BAD KÖNIGSHOFEN

425 Jahre Königlich Privilegierte Schützengesellschaft

Die kleine Medaille rechts oben an der zentralen Figur des Hl. Sebastian ist der Beweis dafür, dass der Schützenverein bereits 1592 bestand. Die Schützenkette überstand die Kriegswirren eingemauert in eine Wand des Rathauses. Foto: Vossenkaul

Die älteste Medaille an der Königskette der Königlich Privilegierten Schützengesellschaft Bad Königshofen ist der Beweis dafür, dass der Verein seit 1592 besteht, also seit 425 Jahren.

Das Jubiläum des ältesten Vereins der Stadt wird im Rahmen des Bürgerfestes am Wochenende gefeiert, besonders der Kirchenzug nach dem Gottesdienst, der um 9.30 Uhr in der Stadtparrkirche beginnt, sowie der Festzug am Sonntag, 16. Juli, um 13.30 Uhr, sind sehenswert.

Tatsächlich gab es schon viel früher organisierte Schützen in der Stadt, was wahrscheinlich mit der Stadterhebung Anfang des 14. Jahrhunderts zusammenhing. Die Stadt musste verteidigt werden, dazu brauchte man eine Bürgerwehr, die schießen konnte und das auch übte.

Wie Heimatforscher Josef Sperl berichtet, zeigt der älteste Beleg, eine Bürgermeisterrechnung von 1453, dass es schon organisierte Schießübungen gab. Auf der Rechnung sind Kosten für Schützenwein an 60 Schießtagen erwähnt, außerdem gab die Stadt einen Zuschuss für die Fahrt zum Wettschießen in Meiningen.

1496 unterschied man zwischen Armbrust- und Büchsenschützen, die ihre Schießübungen an unterschiedlichen Tagen durchführten. Wie wichtig die Verteidigungsbereitschaft der Stadt war, zeigen Rechnungen für Schießscheiben, Fahnentuch, Waffen und Zinnbecher als Schützenpreise. 1592, im Jahr, aus dem die älteste Medaille stammt, nahmen die Schützen auf Stadtkosten an einem Wettbewerb in Schleusingen teil.

Die Schießübungen fanden im Freien statt, das belegen Aufzeichnungen, in denen von einer Schießmauer und von Schießhütten berichtet wurde. 1724 entstand ein Schießhaus. Nach dem Übergang des Würzburger Gebiets an Bayern wird 1816 die Bildung einer straff organisierten Schützenkompanie mit 60 Mann gefordert, es meldeten sich aber nur 31, wie Heimatforscher Sperl berichtet.

Schützenhaus am Tanzsaal

1817 entstand ein neues Schützenhaus am Brügel, integriert war ein Tanzsaal für Veranstaltungen. Allerdings hatte sich der Verein finanziell übernommen und konnte das für den Bau aufgenommene Darlehen nicht zurückzahlen. Der Magistrat hatte jedoch die Bürgschaft übernommen und so wurde das Gebäude an einen Eyershäuser für den Abriss verkauft, um die Hypothek tilgen zu können. Gute und schlechte Zeiten hat der Schützenverein erlebt, seine Aktivitäten erloschen jedoch nie ganz und es wurde mit Pfeil und Bogen, Armbrust, Vorderlader, Flinte, Gewehr und Pistole geschossen. Aus dem ursprünglichen Bedürfnis nach Wehrhaftigkeit wurde in den vielen Jahren des Bestehens ein Hobby, das mit sportlichem Wettbewerb, aber auch mit Geselligkeit zusammenhängt. Die älteren Vereinsmitglieder erinnern sich noch an Schießübungen in der „Rosenau“ bis 1992 und den Umzug an die „Schwabenklause“, auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs, in Kooperation mit den Jägern, wo richtiger Schießbetrieb aufgezogen wurde. Zum 400. Jahrestag des Vereins fand die Einweihung des neuen Schützenheims statt, wie es noch heute besteht.

Für die Idee, alle Sparten unter einem Dach vereint zu sehen, mussten Hindernisse überwunden werden. Aus Lärmschutzgründen sollten die Schießübungen außerhalb der Stadt durchgeführt werden, auf dem Gelände gab es aber keinen Strom-, Wasser- und Kanalanschluss. Ein Stromaggregat, ein eigener Brunnen und eine Abwassergrube lösten die Probleme und nach einigen Kämpfen mit den Behörden gab es sogar einen Zuschuss für den Neubau, der mit viel Eigenleistung vollendet wurde.

1960 aus dem Versteck geholt

Heute üben dort die Luftgewehr- und Luftpistolenschützen, die Kleinkaliberschützen und die Bogenschützen. Nicht nur auf das Schützenhaus sind die Vereinsmitglieder stolz, sondern auch auf die Schützenkette und den Königspokal, die im zweiten Weltkrieg vom damaligen Bürgermeister und zwei Schützenbrüdern in eine Wand im Rathaus eingemauert wurden und so nicht zur Kriegsbeute wurden. Erst 1960 wurden die Gegenstände aus ihrem Versteck geholt und den Schützen übergeben.

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