Bad Königshofen

Abi in Corona-Zeiten: Die Mehrheit will keine Prüfungen

Jana Scherl arbeitet Arbeitsaufträge ab, ebenso wie ihre Mitschüler muss sie mit Fernunterricht und den vorhandenen Büchern klarkommen. 
Jana Scherl arbeitet Arbeitsaufträge ab, ebenso wie ihre Mitschüler muss sie mit Fernunterricht und den vorhandenen Büchern klarkommen.  Foto: Regina Vossenkaul

Die Schulen sind geschlossen, aber hinter den Kulissen wird emsig gearbeitet. Während viele Schüler relativ entspannt zu Hause ihre Arbeitsaufträge absolvieren können, sind die Absolventen dieses Jahrgangs unter Druck und müssen sich ohne direkten Unterricht auf die wichtigsten Prüfungen ihrer Schullaufbahn vorbereiten. Die zukünftigen Abiturienten in Bad Königshofen und ihre Lehrer halten Kontakt über unterschiedliche Kanäle per E-Mail, über das Lernportal Mebis, über Whatsapp, Discord oder Videokonferenzen.

"Der Laden läuft", sagt Schulleiter Wolfgang Klose. Einige Lehrer vermitteln Unterrichtseinheiten über Videoaufnahmen und sind im Schulhaus unterwegs, andere arbeiten von zu Hause aus. "Für uns ist das Neuland", so Klose. Die Kollegen seien unterschiedlich, aber sehr engagiert tätig. Manche schicken wöchentlich Arbeitsaufträge und setzen Termin für die Abgabe der Ergebnisse, andere machen das täglich. Schulaufgaben werden in dieser Zeit nicht geschrieben. Von den Eltern gebe es bisher keine Beschwerden, nur positive Rückmeldungen, so Klose. Die neuen Kommunikationskanäle erfordern ein Umdenken, die Inhalte müssen anders vermittelt werden als im Unterricht, wo direkte Nachfragen möglich sind. Klose hat an die Fachlehrer appelliert, sich mit dem Klassenleiter abzusprechen, um eine Überversorgung zu vermeiden. "Alles mit Maß und Ziel", ist seine Devise.

Nikolas Dahinten hofft, dass ab 20. April der normale Unterricht wieder stattfinden kann. Foto: Nikolas Dahinten
Nikolas Dahinten hofft, dass ab 20. April der normale Unterricht wieder stattfinden kann. Foto: Nikolas Dahinten Foto: Regina Vossenkaul

Am 20. Mai beginnen in Bayern die verschobenen Abiprüfungen nach jetzigem Stand, bis 19. April gilt derzeit die Ausgangsbeschränkung. Kollegstufensprecher Nikolas Dahinten hofft, dass vor den Prüfungen noch einige Wochen lang regulärer Unterricht stattfinden kann. Die Seminararbeiten waren zum Glück schon abgegeben. "Ich fühle mich nicht sehr schlecht, ich kann meine Lernzeit selbst einteilen, muss aber die Fristen einhalten", beschreibt er seine Lage. Von der diskutierten Möglichkeit die Prüfungen auszusetzen und die Abiturnote aus den bisherigen Zensuren zusammenzufassen, hält er nichts. "Ich will später nicht als jemand mit einem "geschenkten" Corona-Abitur dastehen", sagt Nikolas. Insgesamt fühlt er sich gut betreut. Anfangs sei es etwas chaotisch abgelaufen, aber ein Lehrer habe eine Videoplattform eingerichtet, die er besonders für Mathematik gern nutzt. Manche Lehrer hatten mit der Technik Schwierigkeiten, aber die konnten behoben werden.  

Fernunterricht ist mit dem normalen Unterricht nicht zu vergleichen

Jana Scherl hat gute Erfahrungen mit "Discord", einer Art virtuellem Klassenzimmer gemacht, spricht aber auch von technischen Schwierigkeiten. "Insgesamt merkt man, dass sich unsere Lehrer sehr bemühen uns den Unterrichtsstoff trotz der Schulschließung näherzubringen. Sie sind immer für Fragen offen", sagt sie. Der Fernunterricht sei aber mit dem normalen nicht zu vergleichen. Bei komplizierten Themen sei es schwieriger den Stoff zu erlernen, Nachhilfeunterricht sei auch nur online möglich. Sie fühlt sich nicht direkt benachteiligt gegenüber normalen Jahrgängen, es fehlen jedoch Übungen und Vertiefungen. Sollte ab dem 20. April der Schulbesuch wieder möglich sein, müssen sechs Klausuren, Stehgreifarbeiten und mündliche Noten nachgeholt werden, für Abivorbereitungen bleibt dann nicht viel Zeit, befürchtet sie und weist auf die zusätzlichen Belastungen im privaten Bereich hin, von Erkrankung in der Familie bis zu finanziellen Sorgen.

Von psychischen Belastungen und Sorgen um Familienmitglieder berichtet auch Lina Greubel. Dazu komme die Ungewissheit in dieser wichtigen Zeit vor den Prüfungen. Die Schulen hätten es ziemlich schnell geschafft, den Online-Unterricht zu organisieren, der aber den normalen Unterricht nicht ersetzen könne.  Treffen mit Klassenkameraden zum gemeinsamen Lernen entfallen ebenfalls. "Ich hätte gern ein normales Abitur und eine normale Vorbereitung gehabt", sagt Lina. Unter den jetzigen Umständen hält sie jedoch die Prüfungen für nicht besonders fair, plädiert für das "Durchschnittsabitur" und hofft auf ein Umdenken der Politiker.

Der Schein trügt: Hinter den Kulissen des ruhigen Bad Königshöfer Gymnasiums wird fleißig gearbeitet.
Der Schein trügt: Hinter den Kulissen des ruhigen Bad Königshöfer Gymnasiums wird fleißig gearbeitet. Foto: Regina Vossenkaul

Eine Umfrage bei den 52 Bad Königshöfer Abiturienten ergab, dass 73,08 Prozent (38 Schüler) für das Durchschnittsabitur stimmen, 25 Prozent (13) sind für das Durchführen der Prüfungen, es gab eine Enthaltung. Ob der Schulbesuch ab dem 20. April wieder erlaubt wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest und hängt von der weiteren Entwicklung der Corona-Krise ab. Eventuell sollen die Schulen schrittweise wieder in Betrieb genommen werden, angefangen mit den Abschlussklassen.

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