Bad Neustadt

800 Interessierte bei Bad Neustädter Bürgermeister-Diskussion

Was macht Sie zum idealen Bürgermeister für Bad Neustadt? Bei der Podiumsdiskussion schärften Christiane Hanshans, Michael Werner und Johannes Benkert ihr Profil.
Die Stadthalle war voll bei der Podiumsdiskussion der Bad Neustädter Bürgermeisterkandidaten. Foto: Björn Hein

Drei Politneulinge wollen Bad Neustadts Bürgermeister Bruno Altrichter beerben. Wer sind sie, welche Visionen haben sie für die Entwicklung Bad Neustadts, welche Positionen vertreten sie? Antworten auf diese Fragen gaben Christiane Hanshans (CSU), Michael Werner (Freie Wähler) und Johannes Benkert (Neuschter Liste) bei einer Podiumsdiskussion, zu der Main-Post und Rhön- und Saalepost in die Stadthalle eingeladen hatten.

Gut 800 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, die zwei Kandidaten und die Kandidatin kennen zu lernen und sich eine Meinung zu bilden. Wer nicht im Saal war, konnte die Diskussion auf den Live-Tickern beider Zeitungen verfolgen. 1600 Besucher bis Donnerstagmittag zeugen von dem großen Interesse, das diese Leser an der Bürgermeisterwahl haben. Sie erzeugten dabei über 85 700  Klicks.

Infos helfen bei der Entscheidung

Als die Moderatoren Steffen Sauer und Hubert Herbert zu Beginn der Präsentation in die Runde fragten, wer denn schon wisse, wem er am 15. März seine Stimme geben wird, hoben sich nur einige wenige Hände. Als dieselbe Frage am Ende der Diskussion nochmals gestellt wurden, war das Ergebnis frappierend: Mehr als die Hälfte der Zuhörerschaft signalisierte, ihre persönliche Wahlentscheidung getroffen zu haben.

Christiane Hanshans Foto: Björn Hein
Michael Werner Foto: Björn Hein
Johannes Benkert Foto: Björn Hein

Was also macht Christiane Hanshans zur idealen Bürgermeisterin? Auf diese Frage antwortete sie: "Ich kann Menschen mitnehmen und zur Mitarbeit motivieren und ich traue mir zu, die Stadt in eine sichere Zukunft zu führen." Johannes Benkert sagte: "Wir wollen reden, reden, reden, gemeinsam die Stadt weiterentwickeln und Bad Neustadt in die nächste Hälfte des 21. Jahrhunderts  führen." Michael Werners Antwort war: "Ich weiß, wie man anpackt, und ich bin sympathisch."

Die Zahlen belegen es: Bad Neustadt steht gut da, finanziell, wirtschaftlich und kulturell. Angesichts dieser Tatsache war es für die Kandidaten kein leichtes Unterfangen, ihr eigenes Profil zu schärfen. Ihre Antworten auf die Fragen, die aus der Zuhörerschaft und von den Moderatoren kamen, zeigten, dass alle drei durchaus ähnliche Prioritäten sehen, aber verschiedene Lösungsansätze verfolgen. Es gibt in vielen Bereichen der Stadtpolitik durchaus noch Stellschrauben, an denen man drehen kann.

Wohnraum contra Trabantenstadt?

Dies zeigte sich am Beispiel des Bebauungsplanes in der Von-Guttenberg-Straße. Ein Projekt, an dem keiner der Kandidaten beteiligt war und auf das keiner gegenwärtig Einfluss hat, bevor das Ergebnis des Bürgerentscheids am 16. Februar feststeht. Auf die Frage, was man den Herschfeldern noch zumuten wolle, antwortete Michael Werner: "Ich habe 22 Jahre in der Falltorstraße gelebt. Wir müssen das in einem Konzept erarbeiten. Wir sind aber auch stolz auf die medizinische Kompetenz und den großen Arbeitgeber Rhön-Klinikum. Wir werden Lösungen finden, egal wer das Ruder in die Hand nimmt."

Christiane Hanshans gab zu bedenken: "Wir brauchen Wohnraum in unserer Stadt, um attraktiv zu bleiben." Das Modell sei eine erste Idee. Die Idee des Baugebiets solle man nicht von vornherein verwerfen. "Wir vermissen Wohnraum, andererseits sind wir gegen Pläne für neuen Wohnraum, das ist schwierig."

