gut ausgebildete, leistungsfähige Fachkräfte. Ich sehe drei Wege, um für den notwendigen Fachkräftenachwuchs zu sorgen: Durch vielfältige qualifizierte Ausbildungsangebote müssen wir junge Menschen auf ihre berufliche Zukunft vorbereiten und an das Land binden. Der zweite Weg ist die Stärkung der beruflichen Weiterbildung, für die ich mich einsetzen möchte, und eine bessere Qualifizierung und Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Der dritte Weg ist es, die Zuwanderung aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland nach Baden-Württemberg zu ermöglichen und attraktiv zu gestalten.

Wie soll mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie umgegangen werden?

Vossler: Mein Vorschlag: Anstelle fälliger Steuervorauszahlungen von den Konten der Unternehmen abzubuchen, überweisen die Finanzämter eine negative Einkommens- beziehungsweise Körperschaftssteuer als Liquiditätssoforthilfe. Als Bemessungsgrundlage dient der letzte Steuerbescheid. Darüber hinaus sollte die Bundesregierung die Steuersätze für das Jahr 2019 rückwirkend senken, beispielsweise bei der Einkommensteuer.

In welchen Bereichen der Bildungspolitik besteht Handlungsbedarf?

Vossler: In den bundesweiten und weltweiten Vergleichsstudien haben die baden-württembergischen Schüler noch vor zehn Jahren innerhalb Deutschlands vorderste Plätze eingenommen. Inzwischen überholen uns andere Bundesländer. Wir streben für die nächste Legislaturperiode eine Qualitätsoffensive an, die unser Schulleistungsniveau wieder an die Spitze der Bundesländer bringen soll. Hierzu braucht es wieder eine verbindliche Grundschulempfehlung genauso wie Anreize für die kommunalen Schulträger, ihre Schulgebäude aufgabengerecht auszustatten, zu pflegen und zu modernisieren. Wir müssen aber auch den Lehrermangel an den Schulen im Land – insbesondere an den Grundschulen – bekämpfen.

Welche Schwerpunkte sollten im Bereich Digitalisierung in Baden-Württemberg gesetzt werden?

Vossler: Wir müssen dafür sorgen, dass in Baden-Württemberg flächendeckend Glasfaserverbindungen für alle Gebäude und Betriebe zur Verfügung stehen und eine schnelle Abhilfe für unterversorgte Gebiete geschaffen wird. Auch der gezielte Aufbau neuer 5G-Netze entlang von Hauptverkehrswegen und an Verkehrsknotenpunkten der Straßen- und Schieneninfrastruktur benötigen Unterstützung. Die Erfahrungen in der Zeit der Pandemie bestätigen, dass die vorhandene Digitalisierung in den Schulen noch in den Kinderschuhen steckt und verdeutlichen einen umso dringenderen Handlungsbedarf.

Welche Ansätze verfolgen Sie in der Klimapolitik des Landes?

Vossler: Der Klimaschutz ist eine Menschheitsaufgabe und endet nicht an der Landesgrenze. Ich möchte den Ausbau der erneuerbaren Energien weiterentwickeln und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass zum Beispiel die Stromversorgung auch für den Geringverdiener bezahlbar bleibt. Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz muss abgeschafft werden, damit der Sanierungsstau durch die gesetzlichen Auflagen beendet wird. Die Errichtung von Windkraftanlagen mit einem Mindestabstand von 1500 Metern zu Wohngebieten ist mir genauso wichtig wie der Ausbau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf Konversionsflächen. Ich möchte Anreize für die Weiterentwicklung der Wasserstofftechnologie setzen. Ressourcen lassen sich am besten sparen, wenn konsequent auf marktwirtschaftlichen Wettbewerb und gezielte Anreize für Innovationen gesetzt wird.

Schiene oder Straße: Für welche Verkehrspolitik setzen Sie sich ein?

Vossler: Mobilität darf, kann und soll sich nicht nur auf den Straßenverkehr beschränken – zumal ein unbegrenzter Ausbau des Straßenverkehrs nicht möglich ist. Sowohl aus ökonomischen als auch aus ökologischen Gründen können nur alle Verkehrsträger gemeinsam die Mobilitätsnachfrage einer modernen Gesellschaft befriedigen. Aus diesem Grund muss der ÖPNV weiter ausgebaut werden um Anreize für eine attraktivere Personenbeförderung zu schaffen.

Wo sehen Sie Entwicklungsbedarf in Ihrem Wahlkreis?

Vossler: Den Entwicklungsbedarf sehe ich ganz klar im Ausbau der Digitalisierung. Die digitale Infrastruktur ist als Standortfaktor von großer Bedeutung und hat direkte Auswirkungen auf produzierende Gewerbe. Auch Funklöcher im Bereich des Mobilfunks behindern Unternehmen und Privatpersonen bei der mobilen Kommunikation. Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Arbeit vom Home-Office aus ein integraler Bestandteil einer modernen Wirtschaft sein wird. Hier muss dringend nachgebessert werden.

Steckbrief

Name: Jürgen Vossler
Alter: 52 Jahre
Beruf: Selbstständiger Handwerksmeister
Familienstand/Kinder: geschieden, Lebensgefährtin, 16-jährige Tochter
Wohnort: Weikersheim
Lieblingsplatz im Wahlkreis: Bei einem Spaghetti-Eis in der Eisdiele von Bad Mergentheim
Jürgen Vossler
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