NORDHEIM

Allianz in Planung: Hand in Hand für ein blühendes Streutal

Blütenträume: Die Städte und Gemeinden entlang der Streu (im Bild die Nordheimer Nepomukbrücke über die Streu) wollen sich zu einer interkommunalen Allianz zusammenschließen, um gemeinsam schlagkräftiger zu werden. Foto: Gerhard Fischer

Auch das Streutal ist jetzt auf dem Weg zu einer Allianz. Was im Grabfeld schon seit 2005 und auch im Raum Bad Neustadt sowie für die Kreuzberg-Gemeinden seit einigen Jahren existiert, wird für den Altlandkreis Mellrichstadt konkreter: die professionell geleitete Zusammenarbeit mehrerer Kommunen auf wirtschaftlichem, strukturpolitischem und touristischem Gebiet.

„Nur gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen“, dies war der Kernsatz von Kurt Mauer, dem ehemaligen Trappstädter Bürgermeister und ehemaligen Vorsitzenden der Allianz Fränkischer Grabfeldgau. Zusammen mit Projektmanagerin Mirjam Betz und Bad Königshofens Bürgermeister Thomas Helbling war er in den Nordheimer Bürgerkeller gekommen, um den Bürgermeistern der Streutal-Kommunen sowie des Besengaus die Struktur und vor allem die Themen der Grabfeldallianz vorzustellen.

„Was machen die? Und mit welchem Erfolg?“, war die Eingangsfrage, die Mellrichstadts Bürgermeister Eberhard Streit gestellt hatte. Am Ende waren er und seine Bürgermeisterkollegen um einiges klüger – und vor allem willens, auch im Streutal eine solche Allianz ins Leben zu rufen.

Nun, ganz ohne sanften Druck von oben erfolgen solche Allianzgründungen nicht. Es ist oft der einzige Weg, noch an Fördertöpfe zu kommen, wenn Dorferneuerungen oder Städtebauförderprogramme abgelaufen sind. Und das Amt für ländliche Entwicklung in Würzburg wünscht sich solche Allianzen.

Das gestand auch Bastheims Bürgermeisterin Anja Seufert ein, die sich mit dem Besengau dem Altlandkreis Mellrichstadt verbunden weiß. Wenn durch die Bildung von Allianzen nicht nur Fördertöpfe angezapft werden, sondern auch noch die Förderquoten zwischen fünf und zehn Prozent höher liegen, dann ist das Interesse an einer solchen Allianz natürlich gleich höher.

Kurt Mauer erinnerte an die Gründung der Grabfeldallianz 2005, als im Zuge der A 71-Planungen das Grabfeld mehr oder weniger aus der Förderkulisse herausgerutscht war. Das Grabfeld sollte aber nicht außen vor bleiben. Also bildete man eine Arbeitsgruppe und ging in der Dorferneuerungsschule im oberfränkischen Kloster Langheim der Frage „Wo stehen wir – Wo wollen wir hin? nach“, wie Mauer rekapitulierte. 2006 wurde ein Integriertes ländliches Entwicklungskonzept (ILEK) für das Grabfeld in Auftrag gegeben.

Schließlich gründeten die zehn Kommunen des Grabfelds mit Ausnahme von Wülfershausen die Grabfeldallianz, die seither im südöstlichen Teil des Landkreises wirkt.

Das erste Allianzprojekt hieß „Grabfelddorf“. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurden typische Gebäude für das Grabfeld inventarisiert, um Sanierungen fördern zu können. „Bis heute gab es 93 Förderfälle bei einem Volumen von 3,4 Millionen Euro“ konnte Betz erfreut vermelden.

„Was nix kostet,

taugt auch nix.“

Kurt Mauer Grabfeld-Allianz

2009 machte sich die Grabfeldallianz an die Schaffung eines Radwegenetzes im Grabfeld inklusive Rastplätzen mit Infotafeln und der Herausgabe von Radwanderkarten. „Wir holen immer wieder die Jugend mit ins Boot“, betonte Kurt Mauer. Dazu zählte er auch das Projekt zur Ermittlung des demografischen Wandels im Grabfeld, das von Schülern mehrfach öffentlich präsentiert wurde. Und aus der Zusammenarbeit mit der Nachbarallianz „Oberes Werntal“ entstand die Vermarktung der Badeseen Ellertshäuser, Irmelshäuser und Sulzfelder See sowie der Frankentherme mit dem Heilwassersee. Verschiedene Print-Projekte, wie die Herausgabe eines Kochbuchs mit Rezepten aus dem Grabfeld und aus Thüringen, sowie vierteljährliche Veranstaltungskalender gehören zum Arbeitspensum ebenso wie die Etablierung der Ausbildungsplatzbörse „Grabfelder Jobmeile“, die ein großer Erfolg Anfang des Jahres war. Gut angenommen werde auch der Grabfeldbus. Ganz taufrisch ist das Projekt „Kernwege“, bei dem land- und forstwirtschaftliche Wege erfasst werden und ein Sanierungsbedarf ermittelt wird.

Alles in allem also ein reicher Themenfundus, aus dem sich auch die Streutal-Kommunen bedienen könnten. Nicht umsonst sprach Bürgermeister Eberhard Streit von der „Paten-Allianz“ im Grabfeld, deren Hilfe man gerne in Anspruch nehmen wolle.

Im Verlauf der Diskussion im Nordheimer Bürgerkeller, in dem Hausherr Thomas Fischer die Gäste willkommen hieß, wurde aber auch deutlich, dass es zum Beispiel über das Projekt „Die Rhöner 5“ schon gelungene Allianzen zum Beispiel auf touristischem Gebiet gebe.

Nun soll eine Arbeitsgruppe aus Streutal-Bürgermeistern, Stadt-und Gemeinderäten und Touristikern im Kloster Langheim zu einem ersten Seminar zusammenkommen, um das Allianzprojekt weiter anzustoßen. Eine Gegenstimme zu einer Streutal-Allianz gab es jedenfalls nicht.

Hendungens Bürgermeister Florian Liening-Ewert wollte sich nur vergewissern, dass das Streutal „einen eigenen Weg geht“, der nicht nur die Kopie eines Vorbildes ist. Mellrichstadts Stadtchef Eberhard Streit wiederum will vermeiden, dass es zu Doppelungen kommt, wenn zum Beispiel der Kulturkalender des Landkreises schon wichtige Termine enthält.

Zu Herzen nahm sich das Gremium jedenfalls Mauers Appell an eine „professionelle Organisationsform“ zum Beispiel mit einem Allianz-Management. Im Grabfeld bedeutet dies eine Umlage von vier Euro pro Bürger, um Projekte und vor allem die Managerstelle zu finanzieren, wobei diese in der Anlaufphase gefördert wird.

Hausens Bürgermeister Fridolin Link und Fladungens Bürgermeisterin Agathe Heuser-Panten werden sich nun federführend um die nächsten Schritte bemühen. Dass man im Streutal Einigkeit demonstrieren und an einem Strang ziehen will, das wurde im Nordheimer Bürgerkeller jedenfalls klar.

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