STUTTGART

Wirbel um Werbe-Plakat

Objekt des Anstoßes: OB-Kandidat Sebastian Turner hat jegliche Interessenkonflikte bei der Aufstellung des riesigen Werbeplakates im Stuttgarter Zentrum bestritten.
Foto: DPA | Objekt des Anstoßes: OB-Kandidat Sebastian Turner hat jegliche Interessenkonflikte bei der Aufstellung des riesigen Werbeplakates im Stuttgarter Zentrum bestritten.

Der Stuttgarter OB-Kandidat Sebastian Turner hat mit einem Riesen-Plakat in bester Innenstadtlage für Wirbel gesorgt. Die günstige Werbemöglichkeit ist für seine Konkurrenten ein gefundenes Fressen. Sie wittern schwarzen Filz.

Zwei Monate vor der Stuttgarter OB-Wahl ist der parteilose Stuttgarter OB-Kandidat Sebastian Turner wegen eines Wahlkampf-Plakates ins Fadenkreuz seiner Konkurrenten geraten. Die von einem Unternehmen gesponserte Werbefläche hat nach Ansicht seiner Mitbewerber ein „Geschmäckle“. Dagegen bestreitet Turner jegliche Interessenkonflikte bei der Aufstellung eines riesigen Werbeplakates im Stuttgarter Zentrum. „Weder wir noch die Schwäbische Wohnungs-AG haben gegen eine Regel verstoßen“, sagte sein Sprecher Stephan Schorn am Montag in Stuttgart. Auf dem großflächigen Plakat ist eine Brezel mit verschlungenen Händen unter dem Slogan „Miteinander. Mit Turner“ dargestellt.

Der parteilose Turner, der von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützt wird, hatte sich von Grünen, SPD und SÖS wegen des Plakats Kritik eingehandelt. Der SÖS (Stuttgart Ökologisch Sozial)- Stadtrat und OB-Kandidat Hannes Rockenbauch forderte einen Rücktritt Turners als Bewerber um den Rathaussessel.

Schorn erläuterte, der Geschäftsführer der Schwäbischen Wohnungs-AG, Tobias Fischer, habe Turner bei einem Treffen angeboten, die im August nicht belegte Werbefläche auf dem Unternehmens-Grundstück nahe dem Hauptbahnhof kostenlos bereitzustellen. Das Unternehmen erhält bei einer zweiwöchigen Nutzung in der Regel 7500 Euro. Für die Herstellung des Plakates und die Nutzung des Gerüstes habe der Verein „Bürger-OB Sebastian Turner“ dem Plakatvermieter Ilg-Außenwerbung GmbH einen vierstelligen Betrag gezahlt. Sie hat das Gerüst installiert. Das Unternehmen Ilg hat von der Stadt Stuttgart nach deren Angaben 2010 den Zuschlag erhalten, Werbeplakate auf Litfaßsäulen im öffentlichen Raum anzubringen.

Der in Medienberichten genannte Betrag von monatlich 79 000 Euro Miete sei rein „virtuell“ und werde so wegen vielfältiger Rabatte nicht erzielt, betonte Schorn. Er sagte, länger als 14 Tage werde die Werbung nicht aufgehängt bleiben.

Rockenbauch sprach von einer CDU-typischen Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik, die ein schlechtes Licht auf Turners Unabhängigkeit werfe. „Es klingt nach dem gleichen CDU-Filz, den wir seit 60 Jahren erlebt haben.“ Überdies habe Turner aufgrund seiner Beziehungen das Verbot umgangen, bis sechs Wochen vor der OB-Wahl keine Wahlkampfplakate auf öffentlichen Flächen anzubringen. Dagegen sprach der Stuttgarter CDU-Abgeordnete Stefan Kaufmann von einer „überzogenen Sommerlochdiskussion“. Der Schwäbischen Wohnungs-AG sei kein Verlust entstanden. „Die Konkurrenz ärgert sich doch nur über die sympathische Werbung an einem prominenten Platz.“ In besten Zeiten passieren die Stelle an der Heilbronner Straße täglich weit mehr als 100 000 Fahrzeuge.

Die Grünen-Stadträtin Thekla Walker, die auch im Wahlkampfteam des Grünen-OB-Kandidaten Fritz Kuhn mitarbeitet, forderte Turner auf, die Finanzierung des Plakates offenzulegen. Der Unternehmer dürfe nicht Geschäft mit Politik verwechseln. Es bestehe auch eine Verbindung zwischen der Schwäbischen Wohnungs-AG und der Stadt, denn sie sei derzeit im Gespräch mit dem Baurechtsamt über Änderungen beim Bau eines Hotels auf ihrem Gelände am Stuttgarter Hauptbahnhof. Der SPD-Kreischef Dejan Perc bescheinigte Turner mangelndes Fingerspitzengefühl. Indem er sich eine 1-a-Plakatfläche sponsern lasse, erwecke er den Anschein, er müsse sich dafür im Falle seiner Wahl erkenntlich zeigen. Für die SPD tritt die parteilose Bettina Wilhelm an.

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