Alles geben für den Sport

Vielleicht sieht man sich mal wieder: Ricco Groß führte beim Biathlon-Treff in Sulzfeld intensive Fachgespräche mit der 13-jährigen Nachwuchsbiathletin Valentina Umhöfer aus Saal. Foto: Rudi Dümpert

Sulzfeld Hoher Feiertag beim Biathlon-Fanclub Sulzfeld zum einjährigen Bestehen. Der vierfache Biathlon-Olympiasieger und elffache Weltmeister, Damen-Bundestrainer Ricco Groß, weilte zu einer Stippvisite im Grabfeld. Weil es ihm sichtlich Spaß machte, dauerte sie wesentlich länger als geplant.

Der Besuch im Bärental, über den sich Vorsitzender Michael Solf riesig freute, kam auf Vermittlung des Wirtsehepaars Müller zustande. Geschlagene drei Stunden hatte der ehemalige Weltklasse-Athlet Spaß am Frage-Antwortspiel, einem Challenge-Turnier mit der Laser-Waffe, Fotoshooting, Autogrammeschreiben und am Bad in der begeisterten Menge. Der Main-Post beantwortete er einige Fragen.

Frage: Hier sitzt ein 13-jähriges Mädchen, Valentina Umhöfer aus Saal, die seit einem Jahr wöchentlich dreimal nach Oberhof zum Biathlon-Training fährt. Was rätst du ihr, was hast du getan, dass du ganz nach oben kamst und 17 Jahre lang Teil der Weltspitze warst?

Ricco Gross: Ich habe immer versucht, das Optimale aus meinem Körper raus zu holen und durchgehalten, egal wie die Stimmung oder das Wetter war. Ich habe den Kompromiss mit mir geschlossen, ich bin Sportler und gebe alles dafür. Auf dem Weg nach oben sind für dich ganz besonders deine Eltern wichtig, die dich unterstützen. Wenn ich höre, dass du dreimal die Woche hoch nach Oberhof fährst, gut fünf Stunden unterwegs bist, da nimmst du schon eine ganze Menge auf dich. Deine Eltern aber genau so. Das ist was ganz Tolles, dass dein Elternhaus, Geschwister und Verwandten dich so unterstützen. Sag' einfach immer mal 'Danke schön, dass ich das machen darf'. Wenn mal ein Wettkampf völlig in die Hose gegangen ist, dann lass' dich nicht hängen. Steh' immer wieder auf, wenn du mal hingefallen bist.“

Gerald Hönig und du, ihr seid zu zweit Damen-Disziplin-Trainer. Wie sieht die Aufgabenverteilung aus?

Ricco Gross: Wir sind Biathlon-Trainer. Es gibt da keine Zuordnung, der ist Schießtrainer, der Lauftrainer. Es bringt eben jeder seine Stärken ein, die er hat. Dass Gerald bei den Rennen am Schießstand steht und ich an der Strecke, hängt auch damit zusammen, wer jünger und etwas frischer ist. Und da wir die Philosophie haben, unsere Athleten im Training ein Stück weit zu begleiten, kann der Gerald, er wird es mir verzeihen, eben nicht mehr ganz Schritt halten.

Was ist das Besondere, eine Damenmannschaft zu trainieren? Hönig sagt, es sei leichter, wenn man erst mal ihr Vertrauen gewonnen habe.

Ricco Gross: „Weiß ich nicht, weil ich noch nie Männer trainiert habe. Ich bin aber sehr glücklich, diese Aufgabe zu haben. Die Mädels sind mit hohem Einsatz dabei, was letztlich auch der Schlüssel zum Erfolg ist.“

Wird der Sommer nicht nur fürs Grundlagentraining genutzt, sondern auch, um gezielt an individuellen Stärken und Schwächen der Athleten zu arbeiten?

Ricco Gross: Was das Skifahren betrifft nur bedingt, weil das auf Rollern nicht dasselbe wie auf Schnee ist. Was die Teildisziplin Schießen betrifft, natürlich schon. Jetzt im Juni sind es aber eher allgemeine Trainingsmittel wie Radfahren, Mountainbike, Crosslauf, alles, was nicht unbedingt mit Biathlon zu tun hat. Erst etwa im Juli geht es wieder mehr um die Komplexität, darum, beide Teildisziplinen zusammen zu führen. Dann lassen wir uns Trainingsformen einfallen, um individuelle Defizite anzugehen. Wir sind aber nicht Trainer, die nur nackte Zahlen wie etwa Zeiten und Trefferquoten sehen. Wir sehen auch Entwicklungen: Wie hat die Athletin letzte Saison geschossen und die davor. Natürlich wollen wir den Erfolg. Wir sehen aber immer den langfristigen Aufbau einer Athletin im Vordergrund.“

Was hältst du von Mentaltrainern?

Ricco Gross: „Es sind alles Profis und mündige Athleten, die bei uns trainieren. Es gibt auch welche, die sagen, mein Trainer ist mein Mentaltrainer. Und wir sollten natürlich auch für solche Momente ein Stück weit ausgebildet sein.“

Die WM in Ruhpolding beginnt am 1. März. Ist die Hochform auf so einen Termin hin steuerbar?

Ricco Gross: „Auf alle Fälle. Aber darauf näher einzugehen, dazu müsste ich sechs Bier trinken und drei Bratwürste essen.“

Was wünschst du dir von der Saison 2011/12?

Ricco Gross: Dass alle gesund durchkommen und das abrufen, was wir antrainiert haben. Dann kommt das mit den Medaillen ganz selbstverständlich.“

Wie hast du es geschafft, mit der Nervosität, besonders bei Heimwettkämpfen, umzugehen?

Ricco Gross: „Wichtig ist, dass man auf den Punkt topfit ist. Heimrennen habe ich nicht als Druck empfunden, sondern als Motivation. Ich habe mir gesagt, die Fans fordern nichts von mir, höchstens, dass ich mein Bestes gebe. Dabei wollen sie mich nur unterstützen. Ich selber war zu Saisonbeginn nie in Form, freute mich im Dezember schon über einen 15. Platz. Wenn es dann im Januar nach Oberhof und Ruhpolding ging, dann haben mich sogar die Konkurrenten im Vorfeld stark geredet, da ist der Groß sicher wieder voll da. Und zu den Saisonhöhepunkten war ich dann immer in Bestform. Diesen psychologischen Rhythmus kann man sich auch erarbeiten.“

Ricco Groß

Der Sportler wurde 1970 in einem kleinen Dorf in Sachsen im Erzgebirge geboren. Später zog er nach Schwarzenberg, und begann dort mit dem Langlaufen, bis ein Biathlontrainer ihn zum Biathlon brachte. Die Langlauftruppe wurde aufgelöst, weil Biathlon interessanter war. Von der 7. bis 10. Klasse besuchte er die Kinder- und Jugendsportsschule und konnte immer mit den Besten trainieren. Im Jugend- und Juniorenalter war er in Zinnwald. Der Club wurde nach der Wende geschlossen, so dass sich Rico Groß nach Ruhpolding aufmachte. Nach der Jugend- und Juniorennationalmannschaft wurde er in die Herren-Nationalmannschaft berufen, durfte 1991 mit zur WM nach Lahti und wurde Weltmeister. Danach startete er seine bekannte Karriere.

Gar nicht so einfach: Sulzfelds Bürgermeister Jürgen Heusinger (rechts) fordert Ricco Groß (links) beim Challenge-Turnier in Sulzfeld mit der Laser-Waffe heraus. Foto: Rudi Dümpert

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