Bad Königshofen

93 Jahre Familientradition: Von der Schmiede zur modernen Landtechnik

Zum 31. Dezember 2020 schließt Michael Keller die Landmaschinenwerkstatt in der Zeughausstraße in Bad Königshofen. Damit endet eine Familientradition nach 93 Jahren.
Foto: Hanns Friedrich | Zum 31. Dezember 2020 schließt Michael Keller die Landmaschinenwerkstatt in der Zeughausstraße in Bad Königshofen. Damit endet eine Familientradition nach 93 Jahren.

Einen Zeitsprung zurück in das Jahr 1927 macht Michael Keller, wenn er in die ehemalige Hufschmiede seines Großvaters geht. Die lag in der Schottstraße in Bad Königshofen. "Hier ist noch alles vorhanden, wie es damals war," sagt er und zeigt die verschiedenen Werkzeuge, den Amboss oder auch die Esse, die er ab und zu anschürt. Hufschmied und Wagenbauer war sein Großvater und davon zeugen noch die im Original vorhandenen Werkzeuge.

Keller kennt sie alle, weiß wie die Eisenbereifung für die Leiterwagen gefertigt oder wie den Pferden neue Hufeisen aufgesetzt wurden. Mit 14 Jahren begann er seine Lehre bei seinem Vater Walter Keller, hatte aber von Kindesbeinen an schon sämtliche Einblicke in den Beruf, der sich im Laufe der Jahre enorm veränderte. Aus der einstigen Hufschmiede wurde ein florierender Betrieb für Landtechnik. Das Alter und gesundheitliche Gründe zwingen Michael Keller nun zur Aufgabe des Unternehmens.

54 Jahre harte Arbeit

54 Jahre harte Arbeit haben ihre Spuren hinterlassen, "und dann merkst du halt recht schnell, dass es nicht mehr so einfach geht." Er selbst ist in der Firma aufgewachsen, die sein Vater 1949 nach dem Tod des Großvaters übernahm. 1972 wurde das Unternehmen Vertragshändler der Firmen Same, Deutz und Fahr und 1988 der Firma Kverneland. Im Jahr der Grenzöffnung 1989 ging die Firma in der Zeughausstraße an Keller über. Bereits 1977 legte er seine Meisterprüfung für das Landmaschinenmechaniker Handwerk in Augsburg ab. 2017 bekam er den goldenen Meisterbrief von der Handwerkskammer für Unterfranken überreicht.  

Wenn Keller zurückblickt nennt er den ersten Mähdrescher in Königshofen mit einer Schnittbreite von 1,90 Metern. Der erste Traktor, den er reparierte hatte elf PS, heute sind es bis zu 350 PS. Um stets auf dem aktuellen Stand zu sein, waren immer wieder Fortbildungen notwendig. Welches Vertrauen das Bad Königshofener Unternehmen besitzt zeigen die vielen zufriedenen Kunden nicht nur aus dem Altlandkreis Königshofen, sondern weit darüber hinaus, nach der Grenzöffnung bis in den Landkreis Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen.

Kundschaft aus Bamberg und Frankfurt

Der Grund sind vor allem die vielen Ersatzteile, die bei Keller noch zu haben sind. "Das bringt uns Kundschaft von Bamberg bis Frankfurt." Oftmals haben diese Kunden landwirtschaftliche Geräte, für die es heute keine Ersatzteile mehr gibt. "Wir haben sie aber noch auf Lager." Diesen Ersatzteildienst will Keller deshalb auch noch einige Zeit weiter führen.  

Um 100 Prozent konnte er den Betrieb steigern, den er zusammen mit seiner Frau Veronika und seiner Tochter Katharina führt. Dabei verweist er auf die Zeiten, als es noch die Brauereien in Königshofen gab oder die Milchzüge. Sie alle wurden von seiner Werkstatt betreut. Einmal musste er zum Wechseln einer Achse am Lkw der Spedition Hausmann sogar bis nach Italien fahren. "Auf der Autobahn haben wir die Achse aus dem Lkw ausgebaut und die Neue wieder eingebaut."

Keller möchte Schmiede für Gäste öffnen

Interessant ist ein altes Rechnungsbuch, in dem in den 1950er Jahren ausgeführten Arbeiten akribisch aufgezeichnet sind. Da liest man zum Beispiel von jeweils vier neuen, gebrauchten und vier alten Hufeisen, oder von zwei Rädern, einer Riemenscheibe oder von einem Mistkarrenrahmen, der geschweißt wurde und neue Stützen bekam. Pflüge wurden repariert, ein Bulle ausgeschnitten und sogar die Räder an einem Kinderwagen wieder instand gesetzt. Heute schreibt Keller zum einen nicht mehr handschriftlich seine Rechnungen und die Arbeiten befassten sich vor allem mit der Reparatur und dem Verkauf von  Landmaschinen.

Mit Recht ist er aber Stolz auf die Geschichte seines Unternehmens, die 1927 begann. Im Ruhestand möchte er die alte Schmiede wieder aktivieren und für Gäste ab und zu die Tore in der Schottstraße öffnen. Dann kann man ihm beim alten Schmiedehandwerk über die Schultern schauen.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Rhön-Grabfeld und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Bad Königshofen
Hanns Friedrich
Brauereien
Deutz AG
Handwerk
Handwerkskammer für Unterfranken
Handwerkskammern
Kunden
Landtechnik
Landwirtschaft
Landwirtschaftliche Geräte und Landmaschinen
Lastkraftwagen
Michael Keller
Traktoren
Walter Keller
Werkstätten
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!