Für Johannes Benkert ist es wichtig, herauszufinden, was das Rhön-Klinikum zu der Idee sagt. "Braucht der Konzern die Wohnungen gar nicht, weil Teile der ehemaligen Psychosomatik für Wohnnutzung übernommen werden?", fragte er. Seine Befürchtung: Die Wohnblocks in der Von-Guttenberg-Straße könnten zur Entwicklung einer Trabantenstadt führen. 

Jugendzentren oder Vereine?

Dass es in Bad Neustadt zu wenige Angebote für Jugendliche gibt, darüber waren sich alle Drei einig. Benkert plädierte für ein Jugendparlament, dessen Vorschläge in den Stadtrat einmünden sollen. Die Jugendlichen wüssten am besten, was sie brauchen. Hanshans stimmte ihm zu und plädierte für "zwei Quartiere mit pädagogischer Betreuung", während Werner die Jugendarbeit auch in Vereinen gut aufgehoben sah.

Was soll auf dem Gelände der ehemaligen Kreisklinik entstehen? Werner und Benkert plädierten eindeutig für bezahlbare Wohnungen für Familien, Singles und für seniorengerechtes Wohnen in diesem Bereich. Dem stimmte Hanshans zu, brachte aber auch ein Hotel ins Gespräch.

Sollen im Fronhof, dem ehemaligen Gefängnis, die Stadtbibliothek und ein Museum samt Café unterkommen? Ja, sagen Werner und Hanshans. Sie versprechen sich eine Belebung des kulturellen Lebens in der Innenstadt und einen attraktiven Ort der Begegnung für alle Generationen. Dem Museumskonzept steht Benkert kritisch gegenüber.  Und er gab zu bedenken:"Das frisst unverhältnismäßig viel Geld."

Was sagen sie zur Seilbahn?

Der Idee, den Rhön-Klinikum Campus mit einer Seilbahn an die Innenstadt anzubinden, standen alle Kandidaten offen gegenüber. Allerdings mit der Forderung, dass das neue Verkehrsmittel in ein stimmiges Verkehrskonzept eingebunden wird.

Es gibt Befürchtungen, dass es zu gefährlichen Situationen für Autofahrer und Fußgänger kommen  könnte, sobald der neue Media-Markt an der Meininger Straße öffnet. Diese wurden von den Kandidaten geteilt. Zu Stoßzeiten sind viele Schüler in Richtung Bushaltestellen unterwegs, die Rettungswagen des BRK starten vom jetzigen Postgelände zu ihren Einsätzen und Einkäufer sind Richtung Media-Markt und Kaufland unterwegs. "Das wird ein Chaos", kommentierte Benkert. Die beiden anderen wollen abwarten, ob die neuen Abbiegespuren greifen oder ob man andere Lösungen suchen muss. 

Gemeinsame Standpunkte

Einig waren sich die Kandidaten in vielen Bereichen: Sie wollen als Bürgermeister besser mit Interessengruppen und Bürgern kommunizieren, sie wollen unter anderem die Innenstadt beleben, die Verkehrsbelastung in Herschfeld und Brendlorenzen minimieren, ein Radwegekonzept für die Stadt entwerfen lassen, bezahlbaren Wohnraum schaffen, das Umland besser an die Stadt anbinden und die Nessi-Angebote fit für die Zukunft machen.

Die Aufmerksamkeit des Publikums war den Kandidaten gewiss. Die Zuhörer erlebten drei Anwärter, die ihre Standpunkte wortgewandt und gut vorbereitet vortrugen, die souverän auftraten, humorvoll und schlagfertig antworteten und respektvoll miteinander umgingen. Gute Argumente und schlagfertige Beiträge wurden mit anerkennendem Applaus honoriert. Einzig der Versuch eines Bürgers, den Bürgerentscheid tiefer zu diskutieren, wurde von der Zuhörerschaft mit einem genervten kollektiven Stöhnen bedacht. Und auch Benkerts Anmerkung, die neue Stadthalle habe Bad Neustadt nichts gebracht, rief in den Bürgerreihen missbilligendes Raunen hervor.  

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