WALTERSHAUSEN

1150 Jahrfeier: Waltershausen im Festjahrsmodus

An den Festtagen öffnet der Schlosspark seine Tore, dort kann man auf den Spuren von Charlotte von Kalb und Friedrich Hölderlin wandeln. Foto: Fotos (3): Regina Vossenkaul

Die Vorbereitungen für ein besonderes Festjahr in Waltershausen laufen bereits auf Hochtouren, zahlreiche Vereine und aktive Bürger bringen sich ein, denn der Ort feiert in diesem Jahr seine urkundliche Ersterwähnung vor 1150 Jahren. Höhepunkte werden der Festkommers im Gästehaus am 28. April sein, ein Festwochenende wird dann am 27. und 28. Mai stattfinden.

Auf einer Urkunde ist vermerkt, dass Kunihilt im Jahr 867 das Dorf Hohenrod, auch Waltershausen genannt, an das Bonifatius-Kloster in Fulda schenkt. Es handelt sich dabei um ein Erbe von ihrer Mutter Waltrat, die eine welfische Fürstin gewesen sein soll.

Einst „Waltratshausen“

Nach ihr wurde das Dorf, in dem sie sich niedergelassen hatte, auch „Waltrathausen“ und schließlich Waltershausen genannt. Seit dem 13. Jahrhundert ist ein Rittergeschlecht „von Waltershausen“ nachgewiesen, das 1448 ausstarb.

Das Schloss ist in Waltershausen das eindrucksvollste Gebäude des Ortes, es ist umgeben von einem Park, in dem einst Charlotte von Kalb und der junge Dichter Friedrich Hölderlin, der für kurze Zeit als Hauslehrer engagiert war, spazieren gingen.

Friedrich Schillers Freundin

Charlotte, verheiratete von Kalb, ging als geistreiche Freundin Schillers und Jean Pauls in die Literaturgeschichte ein. Wo früher eine Wehrburg stand, hatte Georg Philipp Marschalk von Ostheim von 1619 bis 1627 die Schlossanlage zunächst einstöckig errichtet, später wurde das Gebäude mit Hilfe von Balthasar Neumann ergänzt, unter anderem mit einem Rokoko-Saal mit feinstem Stuckwerk. Der Schlosspark wird an den Festtagen begehbar sein, denn die jetzigen Schlossherren, Ulrich und Karin Moebius öffnen die Tore und laden zum Rundgang ein.

Evangelische Bastion

Bekanntlich gehört Waltershausen zu den evangelischen Dörfern, auch das ist den Marschalks von Ostheim zu verdanken, den Grundherren mit Stammsitz in Ostheim v. d. Rhön, die sich der Reforma-tion anschlossen. Um 1600 stiftete Moritz Marschalk von Ostheim trotz des Protestes des Würzburger Erzbischofs Julius Echter eine eigene Pfarrei samt Pfarrhaus. Der Druck der Fürstbischöfe ließ jedoch nicht nach und die Chroniken berichten von Überfällen und Inhaftierungen der Pfarrer, was erst im 30-jährigen Krieg endete, aber nur, um von anderen Gräueltaten abgelöst zu werden. Hungersnot, Pest und Überfälle der schwedischen Truppen und der Kroaten dezimierten die Bevölkerung. 1629 mussten die Waltershäuser den Kroaten Kriegssteuer entrichten, 1638 plünderten Kroaten Schloss und Pfarrhaus.

Erst ab 1650 ging es wieder aufwärts. An die schweren Zeiten soll während der Festtage ein historisches kroatisches Lager mitten im Dorf erinnern, außerdem gibt es in der Kirche eine Bilder- und Glockenausstellung.

Dorfmühle besichtigen

Bauern, Handwerker, Mühlen, eine Brauerei und eine Feuerwehr brauchte früher jedes Dorf. In Waltershausen kann man während der Festtage eine der Dorfmühlen besichtigen, geplant sind außerdem die Ausstellung von historischen Traktoren und Landmaschinen aus Waltershausen, eine Feuerwehrausstellung und Besichtigungen der Brauerei Lang, die der Landwirt Johann Konrad Lang 1844 dem Schloss Waltershausen für seinen Sohn Daniel abkaufte. Heute gehört sie in der fünften Generation Werner Lang, der auch mit seiner Frau Ingrid Gensler-Lang das Bräustüble bewirtschaftet.

Historisches Theaterstück

Die Bäckerei Amthor hat ihr Brotfest integriert und stellt das Bäckerhandwerk vor. Ein historisches Theaterstück studieren Mitglieder des Vereins „Frohsinn“ mit Kindern ein, außerdem sollen historische Gebäude auf Tafeln für Besucher erklärt werden. Kinderbeschäftigung wird es auf dem Spielplatz geben, für die Beköstigung wird an vielen Stationen gesorgt. Musikapellen und Gesangverein sorgen für musikalische Unterhaltung.

Seit 1978 bei Saal

Seit Mai 1978 ist die bis dahin selbstständige Gemeinde Waltershausen per Bürgerentscheid (Aubstadt stand auch zur Wahl) in den Markt Saal eingegliedert. Bedeutend in der Geschichte des Ortes sind unter anderem der Bau des Schwimmbades 1965, der Bau des Gästehauses mit Kegelbahn und Schützenheim im Jahr 1970 und die ab 1969 geschlossene Patenschaft mit der 3. Kompanie der Panzergrenadiere Mellrichstadt.

Bürgermeister Norbert Bauer und der Festausschuss rechnen mit mindestens 2000 Besuchern, die sich den Einblick in die Historie des idyllisch gelegenen Dorfes am Rande des Milzgrundes nicht entgehen lassen wollen. Waltershausen wird bestens darauf vorbereitet sein.

Waltershausen besitzt eine der wenigen evangelischen Kirchen, das Dorf hat sich erfolgreich gegen die Gegenreformation gewehrt.
Die Nachbildung der Schenkungsurkunde von 867.

Schlagworte

  • Waltershausen
  • Regina Vossenkaul
  • Amthor
  • Balthasar Neumann
  • Evangelische Kirche
  • Festtage
  • Friedrich Hölderlin
  • Friedrich Schiller
  • Georg Philipp
  • Jean Paul
  • Norbert Bauer
  • Theaterstücke
  • Urkunden
  • Werner Lang
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!